ElMiraSol 25.04.2017, 23:32 Uhr 1 23

Schatten, Albernheiten und Geborgenheit

Und wenn es sich gut anfühlt, dann ist es doch richtig.

Seit Stunden hören wir dieselbe Wiedergabeliste in Endlosschlaufe. Während anfangs die Abendsonne das Wohnzimmer beleuchtet hat, sind es jetzt die Kerzen und das gedämpfte Licht der Ständerlampe. Du hast meine kalten Füsse in die Wolldecke gepackt. Deine Hand unter der Decke wie zufällig auf meinem Bein. Kurz verschränken sich unsere Hände. Mein letzter Zug fährt los. Wir sind uns nah und das gefällt mir. Ich möchte deine Hand genau dort auf meinem Bein haben und ich möchte mit dir unter diese Decke liegen bleiben, meine Beine über deinen.

 

Es ist stockdunkel in deinem Schlafzimmer. Ich höre dich atmen. Ich rutsche in deine Nähe, warte darauf, dass du meine Hand nimmst. Ich bin aufgeregt, aber ich habe keine Angst. Es fühlt sich richtig an. Unsere Hände ertasten sich gegenseitig, verschränken sich, lösen sich, finden sich. Du streichelst meinen Arm, drückst ihn. Minuten vergehen, bis wir uns trauen, uns zu küssen. Du streichst mir die Haare aus dem Gesicht, deine Finger berühren sanft meine Wangen. Wir umarmen uns, lösen uns wieder voneinander. Ich weiss schon jetzt, dass ich ganz bestimmt keine einzige Stunde schlafen werde diese Nacht.

 

Du fragst mich, ob alles in Ordnung ist bei mir. Ich weiss es nicht, antworte ich. Ich weiss es wirklich nicht. Es ist schön mit dir, es fühlt sich gut an, ich möchte von dir berührt werden, ich sehne mich nach deiner Nähe. Ich möchte wissen, wie es sich anfühlt. Aber ich bin unsicher. Ich beobachte mich selbst, wie ich Grenzen überschreite, mich gut dabei fühle, aber gleichzeitig weiss, dass es ein kurzfristiges Hochgefühl sein wird, es wird keine Zukunft haben, das zwischen dir und mir. Ich möchte dich nicht verletzen, ich möchte dich nicht verlieren, dich unbedingt bei mir behalten.

 

Du streichelst meinen nackten Rücken, es fühlt sich schön an, ich bekomme Gänsehaut. Ich fühle mich geborgen bei dir. Du küsst meinen Nacken, ich liebe das, du scheinst es zu bemerken.  Es ist seltsam, dich nicht zu sehen. Nur deine Nähe, deinen Körper, deine Wärme zu spüren. Wie siehst du aus, wenn du mich umarmst? Wie schaust du mich an? Dein Gesicht sagt mir alles, ich brauche dich nur anzusehen, um eine Ahnung davon zu haben, ob Schatten durch deinen Kopf geistern oder du dich wiedermal wie ein Kind über eine Albernheit in deinen Gedanken amüsierst. Aber jetzt, in der Finsternis, sehe ich keine Schatten und keine Albernheiten, ich erkenne nicht, ob du meine Unsicherheit teilst oder weißt, dass wir das Richtige tun.

 

Es ist seltsam, wie ich mir selbst wie von aussen zuschaue. Ich sehe mich neben dir liegen, mich an dich kuscheln, ich sehe, wie ich mich an dich herantaste und mich dir doch nicht ganz nähern kann. Und ich fühle gleichzeitig mein Herz klopfen, ich spüre die Nervosität und die Spannung zwischen uns. Ich spüre, wie meine Hände schwitzen, und wie meine Gedanken entweder weite Kreise ziehen oder plötzlich ganz still stehen.  Ich sehe mich in deinen Armen und ich merke, dass es sich gut anfühlt.

 

Und wenn es sich gut anfühlt, dann ist es doch richtig. Oder?

 

 

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Kommentare

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    "Und wenn es sich gut anfühlt, dann ist es doch richtig. Oder?" Ja

    11.06.2017, 14:40 von LoganGrau
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