Romeo_Flausch79 25.08.2009, 18:10 Uhr 3 0

Scherben der Vergangenheit

"mehr allein auf theoretischer Basis."

Als ich noch ein aufstrebender Oberstufenschüler war, kaufte ich regelmäßig auf Bücherflohmärkten ein. Ein besonderer Prachtkauf war ein Griechisch-Lexikon von Menge im Jugendstileinband. Ich nahm das gute Stück nach Hause und es für meine Schulaufgaben und erfreute mich an der Congenialität von Fraktur und Griechisch. Eines Tages rutschte mir unter dem Lemma "agelaios" ein Zettel entgegen. Sorgfältig beschrieben, der Schrift nach zu urteilen aus den 50ern oder 60ern. Es handelte sich um den letzten Teil eines Briefes.

"mehr allein auf theoretischer Basis" war der Satz, der mir entgegenleuchtete und meine Aufmerksamkeit voll und ganz auf den Rest des Briefes lenkte:

"Ich glaube, wenn ich Dich fest, eigenwillig und doch zärtlich in meinen Armen halten kann, daß Du dann auch ein wenig von mir mitgerissen würdest. Ich wäre sehr glücklich, wenn Du ein wenig von Leidenschaft gepackt werden würdest, und nur kleine Andeutungen Deiner eigenen Aktivität würden mich unwahrscheinlich anreizen und meinen Ehrgeiz hervorrufen, meine männliche Überlegenheit zu beweisen, und über Deine geschlechtsbedingte Schwäche siegen zu lassen Die Frau ist von Natur aus zur Passivität veranlagt. Zwischen Passivität und Passivität sind aber deutliche Unterschiede zu sehen. In der weiblichen Passivität müssen für den Mann - im Idealfall - Ansätze einer gewissen Aktivität vorhanden sein. Diese Aktivität ist ja an sich auch schon naturbedingt z.B. in den weiblichen Reizen, die eben auch die Männer reizen sollen, das natürlich nie in einer aufdringlichen Form , sondern - gerade darin zeigt eine Frau (Mädchen) wie geschickt sie ist - (Geschick ist absolut nicht mit Raffinesse gleichzusetzen) - in richtiger, passender Dosierung. Aber eben merke ich, ich werde wieder zu theoretisch, aber wenn Du über die letzten Sätze nachdenkst, mußt Du mir Recht geben. Völlige Passivität können(sic!) einen Mann nämlich zur Verzweiflung bringen. Er glaubt sich, es ist sicher nicht immer so von Seiten der Frau gemeint, ungeliebt, höchstens sieht er sich als angenehmen Zeitvertreib. Glücklich ist er auf keinen Fall. Diese kleine Erörterung betrifft sowohl die kleinen Dinge wie auch die letzte Konsequenz. Wichtig ist bei allem die Grundhaltung, die Tendenz, auf uns bezogen, mit welcher Einstellung Du zu mir und ich zu Dir stehe. Ich für meinen Teil bemühe mich, dem geforderten männlichen 'Idealbild' nämlich ritterlich, fair, ehrlich, anständig zu sein, möglichst zu entsprechen. ----- (!)
Über Klein-Uta und Traumund gebe ich das nächste Mal ausführlicher Bericht. Du bist so goldig, ich war noch niemals so verliebt und bleibe Dein Cornel (?), der sich nochmals sehr bei seinem Liebling bedankt."

3 Antworten

Kommentare

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    wie wahr....

    20.09.2009, 18:54 von twiggylein
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    Wahrhaftig passiert? Ich liebe alte Schriftstücke aus uralt Büchern. habe ich auch schon einige gefunden. Ist irgendwie total aufregend. :)

    25.08.2009, 18:51 von Glaswelt2
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      @Glaswelt2 Ja, so nen Stuss kann ich mir nicht selbst ausdenken :) Das ist zwar schon ungefähr 10 Jahre her, aber ich bin heute in mein Elternhaus gefahren, um ein paar Dinge abzuholen. Mein altes Lexikon ist mir aufgefallen und ich habe mich an den Brief erinnert. Da ich den schon längst mal transkribieren wollte, habe ich die Wartezeit genutzt im Elternhaus damit verbracht.

      25.08.2009, 18:55 von Romeo_Flausch79
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