Nur diese eine Nacht
Du und ich und unsere Körper ineinander verschlungen.
Mein Körper lechzte nach Berührung, nach Wärme und ich nach Liebe und die Erfüllung kam.
Begonnen hat alles mit einer Geburtstagsfeier in einem Club. Du warst da, mit deiner Ex-Freundin oder war sie noch deine Freundin. Ich wusste es nicht. Ich sah es auch nicht. Dafür sah ich aber dich, deine Blicke, deine Augen, deine Bewegungen.
Ich tanzte. Wir tanzten. Den ganzen Abend, nicht miteinander aber doch füreinander. Und wir tranken. Selten habe ich mich so gut dabei gefühlt.
Die Menschen um uns herum, unsere Freunde, deine Freundin oder Ex-Freundin oder Wieder-Freundin – ausgeblendet. Ständig fanden wir uns wieder im Rhythmus dieser einen Nacht.
Ich fühlte, wie ich strahlte und ich strahlte dank dir. Ich genoss die Aufmerksamkeit, das Interesse, ganz schamlos. Ich sog es in mir auf.
Noch trauten wir uns nicht näher zueinander. Wir wahrten den Raum aber aus den Augen verloren wir uns nicht. Immer wieder gab es nur dich und mich.
Wir trafen uns dann an der Bar, es war schon spät. Wir waren beide angetrunken aber nicht so sehr, um nicht zu wissen was wir tun, was wir tun werden und was wir tun wollen.
Deine „Freundin“ war schon weg und meine habe ich alleine nach Hause geschickt. Welch ein Glück. Dieses Prickeln der Berührungen, ganz beiläufig, immer näher, deutlicher und länger. Zufriedenheit und Gelöstheit in den Momenten in denen sich unsere Blicke treffen, verfestigen und sich zu einem Lächeln formen.
Und dann, der erste Kuss. Vorsichtig, zart, diese Lippen, groß, weich sanft, auf meinen. Wir umschließen uns und versinken ineinander. Solch eine Zartheit, soviel Gefühl und langsam wird es mehr. Wir öffnen die Augen und sehen uns. Es ist unbeschreiblich, ein Verlangen nach mehr, mehr Küssen, mehr von dir, mehr Berührung, mehr Nähe ein Mehr von dir und mir. Du schiebst mich gegen eine Wand, wir schließen unsere Augen und ergeben uns erneut unseren Lippen. Sie können nicht ohne einander. Meine Hände an deinen Schultern, deine in meinem Nacken, die andere an meiner Wange, durch mein Haar. Ich fühle, wie es uns warm wird, näher geht schon nicht mehr, aber zarter und weicher, streichelnd.
Selbst als wir gestört werden und nach Hause müssen, wir weichen nicht mehr voneinander. Wir gehen zu einem Freund und werden diese Nacht nicht enden lassen. Schon die Fahrt über finden sich unsere Hände, Arme, Lippen immer wieder. Das Kopfschütteln unseres Freundes interessiert nicht. Wir sehen nur uns, nur diese eine Chance.
Bei ihm angekommen zeigt er uns, wo wir schlafen können und wir wünschen uns allen eine gute Nacht.
Noch heute denke ich an diese Nacht zurück, wenn es mir schlecht geht, wenn ich mich nach Liebe sehne und wenn ich zurückblicke und dankbar bin, diese Gefühle erlebt zu haben.
Wir waren so unbeschwert. Berührten uns so selbstverständlich, fühlten, was der andere wollte. Genossen diesen Wunsch nach mehr und gaben uns einander hin. Bis zum Äußersten sind wir nicht gegangen aber bis zum Äußersten unserer Gefühle - zumindest für diesen Moment, denn wir haben uns geöffnet.
Dieses gegenseitige Bedürfnis nach mehr Küssen, Berührungen, Körper, Nähe und Wärme, nach Schweiß, nach einem Lächeln, geschlossenen Augen und absoluter Geborgenheit, wie es enger nicht geht, haben wir zugelassen. Es war nicht der Alkohol, der hat uns vielleicht mehr Vertrauen geschenkt. Es war einfach der richtige, der eine Moment. Wir waren so froh, so glücklich, so überwältigt, wir redeten darüber und konnten es nicht fassen, das Gleiche zu fühlen, diese Gefühle erfüllen zu können.
Nur diese eine Nacht. Du und ich und unsere Körper ineinander verschlungen.
Ich wusste gar nicht, dass man seine Glieder so verknoten kann. Du warst so schön, so natürlich, so fein, so männlich. Ich wollte dich überall und du warst überall. Dieser Drang nicht voneinander lassen zu können, keine Sekunde. Wir schliefen nicht, wir konnten nicht. Wir wussten, wir konnten die Zeit nicht anhalten, immer wenn wir uns in die Augen schauten, wussten wir, dass die Zeit weiterläuft und umso mehr gaben wir uns einander hin.
Die Vernunft hat uns am Morgen eingeholt. Ein zweites Mal wird es dies nicht geben. Unser Leben kehrte so schnell zurück, deine Doch-Freundin, meine Ich-will-keine-Affäre-sein und unsere getrennten Leben, Wohnorte, Freunde, Arbeitsplätze, Zeiträume, Welten.
Rote Lippen hatte ich noch zwei Tage. Das Lächeln auf meinen Lippen habe ich immer dann, wenn ich an unsere Nacht denke.





Kommentare
Es ist schön auf die ersten Schreibversuche Rückmeldungen zu bekommen. Danke.
28.12.2007, 16:29 von Svealinwunderschön! hab gänsehaut bekommen...
20.12.2007, 11:32 von efke=) toll beschrieben, der Text hört sich unglaublich weich an
19.12.2007, 12:02 von Eile