alwaysthinking 30.11.-0001, 00:00 Uhr 8 6

Nie wieder nur Randnotiz

Dieses nicht-mehr-warten und nicht-mehr-hoffen dürfen.Dieses ewige Vermissen ohne vermisst zu werden.Dieses stark-sein-müssen, aber nicht können.

Beim letzten Mal habe ich geschworen, nie wieder für jemanden die Nummer zwei sein zu werden. Es sollte das letzte Mal gewesen sein, dass ich mich auf eine derartig verachtende und verletzende Weise von jemandem behandeln ließ. Nie wieder wollte ich diesen durchgehenden Schmerz, der unter keinen Umständen verdrängt oder missachtet werden konnte, jede einzelne Sekunde in jeder einzelnen Zelle meines Körpers fühlen.

Diese Leere nach dem wochenlangen Hoffen und harten Kämpfen und dem darauffolgenden brutalen Aufprall. Diese pechschwarze Dunkelheit. Diese unvermeidbaren depressiven Anfälle. Dieses nicht-mehr-warten und nicht-mehr-hoffen dürfen. Dieses Vermissen ohne vermisst zu werden. Dieses stark-sein-müssen, aber nicht können. Nicht mehr.

Ich wollte nie wieder für jemanden nur die Randnotiz sein, nie wieder ein unwichtiger Einschub, der meist nur überlesen oder sofort wieder vergessen wird. Zu viele Stunden wurden vergeudet, zu viele Gefühle verschwendet, zu viele Tränen waren geflossen. Ich nahm mir fest vor, nie wieder um jemanden zu kämpfen, dem ich der Kampf nicht auch hundertprozentig wert bin. Nie wieder. Nie, nie, nie wieder.

Überraschend gut hat er funktioniert, mein Vorsatz. Ein halbes Jahr lang gelang es mir, niemanden mehr an mich ranzulassen und mich auf mich selbst zu konzentrieren. Ich war auf der Suche nach nichts. Oder nach allem.

Dann kamst du. Du bist so liebenswert, von Anfang an bist  du so besonders gewesen. Du hast mir wirklich das Gefühl gegeben etwas Besonderes zu sein. Das zerbrochene etwas in mir war gerade auf dem besten Weg der Besserung. Doch irgendetwas hat sich verändert. Bist du es? Oder ist es die Zeit? Ich weiß nicht, ob es einfach nur der falsche Zeitpunkt ist, an dem wir uns kennengelernt haben, ob du einfach nur zu viel um die Ohren hast. Oder ob du kurz gesagt das Interesse verlierst.

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Soll ich um dich kämpfen oder loslassen? Kann denn noch kämpfen? Will ich es überhaupt? In mir ist diese Angst; diese Angst, dass alles wieder von vorne beginnt. Dass ich jemandem, dem ich verfallen bin, nachlaufe, um ihn kämpfen will, bereit bin mich zu öffnen und gleichzeitig alles für ihn geben würde. Und dass ich danach erneut aufpralle und diese unendlichen Schmerzen dieses Mal nicht mehr so „einfach“ überstehen werde. Ich will nicht wieder zerbrechen.

Alles, was ich sagen kann, ist, dass du es auf alle Fälle wert wärst, ich es aber nicht schaffen werde. Ich kann mich nicht mehr aufopfern. Nicht, wenn ich nicht hunderprozentig weiß,dass du das auch willst; dass auch wirklich nur mich willst.

Ich kann dir nur versprechen, dass ich warten werde, auf dich. Wenn dir plötzlich wieder einfällt, dass du mich doch willst, dass ich es doch wert bin, dann werde ich hier sein. Garantiert. Es kann zwar sein, dass mich die Eifersucht bis dahin fast erwürgt, die Sehnsucht mich halb umbringt, aber  - ich werde da sein.

Ich warte. Auf dich.

 

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Kommentare

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  • 0

    Vielleicht sollte die Protagonistin mal ernsthaft mit der Flamme drüber reden. Reden hilft. Wenn das Gegenüber dann sagt, dass es nicht das Gleiche empfindet, mag das anfangs schmerzen, aber dann weiß man, woran man ist.

    13.08.2012, 12:00 von Bender018
    • 0



      Ich fürchte sie weiss es nur allzu gut ... doch wenn man die Wahl hat
      zwischen lieben und dabei Leiden oder gefühlsmäßig zu sterben .. nun ja,
      schwierige Wahl. Hier hat das Herz gesiegt über den rebellierenden
      Verstand. Lieber ein liebendes Herz als ein kaltes Herz.
      Die Kunst liegt natürlich darin, die Alternative zu diesen beiden als
      alternativlos erscheinenden Wahlmöglichkeiten zu finden, nämlich ein
      liebendes Herz, das genauso vom Partner geliebt wird.




      13.08.2012, 12:23 von Cyro
    • 0

      Es gibt nichts Schlimmeres, als in der Luft zu hängen. Und gerade die bereits durchlebte Enttäuschung macht vorsichtig.
      Mir erscheint, die Protagonistin hat genug Verstand, dass sie sich ihr Herz fassen und für klare Verhältnisse sorgen sollte.
      Abwarten und hoffen, dass das Gegenüber Zeichen gibt, macht meiner Erfahrung her mehr kaputt, als sich einmal zu trauen, seine Bedenken zu äußern.

      13.08.2012, 12:29 von Bender018
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      Wir recht ihr doch habt. in der Luft zu hängen ist grausam, wissen wir wohl alle.
      Aber das schöne an diesem "Schweben" ist, dass da wenigstens immer noch ein kleiner Platz für Hoffnung ist. Und das ist wahrscheinlich der Grund, warum's so schwer fällt, für klare Verhältnisse zu sorgen.
      Ich persönlich hab Angst vor der Realtiät und vorm Fallen nach dem Schweben. Da häng ich lieber noch ein bisschen. auf dauer wird's nicht funktionieren, soviel ist klar, demnächst muss ich das ganze mal aufklären; aber für minimale Zeit will ich noch hoffen und daran glauben dürfen. auf wenn's einen kaputt macht.

      13.08.2012, 12:55 von alwaysthinking
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      Viel Glück! :)

      13.08.2012, 12:58 von Bender018
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      Ja, natürlich hast Du recht, Bender, es ist besser Dinge zu klären, lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Und doch handelt man, handle ich, auch irrational, wenn Gefühle im Spiel sind.  Im Moment bin ich etwas Gefühlsduselig, aber da es meiner Meinung nach hier zum Thema passt ... wer ist schon gern allein und landet auf dem Boden der Realität ... (heute hab ich’s mit der Musik, sorry)


      13.08.2012, 13:06 von Cyro
    • 1

      Ich will nur zu bedenken geben, dass es wichtig ist irgendwann den Absprung zu schaffen. Wie gesagt, meine persönliche Erfahrung hat mich einiges gelehrt. Ich habe geliebt, geschwärmt und bin oft auf die Nase gefallen. Aber als es mir so richtig wichtig erschien, weil ich wusste, dass ich diesen einen für mich gefunden habe, bin ich über meinen Schatten gesprungen, hab mich ihm offenbart und wurde dafür mit einer wunderbaren Beziehung belohnt.
      Wäre es anders gelaufen, wäre ich zwar unendlich traurig gewesen, hätte meine Hoffnung jedoch nicht länger an jemanden verschwendet, der meine Liebe nicht wert ist.

      Das ist ein trauriges Lied. Ich musste eher an dieses denken.

      13.08.2012, 13:16 von Bender018
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  • 5

    Immer öfter halte ich das Konzept der arrangierten Ehe als Heilmittel gegen solche absolut zeit -  und energieverschwenderischen Liebesdramen.

    Das Leben ist doch viel zu kurz !!!

    12.08.2012, 12:02 von cosmokatze
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