sunnny 15.06.2014, 23:29 Uhr 2 3

Schmerz und Freiheit

Doch nun, wo bei mir nichts mehr ist, ist bei dir noch viel mehr.

Weil du irgendwie anders trauerst als ich.

Weil du anders in den Abgrund hinunterblickst. Du blickst rein und lässt dich fallen und genießt den freien Fall, weil du das besser kannst als fliegen. Denkst du.

Du denkst, du kannst nicht mehr, du bist nicht mehr als dein Schmerz und deine Trauer und deshalb umarmst du sie und lässt sie nicht mehr los, weil du mich los lassen musst.

Doch ich schau hinauf. Ich lieg im See und schau hinauf und lass mich tragen. Mach die Augen zu und lass mich tragen vom wunderbar weichen Wasser und die Sonne scheint mir ins Gesicht ich sehe tausend Farben, nur dich seh ich dort nicht. Während du fällst, treibe ich und fühl mich frei.

Obwohl du doch überall sein solltest. In meinem Kopf und meinem Herz und meinem Bauch. Doch du bist nicht mehr da. Ich habe dich verschwinden lassen und deswegen lässt du dich selbst nun fallen. Gibst auf, weil ich nicht mehr geben kann.

Du warst mal alles. Warst mehr als Essen Trinken Schlafen Arbeit Ich.

Schweben, hängen lassen, unsicher sein war alles egal neben dir. Solang ich neben dir war.

Doch nun, wo bei mir nichts mehr ist, ist bei dir noch viel mehr. Der Schmerz den du fühlst, der dich irrational macht und wütend und traurig und dich um dich schlagen lässt, der Schmerz, den ich dir zugefügt habe, bleibt. Du hältst ihn fest, weil du ihn kennst. Besser als mich, wie du denkst.

Und das tut mir weh. Gefühle gehen vorbei... ich weiß... und ich habe sie ziehen lassen... ich weiß... und ich habe dich nie so in mein Herz gelassen, wie du mich in deines... ich weiß...

Doch ich weiß nicht, was ich tun soll, was ich lassen soll, wie ich helfen soll und wie ich fühlen soll. Denn ich fühle nichts mehr und nichts ist schlimmer als... nichts.

Doch ich kann nicht wütend sein, weil ich die Schuldige bin. Kann nicht traurig sein, weil ich die bin, die alles genommen hat. Kann nicht um mich schlagen, weil ich für deine Schläge gewappnet sein muss. Weil ich es getan habe. Ich habe dich aus meinem Leben gestoßen und muss nun mit den Stimmen aus unserem Beziehungsjenseits zurecht kommen. Muss damit zurecht kommen, dass du alles versuchst, was dein Bauch dir sagt. Weil meiner mir gar nichts mehr sagt, sagt deiner noch viel mehr und befiehlt dir so zu sein, wie du normal nicht bist.

Weil du normal nicht mit verwelkten Blumen schweigend in Treppenhäusern stehst, mit einem Blick zwischen Verachtung, Trauer und Liebe... ohne Orientierung für dein Leben.

Weil du normal nicht ausnutzt, was dir schadet um anderen weh zu tun. Weil dein Körper das einzige ist, mit dem du dich noch wehren kannst. Weil du weißt, dass dein Schmerz auch mir weh tut, weil eine Verbindung doch immer da sein wird und du diese Verbindung nutzt um nun mir zuzufügen was du fühlst.

Weil du Seele mit Körper kompensierst.

Weil du nicht mehr sehen kannst, was gut war und dass gute Sachen auch vorbeigehen. Dass man schöne Momente auch ziehen lassen muss weil nicht alles ewig sein kann.

Doch weil es für dich ewig sein soll, spielst du es immer wieder, sagst immer die gleichen Worte, willst immer das gleiche hören und immer das gleiche fühlen. Doch meine Stimme tropft wie Regen auf den Asphalt, sie verschwindet und wird zur grauen Masse, weil dein Schmerz nichts hören will. Er will nur Ewigkeit.

Ich muss für ihn noch da sein, wenn nicht als Partner dann als Feind, scheint es mir. Wenn nicht mit Glück, dann mit Schmerz, scheint es mir. Wenn nicht als Freund, dann als Gegner, scheint es mir.

Und ich mach bereitwillig mit. Weil ich weiß, dass du dich selbst noch viel mehr hasst als mich. Dass du deine Taten und fehlenden Worte noch mehr bereust als unsere Beziehung.

Doch vielleicht... vielleicht irgendwann kannst du mich wieder ansehen, wieder schmerzlos mit mir reden, wieder jemand in deine Wohnung und dein Herz und deinen Kopf lassen ohne dass dein Kopf dir das verbietet. Vielleicht können wir irgendwann Freunde sein und gemeinsam über den neuesten Tatort von Till Schweiger lachen.

Und vielleicht... aber nur vielleicht... verschwindet irgendwann dein Schmerz und lässt dich wirklich leben.


Tags: Schmerz, Trauer, Trennung
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2 Antworten

Kommentare

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      danke für die Rückmeldung!

      16.06.2014, 16:25 von sunnny

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