tiggers.honey 30.11.-0001, 00:00 Uhr 5 17

Nichtwissen

Im Verdrängen sind wir beide gut, um genau zu sein, wir sind darin meisterhaft. Also warum sollten wir etwas aufgeben, in dem wir meisterhaft sind?

Das Zusammensein mit dir ist wie silbener Tequila:
Im ersten Moment brennt es im Mund, danach im Hals und schließlich im Bauch, bis es durch den Biss in eine Zitrone wie durch einen sauren Kuss gelöscht wird, der einen wunderbaren salzig-sauren Geschmack im Mund und das große Verlangen nach mehr im Kopf zurücklässt.

Und trotzdem tun wir bei jeder öffentlichen Begegnung so, als wäre da nichts zwischen uns.
Wir wahren den Schein wegen den Anderen, reden wir uns ein, um uns nicht eingestehen zu müssen, dass uns die Anderen eigentlich ziemlich egal sind.
Wir reden uns das ein, damit wir nicht das Gespräch führen müssen vor dessen Ausgang wir uns beide fürchten. Niemand von uns beiden will verantwortlich dafür sein, dass das zerstört wird, was  wir uns in der letzten Zeit zusammengebastelt haben. Diese Bastelei als „Traum“ oder „Welt“ zu bezeichnen wäre übertrieben. Es ist einfach etwas, in dem wir unbesorgt sind und das Gefühl haben wichtig und glücklich zu sein.
Wir beide fürchten uns davor diesen Ort mit schweren Brocken von Wörtern einzuschlagen und die wohlige Wärme darin unwiederbringlich zu zerstören. Wir wollen nicht mit einer womöglich hässlichen, zerstörenden Wahrheit konfrontiert werden, die schmerzt und außer Tränen, Wut und Klarheit nichts bringt. Wir beide haben unsere Erfahrungen mit dieser besonderen Art von Wahrheit gemacht und haben uns entschieden, ihr keine Chance mehr zu geben uns zu verletzen.
Die Erinnerung an sie schreckt uns ab und der Reiz, in das bekannte, schöne Örtchen Verdrängen zu flüchten und uns darin zu verschanzen, ist eindeutig viel zu groß.
Im Verdrängen sind wir beide gut, um genau zu sein, wir sind darin sogar meisterhaft. Also warum sollten wir etwas aufgeben, in dem wir meisterhaft sind? Kein normaler Mensch würde das machen, also machen wir es auch nicht.
Daher bleiben wir bei unserem Spiel, in dem jeder seine klar zugeschnittende Rolle hat, die er mit Bravour spielt.

Und wenn sich unsere Blicke immer wieder in der Menge treffen, weiß ich nicht, was du über mich denkst, genauso wenig wie du weißt ,was ich über dich denke.

Mit der Tatsache des Nichtwissens haben wir uns arrangiert.
Nichtwissen tut nicht so weh wie Wissen, da sind wir uns im Stillen einig.

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5 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Ähnliches hab ich auch schon erlebt. Der letzte Satz ist überragend. Obwohl das natürlich eigentlich auf lange Sicht unvernünftig ist.


    Allerdings macht man den anderen doch gerade deshalb was vor, weil einem anscheinend wichtig ist, was sie denken. Nicht umgekehrt...

    17.05.2013, 08:13 von Yangus
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  • 1

    1A! Genau so ist es, man könnte es nicht treffender beschreiben. Toll!

    16.05.2013, 23:18 von tonbandt
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  • 1

    Ich selbst könnte meine Situation nicht besser beschreiben. Wundervoll.

    16.05.2013, 22:46 von xx-ani
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  • 1

    das passt so...

    16.05.2013, 19:10 von naschtl
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  • 1

    uh sch... - volltreffer :-)

    16.05.2013, 19:06 von mrs.k
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