zzebra 10.11.2009, 10:00 Uhr 5 7

One sweet lovely morning

Kein Grund zur Sorge. Ist nur ein Spiel.

Eines Morgens wachst du auf und die Welt säuselt dir selbstverliebt:
„Heute bin ich mal so richtig scheiße zu dir!“
Aha, denkst du, scheiße kann auch adjektivisch gebraucht werden. Danke für deine lehrreichen Weisheiten, liebesLeben.
„Kümmert es dich etwa nicht?“
Doch, doch, denkst du, klar kümmert es mich. Und gleichzeitig denkst du etwas leiser, so dass das Leben das nicht mitkriegt: „Leck mich!“ Leck mich, Leben. Leckt mich, alle Idioten dieser Erde. Leck mich, Zukunft.
Doch das Leben hört genauer hin, als man sich vorstellen kann. Kann man noch so leise fluchen. Das eigene Leben. Der Spiegel. Überträgt die eigenen Wellen, reflektiert kommen sie zurück, lassen einen erbeben. Hätte man so nicht gedacht. Waren doch nur ein paar Schwingungen, die man aussandte. Nur ein paar unbedachte Worte. Nur ein paar „Neins“ und „Jas“ und „ich weiß nicht“(s). Dann dies.
Leck mich, Leben.
Klingt auf Englisch besser, will es irgendwo in einem kichern. Das macht die Umwelt, wühlt es bauchwärts. fuck you.

Es war nicht eines Morgens. Auch nicht eines Tages. Es war schon immer. Es begleitet dich. Scheiße klebt am Schuh, stinkt irgendwann. Streift man im Gras ab. Man wartet darauf, dass sich die Duftnoten verziehen, aber die Welt ist voller Duftnoten.
„Hast du was gegen Düfte?“ fragt das Schicksal.
Ich hab was gegen das Schicksal, fauchst du verletzt, und: verpiss dich.
„Das hab ich gehört, mein Süßer...“
Und wenn schon.
Wenn es kein Entrinnen gibt, darf mich auch das Schicksal lecken. Oder ficken. Je nachdem.

Liebe ist eher was für Anfänger. Wenn man sich auskennt damit, macht sie einen erst so richtig fertig. Weil man sie nicht mehr so richtig tief spürt, aber noch an sie glauben will. Weil man sie nicht mehr spüren mag, weil sie einen so hartnäckig verfolgt. Weil sie verletzt hat. Dreimal, viermal, x-mal, scheißegal. Nein, sie stirbt nie, das ist richtig. Aber sie wird tauber. Berechenbarer. Und irgendwann ertrinkst du in diesen Zweifeln und all den nachdenklichen Gedanken darüber, was gut ist, was gut wäre, wie es doch sein könnte, wenn.
Schlafen wäre schön.
Lange schlafen und ein wenig träumen dabei.
Ein bisschen davon träumen, dass die Träume real werden. Nein, noch besser als in der eigenen Vorstellung. Denn es geht besser. Garantiert. Liest man doch immer wieder. Sieht man. Fühlt man.
„Aber nicht mit dir, mein Süßer.“
fuck you, Liebe.

*

Leben, Schicksal und Liebe hocken in einem dunklen Hinterzimmer an einem versifften Tisch und pokern.
„Ein Vierter wäre nicht schlecht.“
„Einer zum Ausnehmen?“
„Psst!“
Das Leben kracht besoffen vom Stuhl, rappelt sich hoch, indessen hat das Schicksal seine Karten angeguckt. Das Leben ist beschissen. Die Liebe hält das Maul, sie ist zugedröhnt, stoned, das interessiert sie auch nicht weiter. Das Schicksal setzt sich ungeniert ne Spritze, greift völlig high zum Handy, während die Nadel noch hängt, wählt meine Nummer.
„Wir bräuchten noch nen Vierten...“
„Kein Bock“, raunz ich zurück. „Ich bin ein Looser.“
Das Schicksal grinst.
„Sag das nicht. Du hast ne Chance.“
„Wie groß?“
„Ich geb dir mal das Leben eben, ja?“
Eine versoffene Stimme will mir was von Erfahrung, Möglichkeiten, Wahrscheinlichkeiten, ungerechtfertigten Zweifeln blablabla erzählen. Ich ertrinke in vorgepredigten Weisheiten. Nicht sehr vertrauenserweckend ist das Leben heute, denk ich.
„Nö.“ sag ich.
Dann ein Knacken in der Leitung, jemand furzt.
„Hier ist die Liebe.“
Ich verdrehe die Augen.
„Ich kenn dich“, geb ich zurück.
„Ich bin eine andere.“
„Wie hoch ist der Einsatz?“
„Nur das übliche. Aber die Chancen stehen nicht schlecht“, säuselt sie und ich spüre, dass ich schwach werde.
Sie erzählt weiter. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Wunderschöne Stimme. Geradeso gekonnt, dass ich glaube, dass es passen könnte. Nein, dass es passt. Sicher hat sie ein gutes Herz und einen hübschen Arsch.
Nach langem Zögern höre ich mich tatsächlich voller Enthusiasmus sagen:
„Ich komme.“

Als ich in den Raum eintrete, glänzt alles. Die Bude ist auf Vordermann gebracht, sehr einladend. Das Leben lächelt mich freundlich und frischgeduscht an, das Schicksal winkt mir aufmunternd zu, die Liebe würd ich am liebsten gleich auf der Stelle vernaschen.
„Alles braucht seine Zeit“, schwingt es unsichtbar in der Atmosphäre.

*

Nach etlichen Runden bin ich so besoffen wie das Leben vorher war, abhängig wie das Schicksal und verpeilt wie die Liebe. Ich habe fast alles verloren, man hat mich bis auf die Haut ausgenommen, sogar mein Herz liegt im Pott. Ich friere. Ich weiß, dass ich gewinnen muss. Das ich gewinnen kann.
Vielleicht. Im nächsten Traum.
Nein. Jetzt! Hier und heute.
Endlich das große Los.
„Sehen...“ sag ich, mit zittriger Hand.
Das Leben poltert vom Stuhl, deliriert.
Das Schicksal lacht hämisch.
Zum Trost will mich die Liebe umarmen, aber ich tret ihr in den Arsch. War schließlich ihre Schuld.
Sie schenken mir noch mein Herz, aus Mitleid. Hat ein bisschen gelitten, aber es pocht noch. Immerhin. Kann ich meine Blöße bedecken damit.
„Bis demnächst!“ hallt es aus der Runde grölend.
fuck you, denke ich und mach mich fort, mein pochendes Herz im Schritt.
In Gedanken an das nächste Spiel, schau ich in den Rückspiegel und denke:

nobody likes you. everybody hates
you. you're an asshole and you're
stupid. you're gonna loose.
(beat)
smile, you fuck.
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5 Antworten

Kommentare

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    Mir gefällts auch. Das heißt, die Schreibe gefällt mir. Der Inhalt ist mir zu pessimistisch. Mein Glas ist nämlich halb voll. Selbst nach nem verlorenen Pokerspiel.
    Aber: Tolle Idee, toll umgesetzt.

    11.11.2009, 22:28 von Songline
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    Och nö ne ...............ist mir zu bukowskimäßig..........

    Whisky = Liebe

    10.11.2009, 15:49 von freddie
    • 0

      @freddie Das ist ja auch absichtlich keine triefende Lyrik, die einem wie ne Muse mit Monatsbeschwerden was vorknarzt.
      zz.

      21.11.2009, 11:40 von zzebra
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    wow, zzebra, das ist ja mal ein text, der mir so richtig gut gefällt ;)

    10.11.2009, 10:55 von Sumaikas_Erben
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    Der Teufelskreis lässt grüßen …

    10.11.2009, 10:36 von Neania
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