MarbleSounds 27.07.2013, 22:33 Uhr 21 51

Princess Almost

Wir beide. Beinahe ein Paar, beinahe verliebt, beinahe glücklich. Und du? Beinahe wärst du geblieben. Aber eben nur beinahe.

Du hast mal gesagt, ich sei deine kleine Prinzessin. Das war damals. Heute weiß ich, dass ich allenfalls die Prinzessin von Beinahe bin.
Wir beide. Beinahe ein Paar, beinahe verliebt, beinahe glücklich.
Und du? Beinahe wärst du geblieben. Aber eben nur beinahe.
Jetzt bist du weg und nichts ließ mich jemals so schmerzlich meinen halbwertigen Zustand spüren wie deine finale Abwesenheit.

Die Chance auf ein glückliches Ende? Die ist schon lange vertan. Verzockt, verspielt, den Abfluss hinunter geflossen, als wäre es nichts als dreckiges Spülwasser.

Zurückspulen. Wie gerne würde ich das tun. Nur in meinen Gedanken gelingt die Rückblende in die Vergangenheit, in der wir an den Rande unseres Glücksultimatums stießen, immer und immer wieder.

Ich stehe hinter dir in einer Bar und atme deinen Geruch ein, sauge ihn auf mit jeder Faser meiner Zellen, will ihn konservieren, für immer. Ich gebe mir nicht einmal mehr Mühe, mein Vorhaben zu verbergen, so berauscht bin ich von deinem Duft, so im Glückstaumel der Hormone. Niemand kann so riechen wie du, weißt du das? Ich stelle mir vor, wie ich in einem Labor stehe und hunderte silbrig-schimmernde Essenzen aus zierlichen Karaffen zusammengieße, um deinen Duft zusammen zu komponieren. Aussichtslos.
Mir bleibt nur, meine Augen zu schließen, dich tief zu inhalieren und zu hoffen, dass meine Geruchsknospen ein starkes Gedächtnisvermögen entwickeln.


Ich werde mich ewig an dich erinnern, an deinen Duft, die sanfte Wärme, die von deinem Körper ausgeht, wenn du so vor mir stehst. An das Gefühl, wie meine gespreizten Finger sanft durch deine wuscheligen Haare fahren, sodass sie zu allen Seiten abstehen und du aussiehst wie ein scheuer Welpe, der ins Sonnenlicht blinzelt und gleich niesen muss.
Das Prickeln in meinen Fingerspitzen, wenn ich dir langsam
über den nackten Rücken fahre, und du dabei so wohlig
in mein Ohr raunst.
Den Bariton deiner Stimme, so nah an meinem Gesicht.
Deine Lippen auf meinen, an meinem Hals, meinem Bauch.
Der spielerische Tanz unserer Zungen, die sich necken, liebkosen, sich für immer verknoten wollen. Wie unsere Körper eine geniale Einheit wurden unter deiner weichen Daunendecke, unsere Seelen verschmolzen und wir entflammten unter den Berührungen des anderen.Ich brannte lichterloh.
Heute ist nur noch ein Haufen Asche von mir übrig, ein kümmerlich in sich zusammengefallener Rest aus verbrannten Holzscheiten.

Wie sehr ich mir jetzt wünsche, dass es eine Möglichkeit gegeben hätte, deinen Duft einzufangen. Ihn einfach in ein Marmeladenglas zu sperren und immer, wenn das Vermissen wieder so intensiv wird, dass es an mir zerrt und zehrt, und mich nach allen Seiten hin zerreißen will, den Deckel aufdrehen und ihn einfach einzuatmen. Um für einen kurzen, unglaublich wertvollen Moment wieder das beruhigende Gefühl zu bekommen, dass du noch da bist, da bist für mich.

Sich noch einmal der Illusion voll hinzugeben, deine Präsenz mit jeder Faser zu spüren und aufzusaugen, um unter Tränen endlich sagen zu können:
Ich liebe dich. Bitte, geh nicht.

Ich habe es nie geschafft, dir diese Worte zu sagen. Ich wollte dich nicht einschränken, dir nicht deinen Traum nehmen, der dich doch zu dem gemacht hat, was du bist.
Jetzt hast du deinen Traum. Und mir? Mir bleibt nur ein Beinahe.
Und die Erinnerung an dich, die heute stärker in mir brennt
als je zuvor.

Warum ich immer noch nicht aufgehört habe zu rauchen, obwohl ich es schon so oft versprochen habe? Weil mich jeder angezündete Glimmstängel, jeder tief inhalierte Zug, jede ausgedrückte Kippe an dich erinnert. Ich sitze auf dem Balkon, wo wir so oft zu zweit saßen, Hand in Hand, Schenkel an Schenkel, Kopf an Kopf, und atme bedächtig den Zigarettenrauch ein, nach dem du immer dezent gerochen hast. Das ist zwar nur ein winziger Bruchteil deines gesamten Duftcharakters, aber das einzige, woran ich mich jetzt noch klammern kann.
Und solange die Zigarette noch brennt, solange kann ich mir einreden, dass du noch nicht ganz verschwunden bist.
Das ist beinahe etwas wert.

51

Diesen Text mochten auch

21 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 1

    Glücksultimatum, das gefällt mir!

    24.03.2014, 11:23 von Bambi_Eyes
    • Kommentar schreiben
  • 1

    boah, sag endlich was für ein Parfum der Aff benutzt hat. Kippengestank geil finden ist halt schon sehr äh studentisch...

    31.07.2013, 22:51 von Surecamp
    • Kommentar schreiben
  • 1

    Puh, wundervoll. Trifft genau meine Gefühlslage im Moment. :S

    31.07.2013, 21:31 von Urmeli
    • Kommentar schreiben
  • 4

    LiKe. 


    Besonders das Einatmen aus dem Marmeladenglas. 

    Sehr traurig. Man kann sich sehr gut in deine Rolle reinversetzen. Leider. 

    30.07.2013, 23:26 von seek4happiness
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Rauchen romantisch und verblümisiert begründet.

    29.07.2013, 23:06 von miss_mel
    • 0

      Nicht Rauchen per se. Nur der Versuch einer Begründung, warum es manchmal schwer fällt, damit aufzuhören..

      29.07.2013, 23:13 von MarbleSounds
    • 1

      Sorry, aber es ist das Festhalten an einer Sucht durch emotionale Begründung. Ich werte das nicht, das entscheidet jeder für sich selbst. Es ist mir quasi egal. Ich stelle das nur fest.

      30.07.2013, 09:32 von miss_mel
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 1

    Irgendwie fast unheimlich das zu lesen, kommt meiner momentanen welt sehr nahe. in viele schöne wort gekleidet außerdem. wie stark doch diese duftchemie zwischen zwei menschen sein kann...und am ende bleibt nur die nuance "rauch" als letzte zum erinnern.... echt schön!

    29.07.2013, 19:08 von KleineFreiheit
    • Kommentar schreiben
  • 1

    Der erste und der letzte Absatz sind gut, zwischendrin ist es so lala, eben Blümchentapete aus dem Discounter zum Sonderpreis.

     

    Auf den Inhalt einzugehen ist wohl kaum der Rede wert, es klingt fast nach einer Obsession grenouillschen Charakters, das Ich ist demnach noch in der ersten Trauerphase...es kommen dann noch Vorwürfe, Selbstvorwürfe, ein letztes Aufbäumen und dann Ende. Dauert etwa die Hälfte der Zeit, die man zusammen war. Kann verkürzt werden, einfach in der Weltgeschichte rumvögeln. Ich weiß, ich weiß, keiner riecht so, aber mit viel Alkohol und Zigaretten geht das...wer vom Pferd fällt, sollte gleich wieder drauf springen, sonst hat er immer Angst vor dem Reiten.

    Dummer Ratschlag, ich weiß, daher ein praktikabler Tipp: Lern eine Fremdsprache.

    29.07.2013, 18:50 von chrisbow
    • 3

      PS: Beim neuerlichen Lesen fällt mir auf, du musst unbedingt wieder aufs Pferd, sonst manifestiert sich noch diese verbimmelte Einstellung, dass du nicht liebenswert bist, erst jetzt fällt mir auf, dass das schon Phase 3 ist. Bleib da um Himmels willen nicht stecken, reflektiere und erkenne deine Fehler:

       

      Wer die Geschichte nicht reflektiert, neigt dazu, ihre Fehler zu wiederholen.

       

      Du bist liebenswert und kein Mann ist es wert, dass du dich wegen ihm so fertig machst.

      29.07.2013, 18:54 von chrisbow
    • 3

      Diesen (zweiten) Kommentar würde ich mir gern irgendwo hin kopieren, zum immerwieder  lesen und weiterschenken...

      29.07.2013, 19:16 von Tanea
    • 1

      Zumindest mal eine ehrliche Meinung. Auch wenn "Blümchentapete aus dem Discounter zum Sonderpreis" nicht gerade sehr schmeichelhaft klingt, nehme ich deine konstruktive Kritik gern zur Kenntnis.

      An den Ratschlägen könntest du vielleicht noch ein wenig feilen. Bin mir nicht sicher, ob "in der Weltgeschichte rumvögeln", "Alkohol und Zigaretten" und "eine Fremdsprache lernen" in dieser Situation zu einer Besserung beitragen.

      An Reflexion mangelt es aus meiner Sicht nicht unbedingt, vielleicht steht zu viel Grübelei auch manchmal mehr im Weg, als dass sie hilft..

      Der letzte Satz ist süß, wenn auch etwas klischeelastig und floskelhaft :)

      29.07.2013, 23:21 von MarbleSounds
    • 3

      Vielleicht sollte ich an meiner Formulierung noch mal arbeiten, aber ich finde meine Ratschläge ganz gut :)

       

      Vielleicht zur Begründung: Es gibt zwei Probleme, die du hast: Einerseits hast du eine klassische Oneitis - One it is. Verbimmelterweise glaubst du, er sei der einzige Mann auf der Welt, der dich glücklich machen kann. Die Reflektion steckt darin fest, die Situationen immer wieder durchzuspielen und sich zu fragen, was hätte ich besser machen können, was wäre wenn, wie kann ich es schaffen aus DIESEM Beinahe ein Ist zu machen? Genau da steht die Grübelei im Weg.

       

      Auf der anderen Seite ist dein Selbstwertgefühl in den Keller gerutscht, du fühlst dich machtlos und hilflos, dein Leben wurde entschieden und durch Reflektion versuchst du, dass du DIESE Situation wieder unter Kontrolle bringst.

       

      Alles in allem ist er die Sonne und du und deine Gedanken kreisen um ihn. Genau damit machst du dich fertig.

       

      Nun zu den Ratschlägen. Fangen wir von hinten an: Fremdsprache lernen: Erst einmal hast du dadurch eine neue Aufgabe, in die sich deine Gedanken hinein knienen können. Es ist einerseits eine Ablenkung. Andererseits leitest du damit ein neues Kapitel in deinem Leben ein. Wenn du die Fremdsprache dann kannst, kannst du mehr - und dieses Mehr steigert dein Selbstwertgefühl. Vor allem aber gibt dir die Fremdsprache wieder etwas Kontrolle zurück. Du hast dann etwas in deinem Leben in der Hand, das funktioniert, etwas, in dem du wieder handeln kannst. Alternativ kannst du auch irgendeine Sportart anfangen oder ein Musikinstrument lernen, es ist eigentlich egal, aber du solltest etwas machen, durch das du dich weiter entwickelst. Gerade dadurch bekommst du das Gefühl zurück, wieder liebenswert zu sein.

       

      In der Weltgeschichte rumvögeln. Ja, es wird auch schlechter Sex dabei sein, keine Frage, aber mit etwas Glück ist das auch guter Sex dabei, und das ist entscheidend. Such dir einen Tröster, such dir jemanden, bei dem es wieder funktioniert. Wie ich schon sagte, je mehr du über die Situation nachdenkst, desto mehr wirst du dich darin hinein steigern, er als Sonne wird immer mehr abstrahlen. Aber wenn du in die Welt hinaus gehst und rumvögelst, wirst du anfangen, die Sache zu drehen, die Männer, die du dann mitnimmst wirst du furchtbar finden, du wirst denken, das sind nicht die Typen die ich liebe, aber ich kann sie haben. Und warum funktioniert das? Weil du dich in der Konstellation als Sonne fühlst und die Männer sind diejenigen, die um dich kreisen.

       

      Und wenn du das geschafft hast, dich zu entwickeln und ein neues heliozentrisches Beziehungsbild zu gewinnen, dann wirst du anders über diese Beziehung denken. Phase IV, das letzte Aufbäumen, du willst sie nicht verlieren, dein Herz wird noch nicht ganz loslassen wollen, weil es besser ist, diesen Platzhalter zu haben, als nichts. Aber genau an dem Punkt wirst du auf einmal ganz anders grübeln, und wenn du dann aufhörst zu rauchen (was du vermutlich machen wirst, um das letzte Bisschen Kontrolle über deinen Körper zurück zu erlangen), dann bist du ihn los.

       

      Sich zu entlieben braucht nun mal Zeit, und man kann die Zeit nun mal nutzen oder verstreichen lassen. Wie du schon sagst, deine Grübeleien stehen dir im Weg. Ich zeigte dir die Richtung nach vorn zu schauen, als zurück. Ob du die Ratschläge nun wortwörtlich nimmst oder deiner Situation anpasst, ist eigentlich egal. Letztendlich kenne ich dich nicht und meine Ratschläge können nie maßgeschneidert sein. Allgemeiner formuliert heißen sie: Reiß dich am Schlüpfer und mach dich wieder zum Zentrum deines Lebens. Aber hätte ich das so geschrieben, wüsstest du eben nicht wie...es wär eine leere Formel, eine Floskel, wenn du so willst, genau wie die letzte Floskel, der Klischeesatz. Für mich bedeutet er Instant-Glück, ein Aufbrühwürfel, den man sich mal eben schnell in der Pause der Gedanken reinpfeifen kann, damit man etwas im geistigen Magen hat. Er hilft um dieses Sehnsuchtsgefühl etwas zu stillen....

      30.07.2013, 07:59 von chrisbow
    • 2

      Das mit der Fremdsprache lernen, klingt vielleicht komisch, aber es funktioniert wirklich. Ich mache es selbst gerade :)

      30.07.2013, 11:55 von never_not_ever
    • 0

      Ich danke dir für diese ausführliche Antwort und die Mühe, die du in deine Kommentare steckst.
      Natürlich lässt sich nicht alles auf die konkrete Situation anwenden, schließlich kannst du die genauen Abläufe ja gar nicht kennen. Trotzdem danke für den "Aufbrühwürfel" :)
      (Die Metapher gefällt mir übrigens sehr!)

      30.07.2013, 17:08 von MarbleSounds
    • Kommentar schreiben
  • 1

    Ich verfluche es regelmäßig jemand zu sein, der alles und jeden an Düfte koppelt...

    29.07.2013, 18:04 von tintinnia
    • Kommentar schreiben
Seite: 1 2
  • Satt, aber sexy

    Vergiss die Clubs der Hauptstadt, vergiss die Galerien – die wildeste Party Berlins findet ganz woanders statt: in den Straßen, auf den Tellern.

  • Auffällig unauffällig

    Spezielle Schminktechniken sollen Gesichtserkennungssoftwares überlisten. Doch wie unsichtbar macht dieses sichtbare Make-Up wirklich?

  • Wie siehst du das, Heinrich Holtgreve?

    Jeden Mittwoch interviewen wir NEON-Fotografen. Auf unsere 10 Fragen dürfen sie uns nur mit Bildern antworten.

Neu: NEON für dein iPad!

Neueste Artikel-Kommentare