Paralleluniversum
Wir laufen nebeneinander wie die Schienen der Bahn, mit der ich zu dir gefahren bin. Wie sollte ich wissen, dass du genauso auf mich herunterspuckst?
In meinem Kopf ist nichts als das Vakuum, das an sich selber zieht und die Leere dadurch wieder auszufüllen scheint. Die Gedanken verdauen sich selber, aber sind untätig und gefühlslos dabei - ein einziges Aufblähen und Scheinen, Vormachen und Veralbern. Wann der letzte Vorhang fallen wird? Ich weiß es nicht. Die ersten Pausen sind vorbei, aber der Abend ist noch lang.
Es könnte so einfach sein, sich nur an die guten Dinge zu erinnern: Die netten Worte, die du mir geschenkt hast, deine Berührungen, Umarmungen und Küsse, dein Lächeln, als du in mein Gesicht gesehen hast. Und trotzdem schmecken sie bitter, weil das Schlechte einfach immer mitklingt: Deine Abwesenheit, Abgebrühtheit, dein völliges Desinteresse, nachdem du bekommen hast, was du von mir wolltest.
Es sind die Klischees, die mich kaputt machen, weil sie immer wieder ihre Runden in meinem Kopf drehen und ihn ganz schwindelig davon machen. Ich spucke und würge Wörter, die ich schon kenne und verachte, weil sie genau die sind, die ich vorher in mich hinein gestopft habe - nur halb verdaut. Mein Herz schlägt ohne Rücksicht, und ich wühle in meinem Brustkorb, um endlich zurückzuschlagen. Bis es still ist. Ganz still... und die Gedanken wieder nach Hause finden können.
Ich verstehe es nicht. Ich verstehe es nicht, und ich werde es auch nie können - nicht loslassen, und nicht verstehen. Wo Liebe war, wächst kein Gras mehr, erst recht nicht drüber... da bleibt es leer, da bleibt Dürre und Wüste zurück: ein großes Du-Fehlst-Hier.
Wenn es etwas geändert hätte, hätte ich es dir gestanden. Wie beim Gericht wäre ich aufgestanden, hätte mich gesetzestreu an die Wahrheit gehalten und dir erzählt, wie es zu diesem Zustand kommen konnte. Ganz vorne hätte ich angefangen: Vor 8 Jahren, als wir uns kennen gelernt haben. Und trotz meiner Beziehung die ganze Nacht durchgeknutscht hatten. Wir sind erwachsen geworden, du und ich, nur heißt "erwachsen" bei uns etwas ganz unterschiedliches: Du bist ein Mann, und ich eine Frau - damals waren wir Kinder.
Nur ändert es nicht das Geringste. Weil das der kleine, aber feine Unterschied ist, der hochgelobte und vielbeschrieben: Weil es dir reicht, mich zu vögeln und danach wegzustoßen. Weil du es trennen kannst und kein Problem damit hast, mir danach zu sagen, wie schön alles war, aber eben leider zu Ende. Weil du dich bedankst, für alles, und es aber doch nicht so meinen musst.
Und eigentlich weiß ich, dass das alles nichts damit zu tun hast, dass du ein Mann bist und ich eine Frau, sondern damit, dass du frei bist und ich verzweifelt. Und jetzt noch freier und noch verzweifelter. Dich wieder zu küssen und die Nächte mit dir zu verbringen hat mich nicht näher zu dir gebracht, sondern noch weiter weg. Und doch so unendlich nah. So nah... so verdammt nah. Vorbei. In ein ganz anderes Universum.






Kommentare
Ich spucke und würge Wörter, die ich schon kenne und verachte, weil sie genau die sind, die ich vorher in mich hinein gestopft habe - nur halb verdaut.dieser Satz gefältt mir wirklich gut!
09.04.2011, 11:02 von topfbluemchenAnsich finde ich, du weisst, wie man Wörter gekonnt plaziert. Nur das Thema ist jetzt nicht so meins, als das ich den Artikel richtig super finden könnte. Aber ich hab gesehen, du hast noch mehr Texte, vielleicht finde ich da ja noch was :)
wasn arsch...dein text gefällt mir! :')
25.04.2010, 17:47 von nic.is.listen"Du bist ein Mann, und ich eine Frau - damals waren wir Kinder. "
07.04.2010, 15:12 von risyich mag das. weil man irgendwie gleich auf die welt kommt und auch unabhängig vom geschlecht je nach umfeld und auffassungswille, bildung und selbstsuche es unendlich viele verschiene nuancen von mensch gibt.