Schlusspfiff! Ohne Nachspielzeit
Diesmal hast du kein Bier und kein Essen mitgebracht, sondern diesen Blick den ich nicht sehen wollte.
Zum ersten Mal habe ich nicht an der Wohnungstür darauf gewartet, dass du die Treppe hoch gelaufen kommst, ich habe mich wieder aufs Sofa gelegt und von da aus zur Türe geschaut.
Jetzt weiß ich dass du die Treppe langsam hochgeschlurft bist, weil du viel zu schleppen hattest. Dann standst du vor mir, ich habe dich einfach zu mir gezogen und dich gedrückt wie immer. Du hast dich neben mich gesetzt, erst da hab ich es gesehen, in deinen Augen. Diesmal hast du kein Bier und kein Essen mitgebracht, sondern diesen Blick den ich nicht sehen wollte.
„Was ist los?“ hab ich gleich gefragt.
„Kein schöner Anlass warum ich heute hier bin“ sagst du.
Instinktiv schalte ich den Fernseher aus. Ich weiß was jetzt kommt.
„Ich habe viel nachgedacht..über uns..“ sprichst du weiter mit einer Stimme die ich nicht kenne und mit grauen Augen, sonst hattest du immer deine blauen, strahlenden dabei.
Du sagst du hast nachgedacht über uns, du der mir die letzten 6 Wochen gesagt hat, er möchte das was zwischen uns ist nicht denken und nicht besprechen, er möchte es genießen.
Während du weiter erzählst, die Worte schön zurechtgelegt und es manchmal auch schaffst meinem Blick standzuhalten, denke ich nur „ Stopp! Das ist der falsche text!“ und suche vergeblich die Rückspultaste, weil wir ja gleich Lindenstraße schauen müssen und ich in deinem Arm liegend, dir von meinem Wochenende erzählen möchte, wie die letzten Wochen. Weil ich wieder Malen nach Zahlen mit den Leberflecken auf dem schönsten Unterarm der Welt spielen möchte. Weil ich dir den Mund verschließen möchte mit einem Kuss.
Aber das geht nicht. Weil du jetzt fertig bist mit deinem Text. Und weil deine Worte das letzte Kapitel begonnen haben und das wird sehr kurz sein, wie unsere ganze Geschichte auch. Ich dachte es wäre nur der Anfang.
Du bist einfach reingestolpert in mein Leben, mitten in der Nacht, mitten auf dem Kiez standst du da an der Ampel, ich hatte einen guten soufleur im Kopf, du auch. Dein Satz: „Ich brauche deine Nummer, ich möchte dich morgen anrufen“ ließ mich mit einem Lächeln ins Bett fallen.
Von diesem Moment an warst du drin in meinem Kopf, in meinem Leben, 5 Tage später in meinem Bett, dass du nicht in der ersten Nacht mit mir geschlafen hast, sondern einfach nur da warst und mir die Geborgenheit gegeben hast, war genau das was ich gesucht habe.
Du hast mir kaum Zeit gelassen zu zweifeln oder zum denken. Du warst immer da, fast jeden Abend und fast jeden Morgen. Deine Nähe war angenehm warm, du hast genau das getan was ich mir gewünscht habe, deine Sprüche waren witzig, der Sex grandios, aber das wichtigste war: Ich konnte so sein wie ich bin ohne Fakes. Dein Arm war offen. Du hast deinen Platz eingenommen, deine Zahnbürste in mein Badezimmer gestellt und dein chaotischer Charme hat mein Leben bunter gemacht.
Nach all den Fernbeziehungen die mich zermalmt haben, war das Gefühl nach meinem Feierabend zu wissen das du gleich kommst und ich morgen neben dir aufwachen kann unbeschreiblich. Nur reden wolltest du nicht über uns. Nicht definieren was das ist für dich. Du hast gesagt dass du dich nicht leicht verliebst, aber das es total schön ist mit uns und dass du genießen möchtest und sehen wie es sich entwickelst. Dieser Satz passte so gar nicht zu dem wie du mit mir umgegangen bist und wie viel Zeit du mir geschenkt hast, deswegen habe ich ihn ignoriert und vertuscht. Du hast mich deinen besten Freunden vorgestellt, und standst dabei nah an meiner Seite. Sie haben mich mit einem erleichterten „Endlich bist du da!“ begrüßt.
Dass du nicht planen wolltest mit mir, okay, das war schwierig für mich, dein „mal sehen“ auf meine Frage ob wir auch mal das Wochenende teilen können, hat mich verletzt. Ich hatte Pläne und habe dich einfach mit eingeplant. Du hast so perfekt in die Lücke neben mich gepasst. Trotzdem wollte ich Verständnis haben für die Rituale in deinem Leben, dass dein Wochenende dem Fußball gehört und deinen Kumpels. Ich glaube, ich habe gespürt dass du ein Vogel bist, du hast Flügel und du musst fliegen. Aber ich wollte nicht dein Nest sein, in das du jeden Abend zurückkehrst und das danach leer zurückgelassen wird. Ich wäre gerne ein Stück mit dir geflogen.
Dein Monolog in unserem letzten Kapitel lassen Tränen über mein Gesicht fließen, weil ich traurige letzte Worte in Liebesgeschichten nicht mag in denen ich eine der Hauptpersonen bin. Weil ich genug davon hatte. Weil es irgendwann auch mal ein happy ohne end geben soll.
Es gibt nix was ich erwidern kann und nix über das man diskutieren kann, du sagst du hast gehofft dass aus dem Kribbeln mehr Gefühle werden und das ist nicht passiert. Du sagst dass du in der letzten Woche überlegen musstest ob du lieber Fußball schauen, dich mit deinen Kumpels treffen oder zu mir kommen möchtest. Dass du wahrscheinlich noch nie richtig verliebt warst und dass du glaubst dass sich diese Frage nicht stellen würde wenn du das wärst. Das du es dir anderes gewünscht hast. Dass Du spürst dass ich mehr Gefühle für dich entwickelt habe und dass du glaubst dass du die nicht erwidern kannst, wie ich es verdient hätte. Dass du mich magst und fair sein möchtest.
Das ist fair und fairer als die letzten Kapitel meiner anderen Liebesgeschichten. Natürlich möchte ich nicht irgendeinen Platz in einer langen Reihe vor deinem Herzen.
Aber es tut weh. Ich kann nicht böse sein auf dich und nicht wütend, aber traurig, um den Traum der zerplatzt ist in dem Moment als du mich mit den grauen Augen angesehen hast. Und mein Bett wird wieder kalt und leer sein und du wirst mir fehlen!



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Kommentare
hart fuer dich, schoen geschrieben und sehr fair von ihm...
27.06.2008, 06:40 von RedMangoschöner text. nicht zuviel und nicht zuwenig. ich habe richtig mitgelitten. aber es war wirklich fair von ihm, auch wenn man dann nicht mal wütend sein kann...
15.04.2008, 18:09 von Gruene_Tomateaber traurig sein wiegt ja irgendwie oft schwerer
Der Text ist wunderbar geschrieben - wenn ich nur nicht so genau wüsste, wie sich das anfühlt. Manchmal frage ich mich, ob es nicht leichter wäre, wenn ich auf ihn böse sein könnte und Wut fühlen könnte.
04.11.2007, 10:54 von SonnenkriegerinAlles Gute!
sehr schöner text, hab während dem lesen gleich richtig mitgelitten...:)
01.11.2007, 20:23 von jinnyjoessehr fair von dem kerl dass er so ehrlich zu dir war, umso unmöglicher für dich von deinen freundinnen mit dem "der-Typ-wars-nicht-wert-gequatsche" zu trösten...
alles gute!
endlich mal ein gut lesbarer herzschmerz text ohne aufgesetzte theatralik... schön. auch wenn die situation großer mist ist.
31.10.2007, 18:36 von nutellaSchön geschrieben. Ohne falsche Wut und ohne falsches Selbstmitleid. Sondern so wie es ist: traurig und doof.
29.10.2007, 21:09 von Tim123Wow! Das ist soo schön geschrieben, obwohl es so traurig bist. Ich möchte ja eigentlich nicht sagen, dass es besser jetzt ist als in ein paar Monaten. Aber leider ist es wohl so. Diese Leere in deinem Herz wird irgendwann vergehen.
29.10.2007, 20:31 von drops_of_augustIch kenne das Gefühl zu wissen, dass irgendwas nicht stimmt, aber es zu ignorieren in der Hoffnung, dass alles gut wird..... irgendwann. Aber "irgendwann" ist ein verdammt unbestimmter Zeitpunkt. Da hast du so gesehen noch "Glück", dass er so ehrlich ist.
Ich hoffe, du kommst schnell über ihn hinweg!