Kokomiko 12.09.2012, 17:32 Uhr 50 55

Ruhe vor dem Sturm

Warum braucht dieser Sturm nur die Ruhe vor sich? Warum treibt er sie vor sich herum?

Die kleine Simas lag in ihrem Segelboot und überlegte. Sie überlegte so laut in diese Ruhe hinein, dass sie meinte ein Flüstern zu hören, das sie mahnte, lieber leise zu denken. „Weck ihn nicht auf. Bitte weck ihn nicht auf. Sonst entfaltet er sich und wird groß vor der Zeit. Lass uns treiben darin, solange es geht. Lass den Kinderwindlüftchen ihr Spiel." Simas setzte sich auf und lauschte. Doch es war nichts zu vernehmen. Wohl nur Wolkengemurmel, so dachte sie sich. Doch der Sturm wird schon kommen und die Sonne vergiften und mein Segel zerreißen, als sei es wie Schmetterlingsflügelpapier. Simas legte sich wieder hin. Die Hände hinter dem Kopf gefaltet sah sie weiter hinauf in den Himmel. Die Wolken in ihrem endgültigen Weiß, wie die Federn der Schwäne nur sind, gefielen ihr gut. Wie der silberne Schnee, der im Winter so selten und kostbar aus ihnen fiel. Und auch dann war die Ruhe wie aus teurem Kristall und die Welt wurde leicht und ganz still wie von selbst und von Seide. Wie ein Traum ist mein Leben, wie ein wirklicher Traum. Wie ein endloser Traum ohne Nacht. Ob die Fische wohl lachen über mein Netz? Ob sie überhaupt lachen und weinen? Was, wenn das ganze Meer Fischtränen sind, die beweinen, was unsereins fängt für sein Leben? Ach, nur Kindergedanken, nur Tagträumerei. Nur das kleine Gefühl, das mir doch niemand glaubt. Ist die Welt doch so groß und zu einsam im Lärm, wenn sie schweigt wie der Tod, wenn sie selber er ist.

Das Fähnchen am Mast begann sich zu rühren. Nun geht es los, dachte die kleine Simas. Ob einfach der Horizont näher kommt? Oder dreht sich die Welt in den Sturm hinein wie ein böser Magnet, der zur Finsternis will? Einmal war Simas in der lebenden Stadt zu Besuch. Auf dem Marktplatz stand ein kleiner Junge mit einer komischen blauen Mütze, die ihm schief auf dem Kopf saß. Er trug ein seltsames Schild um den Hals auf dem stand „Ich bin nur zum Schein". Neben ihm saß ein trauriges Mädchen. So ganz ernst sah sie aus wie der Tod eines jeden. Auf ihrem Schild stand „Ich schweige mich tot nur für dich. Bitte gib mir die Zeit, die ich brauche". Um die beiden herum lief ein anderes Mädchen auf den Händen im Kreis. An ihre Fußgelenke hatte sie goldene Glöckchen gebunden und machte schöne Musik damit. Simas hatte leider keine Zeit gehabt. Aber sie legte eine der schönen bunten Glasmuscheln, die sie am Strand gefunden hatte vor die Füße des traurigen Mädchens. „Dankeschön. Du bist mehr als genug." sagte der Junge freundlich, zog seine Mütze vom Kopf, lächelte sie an und verbeugte sich artig. „Verschwende nicht unsere kostbare Zeit. Komm weg, das ist Bettlergesindel." hatte die Großmutter sie gescholten und sie musste weiter gehen. Das Mädchen am Boden weinte und war wunderschön. Das konnte Simas noch sehen.

Das Segel plusterte sich und der Wind wuchs heran. Simas zog schnell ihr Netz aus dem Wasser. Es war leer. Nur ein Seepferdchen zappelte ängstlich. Kein Fischlein verfangen, so sind alle am Leben. Welch prächtiger Fang. So dachte sie sich, erlöste das Pferdchen, gab es frei und zu Wasser und meinte ein munteres Lachen von Grund auf zu hören. Da lächelte sie und fand, das sei eine gute Belohnung. Eine schönere kann es nicht geben.

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    ...!

    29.10.2012, 11:17 von derHalbstarke
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    verzählt

    21.09.2012, 11:23 von JuliaMaja
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    48 likes 48 Kommenrare – da will ich nicht mögen, ohne zu kommentieren. Kompliment!

    21.09.2012, 11:22 von JuliaMaja
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    so zart und leicht

    19.09.2012, 17:07 von Moijejoue
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  • 2

    'Lass uns treiben darin, solange es geht. Lass den Kinderwindlüftchen ihr Spiel.'


    - zum Lächeln gebracht und zum träumen. Wieder einmal ein riesiges Herz für deine wunderbar zusammengebauten Worte! :)

    15.09.2012, 13:18 von SunFeather
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  • 1

    ich hab da was gefunden, da scheint jmd eine etwas andere meinung zu haben :'D
    http://www.neon.de/bilder/bild/23049235z124/932706/464472

    14.09.2012, 23:04 von verpixelt
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  • 1

    Gefällt mir sehr. Auch wenn die anderen schimpfen - die Kürze dieses Textes ist doch vielleicht auch eine Aussicht auf Fortsetzung... Gefällt sehr!

    14.09.2012, 22:49 von Janu
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  • 4

    mir wars zu märchenhaft - aber trotzdem schön. ich glaub auch, dass du ein guter gute-nacht-geschichten-erzähler bist. besonders, wenn man mal krank is :-*

    14.09.2012, 18:46 von lavish
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      ich bin per se krank :-)

      16.09.2012, 10:23 von lavish
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      wenn man sich so gut durchs leben durchswurstet, dann ist man entweder krank oder verdammt pfiffig.

      16.09.2012, 10:47 von lavish
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      lustig. mir ging das genauso. also ich habe den text ehrlich gesagt gar nicht ganz gelesen, weil ich märchen nicht so mag. dafür hatte ich den gleichen gedanken-vom wundervollen gute nacht geschichten erzähler. kinder lieben sowas!
      mein vater erzählte mir immer geschichten vom "jäger und vom waldi" hihi (irgendwie peinlich, wenn ich das so schreibe)
      heute weiß ich, dass der waldi sein hund war, als er kind war und er baute seine erlebnisse mit dem dackel in die geschichten ein.
      schöne erinnerung an gute nacht geschichten und meinen papa.

      16.09.2012, 22:41 von Gluecksaktivistin
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