Kupfertaler 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 3

Schublade

Ich hab gemerkt, dass du nicht mehr hier bist, aber dachte das sei nur die neue Stadt.

Und dann zupfst du an meinem Pulli. Den, den ich angezogen habe, damit du mich hübsch findest und du sagst, dass du mich noch magst, aber dass es nicht mehr reicht. Ich denk mir: Seit wann reicht Liebe nicht mehr?, nicht ganz die Lage begreifend. Aber du guckst mich mit deinen riesigen Augen so traurig an und ich, ich erinner mich an dich und mich und wie es mal war. Dass deine Augen nicht so traurig geblinzelt haben, wie sie es jetzt immer tun und wie du mich immer angelacht hast. Dass du nach dem Küssen nicht so geguckt hast, als hättest du was Schlechtes gerochen, sondern so, dass meine Füße den Halt verloren haben.
Ich versteh, dass das hier sein muss. Versteh, dass es besser so sein sollte. Ich versteh das alles und trotzdem will ich immer noch dich, mit den zerzausten braunen Haaren, den grünen Augen und Lippen, in denen ich versinken will. 

Ich hab gemerkt, dass du nicht mehr hier bist, aber dachte das sei nur die neue Stadt. Dabei bist du ganz umgezogen, weg von mir und dir. Hast mich sorgsam Zuhause in der Schublade verstaut und deinen Koffer mit neuen Erinnerungen beladen. Und ich? Ich sitz jetzt hier, mit dem was du mir dagelassen hast: Mit dem Pulli, den ich für dich angezogen habe, der Erinnerung an dein Gesicht, das etwas übel Riechendes bemerkt und der Feststellung, dass wohl ich es jetzt bin, die du nicht mehr riechen kannst. Ich sitz hier und merk, dass du womöglich noch weiter weg bist, als ich ursprünglich angenommen hatte. 
Ich versteh das und alles was ich will, bist du.


Tags: Herzschmerz
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