T-A 22.02.2009, 04:27 Uhr 8 6

Nichts weiter

Gar nichts

Sie standen mit dem Rücken zum Eierhäuschen mitten im Plänterwald und blickten auf die Spree. Gerade hatte er ihr erklärt, dass Fontane das Haus in seinem „Stechlin“ verewigt hatte und sie fragte sich, welches Ereignis wohl früher eintreffen würde: Dass die Menschen aufhörten Fontane zu lesen oder dass das Eierhäuschen oder das, was davon übrig geblieben war, endgültig zerfallen würde. Beides war wohl wahrscheinlicher, als dass er sie endlich küssen würde. Sie musste lächeln und hoffte, dass er es nicht bemerken würde. Fontane, Eierhäuschen, Küssen. Jeder kannte das Klischee vom Mann der in Anwesenheit einer schönen Frau zu keinem klaren Gedanken mehr fähig war - zumindest zu keinem Gedanken, der nicht etwas mit der anwesenden Frau oder Sex zu tun hatte. Irgendjemand hatte mal gesagt, Gott hätte die Männer zwar mit zwei Organen zum Denken ausgestattet, aber leider nicht mit genügend Blut, um beide Organe gleichzeitig zu benutzen. Dass es Frauen ganz ähnlich ging, schien ein wohlgehütetes Geheimnis zu sein. Wann immer sie mit ihm zusammen war, konnte sie keinen klaren Gedanken mehr zu Ende bringen. Alles lief auf Fragen hinaus, wie er wohl nackt aussehen würde, ob seine Haut sich so gut anfühlen würde, wie sie aussah, ob er gerade in ihrem Büro war, weil er eine wirklich wichtige berufliche Frage hatte oder einfach nur um in ihrer Nähe zu sein.


„Wollen wir weitergehen?“ Seine Frage kam so plötzlich und überraschend, dass sie für einen kurzen Moment befürchtete, er hätte ihre Gedanken erraten. „Nein, ich will nicht weitergehen“, wollte sie antworten „Ich will das ganze DailySoap-Programm! Ich will, dass Du mir tief in die Augen blickst und sagst, dass Du auf diesen Moment schon lange gewartet hast...“  Stattdessen sagte sie „Ja“ oder versuchte es zumindest, denn wie immer, wenn sie die Kontrolle verlor, verlor sie gleichermaßen ihre Stimme und statt einer Antwort kam nur ein Geräusch wie ein unterdrückter Rülpser aus ihrem Mund. Sie räusperte sich. „Ja“, wiederholte sie noch einmal und überließ es ihm den ersten Schritt zu tun, auch wenn er die falsche Richtung einschlug.


Als sie sich umdrehten, um wieder auf den Weg zu gelangen und sich in den Tross aus Spaziergängern und Joggern einzufädeln, bemerkte sie, dass es dunkler geworden war. Panik überrumpelte sie. Er hatte gesagt, er wäre am Abend noch verabredet. Nun waren sie seit über drei Stunden allein, zum ersten Mal außerhalb des Büros und nichts war passiert. Sie hatten geredet, gelacht, Enten beobachtet, über andere Spaziergänger gelästert, aber nichts deutete an, dass es mehr Gründe für ihn gab, hier zu sein, als einfach nur zu reden. Der Spreepark zog an ihnen vorbei und mit ihm die Hoffnung, dass die Natur am Ende doch stärker ist. Der Anblick von Eisenbahnwagons und umgekippten Plastik-Dinosauriern, die von Efeu überwuchert wurden, beruhigte sie. „Wenn ich mal groß bin,“ versuchte sie das Gespräch wieder in Gang zu bringen, „kaufe ich das Gelände und mache einen Freizeitpark ohne Achterbahn und Pommes daraus.“ Er blieb stehen und lächelte sie an. „ Es gäbe überhaupt keine Fressbuden in meinem Park. Stattdessen könnte man sich auf einer großen Wiese Decken und vollgepackte Picknickkörbe ausleihen...“ Weiter kam sie nicht. Seine Augen gruben sich tief in sie hinein, sein Gesicht kam immer näher und für einen kurzen Moment wollte sie weglaufen. Sie fühlte seine Hände an ihrem Kinn, seinen Lippen auf den ihren, doch bevor sie die Ruhe zurück erlangte, den Augenblick genießen zu können, durchzog ein beißender Schmerz ihren gesamten Körper. Ihr erster Kuss war vorbei, bevor er begonnen hatte. Eine unglaubliche Kraft schien sie die Länge zu zerren und gleichzeitig zerquetschen, lang und dünn machen zu wollen. Sie schrie auf, wollte die Augen öffnen, spürte wie er sie fest an sich drückte. Der Schmerz wurde qualvoller, erreichte auch die letzte Faser ihres Körpers und dehnte sich in Unendlichkeit. Das letzte, was sie wahrnahm, war, dass auch er schrie. Dann verlor sie das Bewusstsein.

...

„Wo sind wir?“, fragte sie ohne Hoffnung, dass er eine Antwort wüsste.
Der Schmerz hatte sie verlassen. Sie blickte sich um. Nichts als weiß umgab sie. Weiße Unendlichkeit wohin sie auch schaute. Selbst der Boden war weiß. Kalt und glatt wie Marmor und trotzdem weich und nachgiebig wie Gummi.
„Ich hab‘ keine Ahnung.“ Er stand auf, reckte und lockerte sich, als hätte er stundenlang in einer unbequemen Haltung geschlafen. Dann reichte er ihr die Hand, zog sie ebenfalls hoch und lies sie von da an nicht mehr los. Sie liefen ohne sich bewusst für eine Richtung zu entscheiden, Hand in Hand, immer um sich schauend, auf der Suche nach einem Horizont, der nirgends zu entdecken war. Sie liefen und liefen, änderten Richtung und Tempo, aber für ihre Augen änderte sich nichts.
„Ich kann nicht mehr“, sagte sie und lies sich, ohne seine Hand los zu lassen, fallen.
„Hast Du Hunger?“
„Nein. Kein‘ Hunger. Kein‘ Durst. Nur müde.“
„Dann schlaf ein bisschen. Ich pass auf.“
Das helle Licht, von welcher Quelle es auch immer kommen mochte, brannte noch auf ihrer Netzhaut, als sie die Augen längst geschlossen hatte. Doch die Müdigkeit hatte Erbarmen mit ihr und ließ sie augenblicklich einschlafen.

Es gab nichts zum Anlehnen. Also zog er die Knie an seinen Körper und schloss die Arme darum. Der Schmerz, der vor der Dunkelheit kam, kroch noch immer als leises Echo durch seinen Körper. Er spürte die Müdigkeit in sich aufsteigen, doch ihr Anblick, so klein und zerbrechlich, ließ in wach bleiben. Sie war ihm vom ersten Moment an so groß und stark erschienen. Als könne nichts sie aus der Bahn werfen, als hätte sie immer alles und jeden unter Kontrolle. Es hatte ihn gleichermaßen fasziniert wie es ihm Angst gemacht hatte. Vorhin im Wald - wie lange mochte es wohl her sein - hatte er all seinen Mut zusammen nehmen müssen, um sie zu küssen. Er hatte damit gerechnet, dass sie ihn auslachen würde, hatte sich auf einen coolen Spruch vorbereitet. Auf das hier war er nicht vorbereitet. Sie waren Stunden gelaufen, hatten weiter geredet, als wären sie noch im Wald, Hand in Hand. Aber mit den Augen hatten sie beide die Weite abgesucht, in der Hoffnung endlich etwas zu entdecken in diesem endlosen Weiß. Irgendeinen Hinweis darauf, wo sie waren und wie sie diesen Ort, der keine Grenzen zu haben schien, wieder verlassen konnten. Er hatte ihre Angst gespürt, ihren Griff, der mit jedem sinnlosen Schritt fester wurde. Und auf einmal erschien sie ihm nicht mehr so stark wie in den Wochen davor. Er schämte sich ein wenig dafür, wie froh er war, wie schön er es empfand, sie schwach zu sehen. Seine Faszination an ihr lies nicht nach, aber da wo er vorher die Herausforderung gesehen hatte, entdeckte er mehr und mehr zärtliche Gefühle für sie.

...

Sie öffnete die Augen und erblickte sein schlafendes Gesicht. Glück durchströmte ihre Adern. Doch dann wurde sie sich dem weißem Nichts um seinen Körper herum gewahr und mit ihm drang die Kälte und Angst in ihr Bewusstsein zurück. Sie kroch näher an ihn heran, kroch in seine Arme, schmiegte ihren Kopf an seine Brust, um nicht sehen zu müssen. Er erwachte und zog sie an sich, streichelte ihren Rücken und küsste sie auf die Stirn. Aus zärtlichen Berührungen und der Suche nach Nähe und Geborgenheit wurde Verlangen und Ekstase, bis ihre nackten, glühenden Körper schließlich noch immer bebend ineinander verschlungen erschöpft zusammensanken.

...

„Wir leben in einem Klischee“, sagte sie, als sie nach vielen Malen erneut erwachte. Tage, Wochen mochten vergangen sein. Sie liefen, wann immer sie die Kraft dafür hatten. Ohne Orientierung, ohne Ziel und ohne zu wissen, ob es nicht doch am Ende nur ein Kreis war. Sie redeten, erzählten sich von vergangenen Tagen, die lustigen und die traurigen Geschichten. Sie öffneten ihre Seelen, als alle Anekdoten erzählt waren. Wenn sie müde wurden, legten sie sich an Ort und Stelle hin und schliefen eng umschlungen, bis sie wieder erwachten. Sie liebten sich, ohne dass ihnen die helle endlose Weite das Gefühl der Geborgenheit rauben konnte.
„Wie leben in einem Klischee“, wiederholte sie, als er nicht reagierte. „Wir leben von Luft und Liebe. Wir haben nie Hunger oder Durst. Wir haben nur uns.“ Er schwieg und ergänzte insgeheim: „Wir haben nur uns... und das Nichts.“ Und mit einem Mal wurde ihm klar, dass das helle unendliche Weiß ihm von Tag zu Tag dunkler erschien. Er versuchte in ihrem Blick zu ergründen, ob es ihr ähnlich ging. Doch obwohl er mittlerweile keine Frau auf der Welt so gut kannte wie sie, fand er in ihren Augen kein Zeichen, ob sie glücklich war über dieses Klischee oder ob es ihr ebenso schwer auf der Brust lag wie ihm. Sie redeten kaum über die Welt, in der sie gefangen waren. Sie redeten über die Zeit davor, ohne zu erwähnen, was sie vermissten, schöpften aus den wenigen gemeinsamen Erinnerungen, lernten sich kennen und lieben. Aber nie redeten sie über sich, nie über das Hier und Jetzt, nie über das Morgen. Sie schmiedeten keine Pläne. Und keiner von ihnen sagte, dass er glücklich sei, auch wenn es diese Momente gab, auch wenn sie immer seltener und kostbarer wurden.

...

„Was ist?“
„Ich weiß nicht“, hauchte sie und versuchte ihrer Stimme Kraft zu geben. „Ich hab das Gefühl, Du schläfst nur noch mit mir, weil Dir langweilig ist.“ Er glitt aus ihrem Körper, drehte sich auf den Rücken und bedeckte seine Augen mit seinem rechten Unterarm.
„Was möchtest Du denn tun?“
„Wir könnten mal wieder reden. So wie früher.“ Er stützte seinen Oberkörper auf.
„Worüber möchtest Du bitte reden, hä?“ Seine Stimme wurde laut. „Worüber? Sag‘s mir bitte! Ich weiß alles von Dir. Ich kenne jede gottverdammte Geschichte aus Deinem Leben. Ich kenne Deine Meinung zu allen Themen, die sich zu diskutieren lohnen. Also worüber möchtest Du bitte schön reden? Über die schöne Aussicht?“ Die letzten Worte schossen eiskalt und bedrohlich aus seinem Mund und klatschten in ihr erschrockenes Gesicht.
„Hör auf so sarkastisch zu sein“, erwiderte sie mehr flehend als fordernd. „Für mich ist es auch nicht einfach. Das hier alles.“ Und sie machte eine ausladende Geste um sich herum, als wüsste er nicht, was sie meinen könnte. „Aber wir haben immerhin noch uns.“
„Uns? Was soll das sein?“ Seine Wut zwang ihn aufzustehen, auf und ab zu laufen. „Uns? Nur Uns! Luft und Liebe! Mehr nicht. Du hast es damals selbst gesagt. Aber von der Luft, die atme, weiß ich wenigstens mit Sicherheit, dass es welche ist.“
„Wenn es Dir so unerträglich mit mir ist, dann geh doch!“ Er sah die Tränen in ihren Augen,
aber sie halfen ihm nicht, sich zu beruhigen oder seine Gefühle für sie wieder zu finden. Er hob seine Sachen auf, zog sich ohne ein weiteres Wort an und ging. Er lief wahllos in eine Richtung, drehte sich nicht um, auch wenn er ihren flehenden Blick in seinem Rücken spürte. Die Wut und Verzweiflung trieb ihn weiter ins Nichts, weit weg von ihr und erst als er sich sicher sein konnte, dass er in ihren Augen nur noch ein kleiner Punkt war, blieb er stehen. Er konnte sehen, dass sie noch da war, aber ihr Bild war zu klein, um zu sehen, was sie tat. Die Ruhe holte ihn ein und lies seinen gehetzten Atem langsamer werden. Er wollte nicht zurück und trotzdem hielt sein Blick sie in Schach, um sie ja nicht aus den Augen zu verlieren.

...

„Es tut mir leid.“
„Mir tut es leid.“
„Lass mich nie wieder allein.“
Ihre Worte überschlugen sich, wie die Bewegungen, die sie vollführen, um die ersehnte Nähe wieder spüren zu können. Ihre Küsse waren hastig, als hätten sie keine Zeit. Sie lösten sich nur kurz aus ihrer Umarmung, um sich dem Stoff, der sie trennte, zu entledigen. Dann gaben sie sich einander und der Illusion hin, dass alles gut sei, alles wieder gut werden würde. Sie liebten sich und redeten miteinander. Nicht über sich. Nicht über das Gewesene. Sie erfanden Geschichten und kleine Spiele. Einmal musste er sogar lachen, als sie vorschlug, „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ zu spielen. Doch das Lachen versiegte viel zu schnell, weil ihnen bewusst wurde, dass sie sich beide nicht mehr an ihr letztes Lachen erinnern konnten.

...

„Ich bin schwanger.“
„Was?“
„Ich bin schwanger.“
„Woher willst Du das wissen?“
„Ich spüre es.“ Sie spürte es bereits seit einer Weile. Anfangs hatte sie es für eine Illusion gehalten. Wie sollte sie in einer Welt, in der die Zeit still zu stehen schien, in der man niemals Hunger oder Durst verspürte, in der sie noch nicht einmal blutete, schwanger werden? Aber dann hatte sie sein Gesicht beim Schlafen betrachtet und mit einem Male war ihr aufgefallen, das er älter geworden war. Tage später entdeckte sie ein graues Haar auf seinem Kopf und mit ihm die Gewissheit, dass ihr Gefühl sie nicht getäuscht hatte.
„Ich bin mir sicher!“, sagte sie und unterdrückte die Frage, ob er sich freue.
„Was machen wir jetzt?“, fragte er noch immer nicht ganz überzeugt, aber wohl wissend, dass sie keine Wahl hätten, wenn es wahr wäre. Sie zuckte nur mit den Schultern.
„Ich nehm‘ eine Auszeit, ok?“ Auszeiten, das hatten sie nach dem letzten großen Streit verabredet, konnte jeder nehmen, wenn es ihm zu viel wurde, wenn er Zeit zum Nachdenken und für sich brauchte. Dann trennten sie sich, gingen auf Abstand, aber nur soweit, dass sie sich immer noch gut sehen konnten. Nur der, der die Auszeit genommen hatte, konnte sie auch wieder beenden, während der andere - auch das war Teil der Verabredung - nicht sauer sein durfte. Sie lief ein paar Schritte, legte sich auf den Rücken und klappte ihre nackten Fusssohlen aneinander, wie sie es immer tat, wenn sie sich und ihren Körper nicht mehr spürte. Wenn sie Angst hatte, sich in Luft aufzulösen und alles ihr entglitt. Tränen rannen über ihr Gesicht. Die Verzweiflung frass sie auf und sie hätte so gern geschrieen, wenn er sie nicht hätte hören können. Mit dem Wunsch zu schreien, stiegen die Erinnerungen an ihren ersten Kuss in ihr auf und mit ihnen, all die Phantasien und Träume, die sie hatte, als sie noch heimlich liebte und die sich nun nie erfüllen würden.

...

„Selbst wenn wir aus unseren Kleider einen Strick basteln würden, hätten wir nichts an dem wir ihn festbinden und uns erhängen könnten“, sagte sie unvermittelt in die Stille hinein. Sie sprachen nur noch selten, weil es selten etwas zu sagen gab. Das Laufen hatten sie schon vor einiger Zeit aufgegeben, auch wenn es ihr körperlicher Zustand noch erlaubt hätte. Doch irgendwann waren sie, nachdem sie aufgewacht waren, einfach nicht mehr weitergelaufen, ohne dass sie es verabreden mussten. Sie vertraten sich nur noch die Beine, liefen um den anderen im Kreis, bis sie auch dessen müde wurden.
„Wir können hier nur sitzen und auf den Tod warten“, sprach sie weiter. Er war überrascht, dass ihre Gedanken den seinen so ähnlich waren. Sie hatte ebenso aufgegeben wie er, aber insgeheim hatte er gehofft, dass sie durch die Schwangerschaft neuen Mut fassen und ihre alte Stärke entwickeln würde.
„Du musst an das Kind denken.“
„Das Kind? Was für ein Mensch soll das werden? Das einzige, was wir ihm beibringen können, ist das Laufen. Und dann werden wir sterben und es hier allein zurück lassen. Es ist schon jetzt zum Wahnsinn verurteilt. Es wird schon in der Hölle sein, bevor es stirbt. Ich will nicht mehr. Ich will dieses Kind nicht bekommen. Ich will, dass das alles hier endlich vorbei ist. Ich will sterben, aber selbst das können wir nicht.“ Ihre letzten Worte zerbrachen unter ihren Tränen.

...

Er beobachtete, wie sich ihre Brust hob und senkte. Sie lag nackt vor ihm und schlief den seligen Schlaf, der gerade geliebten, der ihr so selten vergönnt war. Er spürte die Müdigkeit in sich aufsteigen, doch ihr Anblick, so klein und zerbrechlich, ließ in wach bleiben. Mit seiner Hand strich er ihr vorsichtig eine Haarsträhne aus dem Gesicht, saugte ihr Bild in sich auf, so intensiv, wie er sie vor einigen Momenten noch geliebt hatte. Mit Haut und Haaren, jede Sekunde auskostend. Er erinnerte sich an ihren ersten Kuss, damals im Wald. Erinnerte sich an die vielen Momente davor, in denen er sie schon küssen wollte, aber der Mut ihn jedes Mal verlassen hatte. Er dachte an die Träume und Phantasien, die er hatte, als er noch heimlich liebte und die sich nun nie erfüllen würden. Wie lange hatte er ihr Gesicht schon nicht mehr so zufrieden gesehen, wie in diesem Moment. Ihm war klar, dass das hier das Ende war. Für sie wie für ihn. Er strich über ihre Wange, schluckte seinen Schmerz hinunter und legte seine Hände um ihren Hals. Sie öffnete ihre Augen, als er begann zuzudrücken. Aber er sah in ihnen keine Angst oder Panik, nur tiefe Dankbarkeit und unendliche Liebe. Dann schlossen sie sich wieder und ihr Körper entspannte sich. Erst Minuten später löste er seine Hände von ihrem Hals. Er strich ihr ein letztes Mal über die Wange, küsste ihre Stirn, erhob sich und begann zu laufen. Diesmal würde er sich auch dann nicht umdrehen, wenn sie nur noch ein kleiner Punkt in weiter Ferne war.

6

Diesen Text mochten auch

8 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    lang ist es, aber nich anstrengend!
    ich mags!

    24.03.2009, 20:12 von IamTheMovie
    • Kommentar schreiben
  • 0

    vielleicht hat mich dieser text im richtigen moment erwischt, aber:

    1. ich finde ihn absolut nicht anstrengend zu lesen
    und
    2. empfinde ich das, was hier als längen "beanstandet" wird, nicht im üblichen sinne als solche, sondern als angemessene übertragung der stimmung. die zwei personen werden von der weißen leere praktisch erdrückt. sie leben im nichts. und nichts sollte sich so sehr ziehen wie das nichts.

    18.03.2009, 10:06 von AnnaEcke
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Woah. Überraschend. Ich bin von einer ganz anderen Geschichte ausgegangen, nach den ersten Zeilen...
    Aber gut.

    10.03.2009, 21:38 von pirlie
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    alles für sich gut geschrieben, nachvollziebar, aber es gibt einige längen, da fehlt manchmal noch der zug im text.

    22.02.2009, 20:04 von MisterGambit
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
14. Mai 2012

NEON-Apps für iOS und Android

Neueste Artikel-Kommentare