nikola 30.11.-0001, 00:00 Uhr 27 1

Problemzone: Exfreund

Freunde bleiben.

Die obligatorischen letzten Worte "Lass uns gute Freunde bleiben", klingen wie Andrea Bochellis "Time to say goodbye". Abgelutscht. Verhasst.
Gleichzeitig schmeißen sie uns harsch in unser Singleleben zurück und wenn wir mit blauen Fleck am linken Oberschenkel auf dem Boden der Realität gelandet sind, schmerzt uns etwas noch viel mehr- Liebeskummer.

Während der blaue Fleck die Farben wechselt und von gelb über grün schließlich wieder mit unserer Hautfarbe harmoniert, erweist sich die Sache mit den Gefühlen als wesentlich hartnäckiger.
Doch was, wenn wir sie erfolgreich besiegt haben? Haben wir sie mit unseren Schwertern nieder gestochen oder ihnen nur die Ketten der Verganganheit angelegt?

Das Relikt mit dem "gute Freunde Bleiben" scheint ein Kampf, vor dem jedes Expärchen kapituliert. Dabei haben sie doch schon viel schwerwiegenderes bekämpft; ihre Gefühle.

Entpuppt sich unser ExFreund, auch nachdem wir unsere rosarote Brille abgesetzt haben als edler Ritter, wirft uns ein Anruf seinerseits, ganz schön aus den Bahnen.
Folgender Satz führt zu einem exponentiellen Wachstum, dass ziemlich schnell seine stationäre Phase erreicht, Kontakt- Stillstand:
"Hey, Ich bins. Ich dachte wir könnten mal was trinken gehen... ...so in Erinnerung an alte Zeiten."

Alte Zeiten?
Wie ein Fahranfänger im Stau der "Anrufre eines Exfreundes" stecken geblieben, befindet man sich schlussendlich doch schon längst auf der Überholspur.
Schaut man in den Rückspiegel klebt auf dem gelben Käfer, zwei Leitpfosten auf dem Highway nach unten, der Button "Vergangenheit".

Let`s go. Erobern wir das Schlachtfeld, dass alle Expärchen meiden. Steigen wir über alte Leichen und wedeln mit dem weißen Tuch.
Friede, Freunde, Kaffeetrinken.
Was macht es so schwer unseren Exfreund zu treffen? Führt uns vergangene körperliche Verbundenheit raus aus der Nähe, hin zur Distanz?

Früher oder später kommt man auf die alten Zeiten zu sprechen und der gelbe Käfer hat plötzlich mehr PS, als wir jemals erahnt haben.

Egal ob wir über die schlechtn Zeiten - oder die guten sprechen, bis dass der Tod sie scheidet sind sie mit unseren Gefühlen verbunden.
Gefühlen an eine Bezeihung.
Gefühle an Gefühle in unserem Bauch, gegenüber der Person, mit der wir kaffeetrinkend an einem Tisch sitzen.
Und aufeinmal taucht der Geist unserer alten Beziehung auf, dessen Gefühle wir so schön in Ketten gelegt hatten.
Sie überspülen uns, wenn auch nur für einen kurzen Moment und plötzlich merken wir, dass sie definitiv nicht niedergestochen wurden.

Unser Herzensritter hat sie auf seinem Schwert eingraviert- und da ruhen sie, bis ein neuer Kampf beginnt.

Manchmal ist es das steigende Gefühlsbarometer der Nostalgie das bekämpft werden muss.
Und wenn wir davon gerade noch die Kurve kratzen, erwartet uns an der nächsten Kreuzung die rote Ampel. Es blinkt : Die Neue.

Ist der Preis der Eintrittskarte ins Land "der guten Freune" also nicht eigentlich: keine Gefühle durch die Erinnerung an die alten entstehen lassen?
Vielleicht ist die Longe der guten Freunde schon ausverkauft. ExFreunde erhalten nur die Stehplätze. Auf dem Weg ins Parkett, zum "guten Freund", steht ein Bodyguard.
Wenn er Gefühle in deiner Tasche findet:no entrance.
Das Problem: Mehr als in Ketten legen, kann sie unser Herzensritter leider auch nicht.

Vielleicht hängen wir dem Exfreund einfach eine VIP Karte um, denn die hat er in unserem Herzen schon vor langer Zeit erworben. Wenn nicht Parkett, eventuell Rang.
Dann ist zur Bühne deines Lebens noch genügend Abstand gegeben.

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27 Antworten

Kommentare

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    Am schlimmsten ist es, wenn man vorher sehr gut miteinander befreundet war. Man sich (fast) alles erzählen konnte, gemeinsam lachen konnte...

    In der Beziehung hatte er sich auch Mühe gegeben, nach einigen HinundHer über Jahre hinweg, - nur sechs wundervolle Monate mit inniger Zweisamkeit,- letztendlich hat es dann doch nicht geklappt (ein Auslandsaufenthalt war dann doch zu viel und die Entfremdung setze ein).
    Danach kam nur nach langsames, schmerzhaftes Abschiednehmen (halbes Jahr!) voneinander. Die Einsicht zur Trennung schwirrte unausgesprochen in der Luft, es wurde sich was vorgemacht, es wurde gemeinsam in den Urlaub gefahren, - aber Zynismus und Bitterkeit ließen sich auf meiner Seite nicht mehr verleugnen. Ich ahnte (im Prinzip "wusste"), es gibt einen anderen jetzt wichtigeren Menschen in seinem Leben als meine Person (Auslandsaufenthalt!).

    Unendlicher Schmerz...., denn tatsächlich war ich diejenige, die mehr liebte. (Ich hoffe, dass wird nie wieder der Fall sein!!)

    Es sind nun bereits fast 6 Monate vergangen, aber meine Psyche trägt immer noch tiefe Narben und die Einsicht, dass alles von Anfang zum Scheitern verurteilt war, scmerzt zutiefst.
    Wir hätten Freunde bleiben sollen!!

    05.07.2006, 20:49 von Lif81
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    hm...
    situation:
    mann, ich hab mich verliebt, wir waren vorher freunde. er hat es versucht, es ist schief gegangen. er hat mir mehr wehgetan als ich dachte.
    nun kann ich ihm nicht mehr in die augen sehen.
    als ich erfuhr, er hätte eine freundin, wollte ich sie erwürgen. und ihn dazu.
    als ich erfuhr, sie wolle schluss mit ihm machen und die beziehung sei mehr als wankelig und ihm das wehtäte- wollte ich ihr einen präsentkorb schicken.
    nun hab ich angefangen, mich mit ihr zu beschäftigen. mit ihr kurze worte zu wecheseln. ihn dagegen aussenvor zu lassen.
    und dann kam von ihm eine message.. er wolle, dass wir endlich wieder freunde sind.
    aha. super
    toll.
    gaanz klasse, dachte ich mir.
    damit du mich wieder vollheulen kannst, wenn es dir schlecht geht und mich zu dir lockst. aber wenn es mir schlecht geht, nicht vorbeikommst.

    warum ist das verhältnis zu unseren ex-en so gespannt?
    weil sie mit uns vieles geteilt haben. und uns vielleicht sehr weh getan haben. und viel von uns kennen.

    mehr kann ich nicht dazu sagen..ihc versuche schon seid einem halben jahr wieder NORMAL mit ihm zu reden. es geht nicht.


    gruß´tia

    04.07.2006, 13:47 von Tiara
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    Alter Schwede, endlich mal wieder ein guter Artikel und die Einträge auch. War sehr interessant, diese zu lesen.

    19.03.2006, 13:19 von raknar
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    Alter Schwede, endlich mal wieder ein guter Artikel und die Einträge auch. War sehr interessant, diese zu lesen.

    19.03.2006, 13:19 von raknar
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    Die Gefühle brauchen in der Tat so ihre Zeit bis sie auf "Normalnull" zurück gehen. Aber genau wie Du den blauen Fleck nicht genau beachtet hast in seinem Abheilen ( Farbe wechselt von blau über grün nach gelb und zur Hautfarbe). Genau so wenig läßt sich, meiner Meinung nach, der Status der Gefühle auf Reife oder Abheilung bestimmen.
    Es sei denn man findet akribisch jede verletzte Zelle seines Seins auf und fordert sie auf sich wieder in die Riege der komplett funktionierenden Zellen zu stellen. Damit hat "Mensch" für meine Begriffe auch nichts erreicht. Verletzungen kann man auch ertragen in dem man sich der darunter liegenden intakten "Welt" bewußt wird.
    Ich habe bisher ganz gut mit meinen Narben gelebt, weil nichts von den schweren Verletzungen richtig abheilte. Sie erinnern mich an meine eigene Unfähigkeit wie ein Panzer zu sein und allem zu wiederstehen.

    16.03.2006, 14:10 von uschi_fisch
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    Danke für diese schönen Worte. Auch wenn sie mich auf den boden der Tatsachen zurück gebracht haben und ich abermals realisieren musste, dass Menschen, die man aus der Hand lässt, nie wieder nach einem Finger fragen werden und man mit seiner anfänglichen Selbstsicherheit schließlich doch alleine da steht.

    16.03.2006, 12:25 von Auf_gut_Glueck
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    Herzlichen Glückwunsch zu diesem Text! Mir persönlich spricht er aus der Seele. Auch ich bin eine Kämpferin für meine tief verwurzelte Freundschaft mit meinem Ex und werde z.B. von meiner besten Freundin nicht verstanden. Sie hält das Kontakthalten zum Ex für nichts anderes als eine still ruhende Hoffnung auf ein eventuelles Wiederzusammenkommen. Jedoch verbitte ich mir dies. Mein Ex war mein bester Freund, viele Jahre bevor wir zusammen gekommen sind, wir waren dann 21 und etwa zweieinhalb Jahre liiert. Unsere Trennung liegt mittlerweile fast 10 Jahre zurück und es hat uns viele Jahre gekostet, wieder Vertrauen aufzubauen und die Lücke zu schließen. Mittlerweile sind wir uns gegenseitige wertvolle Ratgeber in allen Lebenslagen, tauschen beruflich Erfahrungen aus und können stundenlang bei Rotwein quatschen.
    Ich bin ebenfalls der Meinung, dass der Wert der Freundschaft zum Ex von unermesslicher Größe ist und selbst dadurch nicht gemindert wird, nur weil die Partnerschaft nicht funktionierte. Wieso also sollte ich einen Menschen nur aus letzterem Grund aus meinem Leben katapultieren, wenn mir die Chance gegeben war, das Wertvolle mit ihm zu retten? Man trifft in seinem Leben doch wirklich nicht gerade viele soul mates, Menschen, die bedingungslos zu einem stehen, einen verstehen, weil sie einen kennen und zwar durch und durch.
    Ich finde es immer wieder müßig, die Unschuld und Reinheit unserer tiefen Verbindung stets aufs Neue verteidigen zu müssen. Natürlich liebe ich diesen Menschen und er ist mir einer der liebsten in meiner VIP-Freundes-Liga. Und wer mich mit Unverständnis straft, dem kann ich nur entgegnen: Schade, dass Du dieses Gefühl nicht auch teilen kannst. Ich wünsche Dir, dass auch Du diese Fähigkeit erlernst!

    27.02.2006, 19:41 von LittleWoman
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    wird es jemals fuktionieren "Freunde bleiben?!"

    26.02.2006, 11:50 von 05kiwi
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      @05kiwi Ja, dauert nur eine Weile!
      Aber es klappt!

      12.03.2006, 21:30 von akmsu74
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