Frau_Irma 22.11.2017, 20:09 Uhr 1 1

Raus hier.

Von Herzen.

"Was suchst du denn hier?"
Erstaunt siehst du mich an, "na hör mal, ich wohne hier!"
"Seit wann das denn?" Immer noch ungläubig starre ich in dein Gesicht.
"Ich würde sagen seit Frühling 2013, oder?"
Fassunglos ringe ich nach Worten:
"Oh ja, der schöne Frühling 2013, stimmt. da war ja was. Aber falls du es vielleicht vergessen hast: wir haben uns letzten Herbst getrennt. Und seit dem Winter wohnst du nicht mehr hier. Du hast hier absolut nichts zu suchen. Ich brauche den Platz!"
Du grinst mich frech an:
"Ach ja? Für wen denn? Ich seh hier niemanden."
Ich bin sprachlos. "Das geht dich überhaupt nichts an. Und vor dir muss ich mich nicht rechtfertigen. Du hast doch schon direkt die Nächste am Start." Ich denke daran, wie schnell du mich ausgewechselt hast. "Das ist echt ne Frechheit, dass du überhaupt hier auftauchst!"
Du scheinst entspannt, "Ist ja nicht meine Schuld. Du hast dich damals ja auch nicht so wirklich entscheiden können, also kann ich auch hier rumhängen."
Ich schnappe nach Luft und könnte heulen vor Wut. Du scheinst etwas einzulenken:
"Du vermisst mich, stimmt's? Deswegen irrtiert dich das auch alles gerade so."
Ich will nicht vor dir heulen. Ich will das wirklich nicht mehr. Ich habe schon zu viel deinetwegen geweint.
"Ich will, dass du gehst. Glaub mir. Ich will nicht, dass du hier noch wohnst. Mir war das auch überhaupt nicht bewusst. Ich habe mich neu eingerichtet. Und neu gestrichen. Du gehörst hier nicht mehr hin. Schon lange nicht mehr. Aber manchmal, manchmal da finde ich noch ein altes T-Shirt von dir oder so ne scheiß Sprachnachricht, weil dieser kack WhatsApp-Verlauf ja nichts vergisst und dann vergesse ich kurz, wie vorbei das eigentlich alles mit uns ist. Dann bist du ganz kurz wieder ganz da. Und ich denke, ich würde dir so gerne von allem erzählen. Von allem, was passiert ist und wie es mir geht. Und dann stelle ich mir vor, wie du genau in diesem Moment mit einer anderen glücklich bist und wie du sie vögelst und lachst. Und das passt alles nicht. Wir waren doch wir. Wir waren doch glücklich. Du fehlst mir so. Scheiße man, was machst du hier bloß noch." Jetzt heule ich doch.
Du machst keine Anstalten aufzustehen, antwortest nur ruhig:

"Es tut mir leid, ich kann doch nichts dafür, dass ich noch hier bin. Das hier ist dein Herz und du musst mich schon rausschmeißen, damit ich hier nicht mehr wohne."


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Kommentare

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  • 0

    so zerreissend schön

    24.11.2017, 16:26 von DayDreamingNightThinking
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