Wir gehen die Straße entlang, die Hände tief in unseren Taschen vergraben. Ohne uns abzusprechen tragen wir dicke, schwarze Mäntel und die Laternen werfen Flecken auf den nassen Asphalt. Es ist mild für diese Jahreszeit und wir spazieren schon seit Stunden. Du redest und lachst. Ich rede und lache noch mehr. Du scheinst so befreit und glücklich, als Du stehen bleibst und mich in den Arm nimmst.
Als wir uns das erste Mal getroffen haben, warst Du ganz still. Sie stand neben Dir und verteilte Küsschen. Alle wollte sie begrüßen, als könne sie so schneller in unsere Reihen vordringen. Ich war schon längst Teil dieser Familie, als Du sie zum Essen mitbrachtest. Doch ich kannte bisher nur deine Schwestern, als sie mich dir vorstellten. Und obwohl ich Dich nur diesen Moment ansah, wusste ich, dass Du spielst und uns für heute Abend das Stück des charmanten Mannes zeigst, der glücklich ist.
Ich lege meinen Kopf an deine Brust und schließe die Augen. Der Bürgersteig ist komplett leer und die Luft scheint zu vibrieren. Lange schon hab ich mich nicht mehr so ruhig gefühlt, so verstanden und entspannt. Du legst dein Kinn auf meinen Kopf und schweigst. Es gibt nichts zu sagen, außer Leb' wohl.
Es sind Wochen vergangen, bis wir uns sahen. Du hattest mir eine ganze Nacht lang kryptisch geschrieben, betrunken und allein. Deine Nachrichten kamen kurz und schnell, dann stundenlang nichts. Ich war die ganze Zeit wach und hab gewartet. Hab Dich schreiben lassen und gemerkt, wie dein Kummer zu meinem wurde. Nie hätte ich gedacht, dass wir uns so ähneln könnten. Und nie, dass Du mich zum Essen einlädst.
Als ich zu Dir hochschaue, lächelst Du. Deine Augen schauen durch mich durch bis auf den Grund. Sie suchen nach einer Antwort, die ich Dir nicht geben kann. Du bist ratlos und rastlos, deine Unzufriedenheit ist greifbar für uns beide. Du sagst, mit mir wäre alles so leicht. Ein Schauer durchfährt mich und du denkst, mir sei kalt. Dabei will ich nichts mehr, als bei Dir zu bleiben, verborgen in der Dunkelheit. Und ich will, dass Du dich erinnerst. Ich will, dass Du mich immer noch spürst, wenn Du nach Hause gehst. Und zurück zu ihr.
Kommentare
Vielen lieben Dank für Euer Feedback!
10.10.2012, 17:40 von FadenrothKann ich so nicht bestätigen.
07.10.2012, 22:27 von sinesmir tut die betrogene leid!
30.09.2012, 22:05 von nothingthatdaysie ist doch noch gar nicht unbedingt betrogen.
03.10.2012, 14:33 von bunteschaoswie nennt man das sonst,wenn er sich bei einer anderen wohler fühlt,dennoch wieder zu ihr geht?!
03.10.2012, 20:39 von nothingthatdayso etwas nennt man Treue !
10.10.2012, 17:39 von FadenrothDas Gute an dem Text ist, dass er mich an diesen Song erinnert.
30.09.2012, 13:11 von justanotherpictureoder an diesen: http://www.youtube.com/watch?v=2Ue51r3WxAo
30.09.2012, 22:03 von nothingthatdaySo wahr und so traurig!Mag ich!
30.09.2012, 09:03 von blackswandie letzten beiden abschnitte sind wunderbar geschrieben. schnörkellos
30.09.2012, 02:32 von LydiaDowneyJr.mag ich sehr..!
29.09.2012, 22:46 von s_t_e_ll_aWow. Hab mir grad vorgestellt, die andere Person sei auch ein Mann. Dann bekommt der ganze Text ein ganz neues Drama für mich.
29.09.2012, 20:16 von TaneaDas dieser Text sowas mitmacht, das macht hin für mich besonders.
Ich denk da die ganze Zeit an die Person, die angelogen wird. Sowas ist einfach grauenhaft. An deiner Stelle könnte ich nicht mehr in den Spiegel schauen.
29.09.2012, 19:19 von The-TEinfach nur: wow. Mehr ist da nicht zu sagen.
28.09.2012, 23:52 von LupinaThirteen