dontbringtomorrow 30.11.-0001, 00:00 Uhr 6 34

Nur nicht mit mir

Und bei all dem frage ich mich, wie es wäre, wenn wir es zusammen machten.

Ich denke daran, dass viele Menschen, wenn sie eine Stadt verlassen, um in einer anderen ein neues Leben mit einem Studium oder einer Arbeit zu beginnen, gemeinsam gehen. Sie suchen nach Wohnungen, manchmal noch mit einem etwas mulmigen Gefühl im Bauch, ob die Zeit wirklich schon reif ist. Bei Ikea gehen sie Möbel kaufen, sind von der Fülle des Kaufhauses genervt und streiten um die Farbe der Einrichtung, einigen sich aber doch irgendwann, fahren nach Hause und bauen alles auf, sortieren, schieben, putzen. Und am Abend schlafen sie gemeinsam ein mit dem Wissen, dass die Zeit, in der der andere am Abend noch in eine seine eigene Wohnung fährt, vorbei ist. Ein Bett, ein Bad, ein Küchentisch, ein Zuhause.

Vor kurzem hast du mich von der Seite angeschaut und gesagt, dass es jetzt erstmal zwei Wochen sind, bis wir uns wiedersehen. Ich habe nach unten geschaut und daran gedacht, dass Menschen zusammen sind, obwohl sie jeweils am anderen Ende des Landes wohnen und alles dafür geben würden, um sich alle zwei Wochen sehen zu können. Ich weiß, dass es anderen so viel schlechter geht und trotzdem bricht meine Welt gerade jeden Tag ein bisschen mehr zusammen. Ich gehe immer noch schlafen, und das nicht allzu spät. Ich stehe am Morgen immer noch auf und erledige Dinge, fahre in die Stadt und gehe einkaufen. Am Abend gehe ich manchmal weg und treffe auf Menschen, die ich gern habe. Und bei all dem frage ich mich, wie es wäre, wenn wir es zusammen machten. Wenn nicht jeder von uns beiden in einer anderen Stadt all diese Dinge ohne den anderen erleben würde.

Ich habe beim Abschied keine Angst davor, dich nicht mehr wiederzusehen. Ich habe auch keine Angst davor, heute Abend schon wieder ohne dich zu sein und morgen in einen Alltag reinzufinden, von dem du kein Teil bist. Ich habe Angst, dass du eines Tages aufwachst und feststellst, wie gut dein Leben ohne mich funktioniert. Dass du merkst, wie sehr uns die Entfernung nicht nur räumlich getrennt hat. Ich habe Angst davor, nicht ohne dich sein zu können, wenn du schon längst ohne mich bist. Aufstehst, einschläfst, weggehst, wiederkommst, nur alles nicht mit mir.


Tags: liebe, neue Stadt, ohne dich, Stille
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6 Antworten

Kommentare

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    Danke, für das Gefühl, dass ich nicht die einzige bin :)

    02.12.2015, 19:23 von danielalalu
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    Tut weh. Ich kenne diesen eine Tag, an dem man aufwacht.

    29.11.2015, 21:42 von nurluftundluegen
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    Sehr berührend und gut geschrieben.

    11.11.2015, 02:28 von Danilo_Wagner
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  • 2

    Genialer Text, danke dass du meine Gedanken so treffend beschreibst. Ich wünsche dir alles Gute und viel Glück!

    13.10.2015, 21:10 von nevertheless_
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  • 3

    Hey,


    Ersteinmal: der Text ist wunderbar. Wirklich! 

    Und dazu: 
    Möchte ich dir ein bisschen Mut machen. Ich lebe auch in einer Fernbeziehung. Uns trennen 630km. Es ist hart. Immer die Tränen beim Abschied und die 12 langen Tage zwischen den Wochenenden. Dann nur 48h gemeinsam...
    Aber es klappt und es lohnt sich. Und sind wir mal ehrlich, so schätzt man die gemeinsame Zeit doch viel mehr. Man vermisst so sehr und kann einander so sehr genießen. Wir haben gelernt es Eventbeziehung oder "beautiful Pain" zu nennen. Weil man doch im Grunde genommen genau weiß wofür das warten ist und dass es sich lohnt. Auch ihr schafft das!! 


    Alles Liebe, N.



    13.10.2015, 21:06 von Maedchenrosarot
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  • 1

    Hey! Ein schöner Artikel und leider denke ich ist auch viel wahres dran! Wer hat keine Angst vor Veränderungen und wenn man eh weit voneinander entfernt ist, dann lebt man sich glaub ich auch leicht auseinander :/...ABer ich ich kenne auch Beispiele die es gepackt haben ;)...Falls deine Gedanken auf deiner Sitaution beruhen, dann wünsche ich euch beiden alles Gute! Viel Glück ;)

    08.10.2015, 22:15 von Noranora
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