nonplusultra 30.11.-0001, 00:00 Uhr 5 34

Phantomherz

Aber wir haben den Moment verpasst, in dem wir den Augenblick festhalten und es einfach wagen. Es riskieren und uns ineinander verlieben.

Mit einem Herz aus Eis lebt es sich leichter, sage ich.

Männer kommen und gehen, sagt die Erfahrung und du bist gerade am gehen. Du verlässt mich, wir verlassen einander, weil die Entfernung zwischen uns immer weiterwächst. Bevor es richtig angefangen hat, haben wir die Stadt verlassen, uns in verschiedenen Unis eingeschrieben und auf dem Weg dorthin ist das wir auf der Strecke geblieben.

Zu denken, Fernbeziehungen würden auf Dauer klappen sei naiv, sagst du und wirkst, als hättest du das Ende schon längst vorausgesehen, hättest längst mit uns abgeschlossen.

Mir geht nichts nahe, sage ich. Es war ein schöner Sommer mit dir, aber wir haben den Moment verpasst, in dem wir den Augenblick festhalten und es einfach wagen. Es riskieren und uns ineinander verlieben.

Ich erinnere mich an den Abend, als unsere Blicke sich zum ersten Mal zufällig trafen und ich unwillkürlich lächeln musste.

Monate später ist der Sommer vorbei. Ich schlafe nicht mehr in deinem Arm ein, du drückst mir nicht mehr mitten in der Nacht schlaftrunken einen Kuss auf die Stirn, mein Handydisplay zeigt mir frühmorgens keine Nachrichten mehr von dir an.

Zeit heilt alle Wunden, sagt die Vernunft.

Ich schenke mir ein Weinglas ein und stoße mit mir selber an, auf die Sommernächte auf deiner Terrasse, auf die nächtlichen Kochaktionen in deiner Küche, auf das Sternebeobachten in deinem Garten, wo wir gemerkt haben, wie klein wir im Vergleich zum unendlichen Universum sind, auf uns. Ich stoße mit mir selber an, im Hintergrund läuft leise unser Lied.

Ich komme klar, sage ich.

Und dann entdecke ich zufällig ein Foto von dir, bin minutenlang kurz vor einem tränenreichen Gefühlsausbruch, frage mich wann es besser wird und ob Trennungsschmerz mit Phantomschmerz zu vergleichen ist.

Wir waren nie ein Paar, aber manchmal tut es eben trotzdem verdammt weh, obwohl einem bewusst ist, dass man sich gegenseitig nur unglücklich macht.

Man vermisst meistens gar nicht die Person an sich, sondern die gemeinsamen Momente, die man miteinander verbracht hat, sagst du.

Ich komme klar, sage ich. Im Moment fehlst du mir trotzdem. Als Person.

Das Weinglas ist leer, der Song vorbei 

und wir am Ende.



Tags: Trennung
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5 Antworten

Kommentare

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    Sehr schön geschrieben und sehr rührend!!!! Aber mit diesem Erleben stehst du nicht allein dar ;) 

    03.01.2016, 13:38 von Rosalie7
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  • 1

    hach so schön <3 kann gut mitfühlen.

    17.12.2015, 22:29 von Holzgeschichten
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    schön geschrieben und gut bekannt. aber in welchem zeitlichen Rahmen sprichst Du hier?

    02.12.2015, 20:02 von LifeLoveLust
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    Wie wahr...

    19.11.2015, 12:34 von janemary1802
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