alinainwonderland 22.12.2012, 14:53 Uhr 8 10

Regenbogen

Wir waren eine Explosion.



Du und ich, wir waren besser als der Rest. Wir waren alles. Du und ich, wir waren eine Explosion.

Ich gehe schnell, effizient und ohne Gefühle Richtung Hotel. Ich bin geflohen vor dir, deinem Glühwein, unseren so inhaltlosen Gesprächen und dem Ende dieser Beziehung. Ich bin stolz, dass ich den Weg finde, schließe das Hotelzimmer auf und ab lege mich auf das Bett und fühle nichts.

Du und ich, ich verstehe nicht was aus uns geworden ist. Ich erinnere mich an den Tag, an dem du sagtest dass ich deine Letzte für immer wäre. Die Briefe in denen du schriebst ich wäre deine größte Liebe. Die eine, auf die du alles gesetzt hättest. Erinnere mich an die Geschenke, die du mir aus Liebe gemacht hast. Es waren viele, ich habe dir erklärt, dass es die Beziehung zu unausgewogen machen würde. Du verneintest es. Doch egal an was ich denke, an die Momente in denen ich strahlte, weil du DU mich angeleuchtet hast, ich fühle nichts.

Ich gehe in das kleine Bad und schminke mich ab, ziehe mich um, mache das Licht aus, krieche unter die Bettdecke und warte, dass du kommst. Warten. Weißt du wie oft ich auf dich gewartet habe? Du und ich, dass sind ein Mädchen, was wartet und ein Mann der nicht mehr kommt.

Ich höre wie die Tür aufgeht und stelle mich schlafend. Du wirfst deine Jacke auf die kleine Bank vor dem Fenster, das auf die Straße geht. Den Blick gerichtet auf eines dieser schrecklichen Einrichtungshäuser, in denen Leute die normalsten Möbel kaufen und damit glücklich sind. Ich will einen regenbogenfarbenen Spint. Das würde mich glücklich machen. Was will ich mit einem dieser dämlichen Landhaus Tische für 690€? Dir an den Kopf werfen vielleicht.

Du gehst ins Bad, machst dich fertig und legst dich neben mich. Niemand sagt ein Wort. Ich liege neben dir in diesem Bett, in dieser Stadt die mir fremd ist, 3 Autostunden entfernt von meinem Zimmer, in dem ich mich jetzt gerne verkriechen würde, oder zumindest übergeben. Ich liege neben dir und weiß, dass es aus ist. Wenn der Mensch die Möglichkeit hätte mit den Augen Betonmauern zu bauen, dann hätte ich jetzt weniger Platz im Bett. Seit Wochen baust du an dieser Mauer. Ich bin klein, ich bin zu langsam sie wieder abzureißen und dafür vermutlich auch zu selten im Fitnessstudio. Für 5 Stunden persönliches Quälen zahlen die Leute viel Geld, menschliche Mauern abreißen, dass will mir niemand beibringen.

Ich sage deinen Namen. Zwei Mal dann regst du dich. Ich entschuldige mich fürs Weglaufen, ich könne nicht neben dir sein mit dem Wissen, dass du mich nicht mehr liebst. Du wolltest dieses Wochenende Spaß haben, sagst du. Ich lache in mich hinein. Was hast du denn, ich habe doch hier gerade den Spaß meines Lebens. Ich habe so viel Spaß, dass ich darin ertrinke. Wenigstens ein außergewöhnlicher Tod.

Ich frage dich ob es noch Chancen für uns gibt. Du sagst nein. Ob es das war, frage ich. Du sagst ja.

Du bist kalt. Deine Stimme ist lieblos und deine Augen haben aufgehört zu glänzen. Warum das alles wie in einem schlechten Film ist? Einfach weil jemand vergessen hat die Kamera anzuschalten. Du sagst ich habe dich kaputt gemacht. Dich umgeschubst. Du seist zu mir gekrochen,  ich hätte dir ins Gesicht geschlagen und dich niedergetreten.  Du fügst hinzu, dass ich mir aber keinerlei Schuld zuweisen soll. Diese Logik soll mir mal einer erklären.

„Hey, du hast mich angeschossen, aber das die Kugel durch meinen Arm geflogen ist, ist nicht deine Schuld“.

Ich stehe auf, gehe ins Bad, setze mich in die Dusche und fange an zu weinen, wobei mich die Situation im Allgemeinen mehr belustigt. Da sitze ich nun, heulend in der Dusche, mit dem Exfreund im Doppelbett neben an. Geiler Stoff für „Mitten im Leben“, fehlt nur noch eine Prostituierte irgendwo im Schrank. Und der Schrank dazu.

Weiß du, im Grunde ist das so mit der Liebe: Sie ist unzuverlässig. Und warum wir von ihr so enttäuscht sind, ist nur deswegen, weil wir das schlicht nicht akzeptieren wollen.

Jetzt, eine Woche später also, sitze ich an meinem Schreibtisch und frage mich was passiert ist.

Da waren du, ein verrückter aufgeschlossener aufgedrehter Kerl (übrigens ich hasse das Wort Kerl, will mich aber nicht dauernd wiederholen) und ich, ein einsames, unglücklich verliebtes Mädchen. Ich gebe zu du hast mich aus dem Sumpf geholt, den Typen (Kerl, Typ, Mann, Junge was auch immer, die Person hat einfach einen Penis) vergessen lassen und mir eine neue Welt gezeigt. Wir waren auf Millionen von Partys mit deinen Millionen von Freunden und Millionen von Substanzen. Du hast mir gezeigt was Liebe ist, mir unendliche geschworen (was im Nachhinein echt klischeemäßig ist). Und ich habe mitgemacht. Weil es mir gefallen hat. Weil du mir gefallen hast. Es ist eine Offenbarung jemanden kennenzulernen der einen versteht, mit dem man so viel gemeinsam hat, jemanden wie dich. Jetzt bist du weg. (Metaphorisch -> was für eine sprachliche Gestaltung, Kafka wäre stolz)

Du hast uns aufgegeben. Während ich für uns gekämpft habe, hast du uns aufgegeben. Doch egal wie sehr ich dich noch liebe. Ich sage dir:

Ich bin laut. Ich bin intelligent. Ich habe Humor. Man(n) kann mich anschauen ohne einen Fluchtreflex zu verspüren.

Ich werde jemanden finden der mir nicht sagt, dass ich seine Endgültige bin, sondern der es beweist. Ich will Regenbogen, ich will selbstillustrierte Hefte mit ausgedachten Neologismen in Bibliotheken verstecken, ich will rückwärts schneller als vorwärts laufen können. Ich will Alice im Wunderland sein!

Wenn einer von beiden nicht mehr will, dann passt es nicht perfekt zusammen.

Du hast mir einen Spint geschenkt und er ist ziemlich hinterhältig zu einem Landhaus Tisch aus Eiche geworden (Personifikation, Jackpot!)

Jetzt suche ich halt einen neuen. Muss nur das richtige Einrichtungshaus finden.

 


Tags: Regenbogen, Nürnberg, Humor, Verarbeiten
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8 Antworten

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    Weiß du, im Grunde ist das so mit der Liebe: Sie ist
    unzuverlässig. Und warum wir von ihr so enttäuscht sind, ist nur deswegen, weil
    wir das schlicht nicht akzeptieren wollen.
    sehr schön zusammengefasst! :)

    24.02.2013, 15:03 von hellyeahshouter
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  • 1

    diese "landhaus tischler" wollen in echt doch auch ein paar regenbogen hier und da

    22.12.2012, 16:15 von max8mal8
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  • 1

    "Ich will Regenbogen, ich will selbstillustrierte Hefte mit ausgedachten Neologismen in Bibliotheken verstecken, ich will rückwärts schneller als vorwärts laufen können."

    - bester Satz der Welt!

    22.12.2012, 16:07 von taubenbrotkind
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  • 0

    ich will auch einen regenbogen! mir gefälllt das, was du schreibst!

    22.12.2012, 16:00 von Sonderling23
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  • 1

    Hört sich alles schön und gut an, aber auch so, als wenn du das nächste Mal in die gleiche Falle laufen wirst.

    22.12.2012, 15:29 von EliasRafael
    • 4

      Das werde ich auf jeden Fall! Und niemand kann mich aufhalten! :D

      22.12.2012, 15:45 von alinainwonderland
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  • 3

    Ich möchte nachtragen, dass dieser Artikel nicht für dich ist, er ist für mich.

    22.12.2012, 15:14 von alinainwonderland
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