Knusperflocke84 30.11.-0001, 00:00 Uhr 9 22

Nur ein Bild

Das Gefühl ganz oben auf der Achterbahn stecken zu bleiben oder mit 180 km/h eine Vollbremsung hinzulegen...

Hör auf zu reden, halt einfach deinen Mund. - Ja, du hast recht, bist du jetzt zufrieden?! - Ja vollkommen absurd das zu denken.

Am liebsten würde ich dir diese Sätze ins Gesicht schreien. Stattdessen nicke ich, nippe an meinem Milchkaffee und versuche mich auf jedes andere Geräusch zu konzentrieren, nur nicht auf deine Stimme. Auf Wortphrasen, die ich erahnen kann, noch bevor du sie aussprichst.

Falscher Zeitpunkt, Wendepunkt in deinem Leben, natürlich liegt es nicht an mir, Freiheit, Abenteuer, Chaos gegen Struktur, Nähe gegen Distanz

Und dann zum Schluss die Freundschaftskeule, man hat sich ja gut verstanden und überhaupt hätte man ja Bedeutung und wie gerne würde man wissen wie es dem anderen geht.

Es sind diese Momente in denen ich mir wünsche, ich könnte meinem Herzen diktieren das Schlagen einzustellen. Einfach Ruhe, Totalausfall, nichts mehr spüren, nichts mehr denken, nicht mehr existieren. Aber es erfüllt mir diesen Wunsch nicht. Ich ertappe mich dabei, wie ich krampfhaft meine Tasse umklammere und jeden Muskel meines Körpers anspanne.

Nicht weinen. Keine. Einzige. Träne.  - Zu spät. - Es brennt in meinen Augen.

„Heulst du jetzt etwa? Sag mal, wir kennen uns doch kaum.“

Du hast doch keinen blassen Schimmer. Hast du eine Ahnung wie viele Nächte ich von so einem Menschen wie dir geträumt habe? Wie oft ich in kitschigen Sternschnuppennächten mir jemanden wie dich gewünscht habe? Kannst du nicht verstehen, dass ich selbst dieses klitzekleine Bisschen von dir jetzt schon liebgewonnen habe? Dass ich angefangen habe zu träumen, wie es wohl sein könnte. Dass ich innerlich schon meinen Chef um die Änderung meines Dienstplanes gebeten und in Gedanken den Schlüsseldienst mit einem weiteren Hausschlüssel beauftragt habe?

In all den zahllosen Nächten, in denen wir uns nur schreiben konnten, habe ich mir ein Bild von dir gemalt. Eigentlich nur einen kleinen Ausschnitt. Aber ich wollte alles entdecken, jeden Pinselstrich, jede helle und dunkle Nuance, jede feine Linie und jede grobe Fläche. Doch auf einmal stehe ich da und der Rahmen ist leer. Jemand hat mir alles genommen.

Doch dieser jemand bist Du. Du hast entschieden, dass ich genug gesehen habe und dass ich nicht passe. Nicht zu dir, nicht in dein Leben. Ganz einfach so. Ohne Vorwarnung.

Hätte ich ein Zweifeln in deinen Zeilen entdecken können? Hätte ich ein Zögern in deinen Küssen spüren sollen? Hätte ich nur ein wenig davon mitbekommen, ich hätte nicht angefangen zu malen. Hätte mich nicht gefragt wie lange ich für die vielen Kilometer zu dir mit meinem klapprigen Auto brauche oder wie man denn um Gottes willen vegetarisch kocht. Ich hätte damit aufgehört stundenlang deine Fotos zu betrachten und die Geschichten von dir immer und immer wieder zu lesen. Ich wäre vorsichtiger gewesen - vielleicht. Vielleicht auch nicht. Denn ich dachte du wärst der Mensch, auf den ich so lange gewartet habe.

„Hey alles okay bei dir?“

„Hmm? Ja na klar, wir kennen uns ja gar nicht richtig. Meld dich einfach, wenn es dir passt.“



Tags: Abfuhr, Freundschaftskeule, Liebesfantasie, Enttäuschung, Herzschmerz
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9 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Die richtigen Worte gefunden, in der Tat.

    11.10.2015, 17:13 von maria.schmidt
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  • 1

    es wird HERBST und die stories werden traurig

    07.10.2015, 16:44 von Xspellbound
    • 1

      Jetzt kommt eben die Zeit des Nachdenkens und man merkt das Alleinsein :( Passiert ist das Ganze aber im Sommer.

      07.10.2015, 20:59 von Knusperflocke84
    • 0

      ja.

      und mit dem denken kommt die leere.
      und mit der leere kommen dunkle träume.
      und mit der dunkelheit kommt

      TODESTRIEB

      08.10.2015, 17:21 von Xspellbound
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  • 2

    Sogar der Kram mit dem vegetarisch kochen passt zu meiner Situation gerade.

    Schöner trauriger Text!

    16.09.2015, 16:48 von Bla.Bla.Fucking.Bla
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  • 2

    Es sind diese Momente wo ich mir wünsche, ich könnte meinem Herzen diktieren das Schlagen einzustellen. Einfach Ruhe, Totalausfall, nichts mehr spüren, nichts mehr denken, nicht mehr existieren.
    mal nich mehr machen, bitte.

    15.09.2015, 20:22 von Sir_Tobi
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 2

      Ich mag solche Texte sonst auch nicht. Aber diesmal hat es mich selbst erwischt und ich muss zugeben, dass das Schreiben echt eine Erleichterung gebracht hat.

      15.09.2015, 15:42 von Knusperflocke84
  • 1

    Du sprichst mir aus dem Herzen...Wow! Die richtigen Worte gefunden! 

    15.09.2015, 12:35 von ina_sophie
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