Sternelle 16.09.2009, 18:59 Uhr 1 0

Nur ein Weg.

Und wenn sich unsere Wege trennen, sagte sie sich, werde ich ihn suchen.

Sie geht über die braungrüne Wiese. Matsch.
Steigt über im Wind wallende Herbstlaubhaufen.
Knisternde Blätter auf dem Boden. In dem Boden.
Feine, eisige Kälte im Gesicht.
In der Nase. Und auf der Nase, die schon rot ist vor schneidender Kälte.
Diese Kälte, die beides ist. Gleichzeitig frisch und unangenehm.
Aber immerhin modern.
Saugende Geräusche an ihren Stiefeln. Manchmal rutschige Glätte darunter.
Sie nimmt alles wahr. Sie lässt nichts an sich heran.
Sie ist auf der Suche. Fest entschlossen.

Minuten vergehen.
Und sie geht weiter. Atmet tief ein. Atmet den Herbst.

Klirrend beißt sich die Luft an ihrer Haut fest.
Ihr Gesicht wird zur Maske.
Tausend kleine Stiche schmerzen.
Die Maske wird taub. Sie hebt die Augen zum Himmel.
Der letzte Sonnenstrahl fällt in ihre glasigen Augen. Sie leuchten.
Klar und hell. Aber ohne Farbe.
Genau wie ihre Lippen. Weiß.
Die Haut springt platzend auf. Stück für Stück.
Sie beißt sich die Hautfetzen ab. So wie damals. Als Kind.
Zerreißt sie mit ihren Zähnen und schmeckt den metallenen Geschmack. Blut.

Sie lässt sich auf den Boden sinken, der nachlässt. Wie ein weiches Kissen.
Es hat geschneit. Es ist Winter.

Krabbelnd nähert sich die Taubheit ihren Zehen. Kriechend verteilt sie ihr Gift in ihrem Blut
Nass und kalt.
Tödlich.

Sie wird den Frühling nicht mehr finden. Sie hat den Sommer nie erlebt.

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Kommentare

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    wow....das ist mir als erstes dazu eingefallen, ganz toll geschrieben, und ich glaube ich werde jetzt erstmal lange darüber nachdenken...es spricht mich total an

    25.09.2009, 17:35 von twiggylein
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