Frittrang 30.11.-0001, 00:00 Uhr 6 1

Peter will ein Warlord werden

Es war ein sonniger, aber kühler Dienstag Vormittag, als Peter beschloß ein Warlord zu werden.

Er saß an seinem Computer und hörte sich ein paar Lieder aus seiner elektronisch archivierten Sammlung an. Die Lieder waren akribisch nach Stimmungen sortiert. Er wählte die Kategorie „Ab geht’s“. Und wie er da so saß und sich auf seinem alten, abgewetzten Drehstuhl drehte und die Sonne in sein Zimmer schien und die frische kalte Herbstluft sein Gehirn lüftete wurde ihm mit einem mal die Bestimmung seines Lebens klar.
„Verdammt noch mal! Ich denke ich werde Warlord! Ja genau! Das ist genau das, was ich immer sein wollte! Nicht Söldner. Nein. Herumkriechen und Schlamm fressen und Angst haben und womöglich sterben ist meine Sache nun einmal gar nicht. Aber mit einem Samtmorgenmantel in bordeauxrot vor einem überdimensionalen offenen Kamin stehen, ein Glas unglaublich treuren Cognac in einem unglaublich überdimensionierten Cognacschwenker umherschwenkend auf und ab gehen und meine nackten Füße in ein sehr weiches und haariges Eisbärenfell verkrallend während ich einer wunderschönen Gefangenen einen philosophischen Vortrag oder eine Geschichtslektion halte, das wäre genau mein Ding. Ich würde brummend in mich hineinlachen wenn sie so was sagt wie: „Sie sind ein verdammter Mörder!“ und ihr üppiger Busen würde heftig auf und ab wogen, weil sie so verdammt wütend auf mich ist, weil ich doch ihr kleines Buschwaisenhaus von meinen Männern habe niederbrennen lassen. Und ich würde dieses brummende Lachen in mich hineinlachen, was ich noch etwas üben sollte, und ich würde meinen unglaublich teuren Cognac in meinem unglaublich überdimensionierten Cognacschwenker umherschwenken und mich zum Kamin drehen, eine Hand auf den Sims stemmen während ich in die knisternden Flammen starre und dann würde ich so was sagen wie: „Ich bin also ein verdammter Mörder was?“ nein. Das ist nicht gut. Nein, ich würde sie verwirren in dem ich irgendwas ganz anderes sage und gar nicht auf ihre Beleidigung eingehe wie: „Als Cäsar den Rubikon überschritt im Jahre sowieso, also das würde ich natürlich noch nachgucken müssen um das flüssig rüberzubringen. Jedenfalls würde ich also sagen, als Cäsar den Rubikon überschritt, da nannte man ihn auch einen verdammten Mörder und doch hat er gesiegt.“ Nein, nein, nein, was rede ich denn da. Das wurde diese flachsblonde Entwicklungshelferin mit ihren unglaublich blauen, strahlenden Augen vermutlich überhaupt nicht beeindrucken weil sie bestimmt viel besser über Cäsar bescheid wüßte als ich und mich lachend verbessern würde und ich müßte dann einen meiner, bei meinen devoten Untertanen so gefürchteten Wutausbrüche bekommen und sie umbringen lassen. Oder doch besser selber umbringen? Nein umbringen lassen ist cooler. Damit sie merkt wie egal sie mir ist! Ja, das hat sie davon mich zu unterbrechen!
Mit diesen Gedanken widmete sich Peter wieder seinem Computer und war sich insgeheim völlig im klaren darüber, daß er niemals ein Warlord sein würde und daß ihn die blonde Nachbarin auch weiterhin zwar freundlich aber mit bestimmter Gleichgültigkeit behandeln würde. Er war nun einmal nur ein kleiner untersetzter Mann mit saurem Mundgeruch und einer blöden Frisur. Und darüber war er sich klar. Auch wenn er sich sicher war, daß tief in ihm ein ziemlich lässiger Warlord schlummerte.

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6 Antworten

Kommentare

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    l o l n1

    21.01.2006, 01:17 von haidenkind
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    Großartiger Text, wirklich.

    21.01.2006, 01:09 von veit
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    Sehr geiler Text! Gut gelacht.

    20.12.2005, 17:43 von barcafan
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    ziemlich schöner text.
    ich glaube auch das peter ein extrem cooler warlord geworden wäre.
    tschö

    16.12.2005, 18:08 von Fruechtchen
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    Grandios!
    Habe mich sogar extra registrieren lassen, um das schreiben zu können!

    *schwerbeindruckt*

    15.12.2005, 23:31 von kuhauge
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