lalina 30.11.-0001, 00:00 Uhr 25 66

Ohneeinander

"Stell dir mal vor, es gäbe uns nicht!" Ich runzle meine Stirn. "Wie meinst du das? Dich und mich als Individuum oder dich und mich als wir?"

Das Sofa haben wir vor das offene Fenster gestellt, lauschen der Musik, die du als wahnsinnig gut bezeichnest, und starren raus in den ersten warmen Regen, dessen Tropfen so kräftig sind, dass ich Angst um meine Tomatenpflanzen habe, die noch so schwächlich in der Erde liegen. Du kratzt an dem Etikett der Pilsflasche. Kleine, feuchte Papierfetzen fallen auf den gestreiften Bezug und deine nackten Beine. Du reichst mir die Flasche. Es war die letzte und wir teilen sie uns - wie immer.

"Stell dir mal vor, es gäbe uns nicht!" Ich runzle meine Stirn. "Wie meinst du das? Dich und mich als Individuum oder dich und mich als wir?" Du lächelst und antwortest: "Dich und mich als wir."

Ich nehme die Flasche entgegen und berühre dabei absichtlich deine Finger, die trotz des gekühlten Bieres ganz warm sind. Du schaust mich noch immer an und lächelst erneut. Im Hintergrund höre ich Zeilen wie Someday I will walk away und du hast keine Ahnung, wie oft ich mir genau das - mich ohne dich - schon vorgestellt habe. Angekitscht von Regen, Musik und dem guten Gefühl, das unser Sex jedes Mal hinterlässt, fange ich an, mich in Gedanken zu verlieren.

Ich erinnere mich daran, wie wir uns kennengelernt haben und dass das ein so großer Zufall war, dass man es kaum glauben mag - wie so vieles im Leben. Dann denke ich daran, wie du mein Fahrrad jedes Mal flickst, wenn es nötig ist, und auch sonst nochmal alles kontrollierst, wenn du eh schon dabei bist. Dass du weißt, womit du mir eine Freude machen kannst. Dass du morgens mein erster und abends mein letzter Gedanke bist. Dass ich dir Dinge anvertrauen kann, für die ich mich vor Anderen schäme. Dass nur du es schaffst, mich so zum Lachen zu bringen, dass ich mir fast in die Hose mache. Dass du mir ohne Wenn und Aber zur Seite stehst, wenn es sein muss. Dass uns nie der Gesprächsstoff ausgeht und wir miteinander schweigen können, wenn uns danach ist. Und dass du mich liebst. Und dass ich dich liebe.

So wie jetzt - und immer. Der Regen ist leiser geworden. Dicke Tropfen fallen von dem oberen Rahmen auf das Fensterbrett. Innen wie außen. Eine andere Zeile liegt nun im Raum What if we became strangers? und ich sage: "Das will ich mir nicht vorstellen."

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25 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Ich mags.

    17.06.2013, 16:48 von phaziz
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  • 3

    Ich finde ihn kitschig und bei mir kommt leider kein echtes Gefühl auf. Tut mir leid!

    17.06.2013, 14:27 von TheCaptainsFiancee
    • 1

      Das muss dir nicht leid tun.

      17.06.2013, 14:36 von lalina
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  • 2

    Nachdenklich und gut.

    17.06.2013, 14:13 von Chiropody
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    Lässt mich nicht mehr los...

    16.06.2013, 00:59 von Jarvis_6
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    so ein trauriger titel. und so ein traurig-schöner text. 

    15.06.2013, 20:18 von Nykita
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  • 0

    Ich stimme der Mrs.McH komplett zu und erspar mir noch mehr Worte. :)

    15.06.2013, 14:24 von nyx_nyx
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    • 1

      Die Gedanken, die sich aufgrund von Liedtexten manifestieren finde ich manchmal etwas erschreckend.


      :D
      Tschuldigung, aber ich stelle mir das grad bei Liedtexten von Heaven Shall Burn oder Iced Earth vor.

      Zum Text stümm ich dir da total zu.

      17.06.2013, 14:46 von Jingeling89
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