christophermiel 30.11.-0001, 00:00 Uhr 6 17

Sara und der Salzwassersee

handschriftlich entstanden an einem Mittwochabend gegen 22Uhr, die Zigarette half dabei

Du fehlst mir. Ich vermisse dich. Am meisten vermisse ich diese unsichtbare Verbindung zwischen uns, wenn wir gemeinsam abends Arm in Arm im Bett lagen. Es war wie eine Fusion unserer Seelen. "Mein Seelenverwandter!", nanntest du mich. Erst jetzt, nachdem ich dich habe gehen lassen und wirklich alleine bin, merke ich deine fehlende Berührung meiner Seele und verstehe, was du meintest. Ich vermag keine rechten Worte zu finden, meine Trauer präziser auf dieses Papier zu bringen.

Mal tritt die Trauer mit Vorwarnung in mein Leben; mal stehe ich früh morgens inmitten lachender und tanzender Menschen und schlagartig trifft sie meinen Magen und lässt ihn krampfen. Mein Herz bröckelt, bricht und scheint in meiner Brust zu zerspringen. Meine verzweifelten Mühen ignorierend suchen sich stille Tränentropfen ihren Weg ins Freie. Nie fühle ich mich danach besser oder gar erleichtert. Es bleibt jedes Mal eine Mischung aus Scham, Leere und tiefer Gleichgültigkeit zurück. Als wäre alles Zukünftige irrelevant, da du nur noch in meiner Vergangenheit existierst.

Ich habe dich gehen sehen wollen. Ich war es, der unser Ende brauchte. Ich war es, der nicht mehr zu zweit konnte. Und doch wünsche ich dich in meine Gegenwart zurück. Es bleibt ein Wunsch...

In der Realität brauche ich Zeit. Zeit für mich. Ich habe Freunde in meinem neuen Wohnort gefunden, die mir beistehen. Tag und Nacht sind sie für mich da und ich bin Nacht und Tag dankbar dafür. Obwohl ich, beinahe jeden Abend unterwegs, ständig erschöpft bin, merke ich an ruhigen Tagen wie heute, dass die Rastlosigkeit hilft. Sie gewährt mir Zeit und lässt, gleich der Schleuse eines Staudamms, nur portionsweise die Gefühle als kleine Fluten von Salzwasser passieren, dessen unerwartete Wucht mich dann im Schatten des Damms zu ertränken drohen und in dessen wirren Strudeln ich jegliche Orientierung verliere, um Luft ringe. Mein innerer See ist noch tief, dunkel und groß, vieles hat sich angestaut. Viel Wasser muss noch fließen, bis das überflutete Land meiner Seele wieder aufatmen, sich entfalten kann und der Grund den Himmel sieht.

Doch je weiter der Spiegel sinkt, desto klarer wird das Bild dahinter.


Tags: Trennung, Schmerz, Tränen, Abend
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6 Antworten

Kommentare

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  • 2

    Hach hach.


    Ich befürchte, dass dieses Tief einfach nur daher rührt, dass da jemand nicht mit sich alleine sein kann. Alles sehr dramatisch.

    Nach dem ich mir den Finger in den Hals gesteckt habe, merkte ich auch, wie lecker das Essen doch war...

    02.07.2016, 15:12 von PINKmitGlitzer
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  • 0

    Der Titel klang auf den ersten Blick interessant. Doch dann ...lest selbst.

    19.06.2016, 18:58 von Hattori-Hanzo
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  • 0

    ich mag das. Punkt.

    19.06.2016, 18:43 von Mireeey
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  • 3

    Trink mal einen Salzwassertee mit Sara und komm klar.

    24.05.2016, 11:32 von MaasJan
    • 1

      Vorsicht: bei Kontakt könnten wir beide baden gehen. :)

      24.05.2016, 12:21 von christophermiel
    • 0

      Das was Jan sagt.

      25.05.2016, 22:39 von TheCaptainsFiancee
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