karl2014 29.11.2014, 20:29 Uhr 0 0

Neuanfang

Von der Seele...

Es ist ein Freitag. Ich bin in Berlin und besuche einen guten Freund. Wir haben viel über alte Zeiten, unser Leben und unauslöschliche Anekdoten geplaudert. Währenddessen tranken wir reichlich und ließen uns einfach gehen. Beide von uns waren satt und wir machten uns Luft von all den Erfahrungen, die wir bisher mit Frauen machten. Im Gegensatz zu den Liebschaften, die einen bis heute fesseln, unverbindlichen wilden Sexabenteuern und den wenigen Frauen, die mehr als nur Zeitvertreib waren, bist Du noch immer so präsent in meinem Kopf, als hätten wir erst vor einer Stunde noch miteinander telefoniert. Dabei steht zwischen uns seit Monaten das Eis, welches wir nie zu brechen vermochten. Du warst mir so nah. In all den Monaten, in denen wir uns trafen, schafften wir es nicht, länger als einige Minuten zu schweigen. Durch Dich fühlte ich mich verstanden. Deine Nähe öffnete mir eine neue Welt, die mich glückselig machte. Einen neuen Blickwinkel auf mich und das Leben habe ich Dir dafür zu verdanken. An dem Tag, an dem Du mir sagtest, dass Du mich magst, mich aber niemals lieben könnest, brach diese wunderbare Welt wieder zusammen. Mein robuster Charakter, der zuvor nahezu unerschütterlich war, erlebte eine zweite Pubertät. Meine eiserne Disziplin wich einer Halbstarkenphase, in der ich versuchte ein zweites Studentenleben zu leben. Gefühlt war diese Zeit wie ein Auswuchs von 68ern in einer Gemeinschaft von Juppies, die alles andere als alternativ-sozial ihr Großstadtleben im Deutschland der 2010er auf der Suche nach einem Ziel durchlitten. Ob Du mich noch vor Dir siehst, wenn Du Deine Augen schließt, kann ich mir nur wünschen. Die Realität, so glaube ich, verkläre ich allein bei diesem Gedanken.  Ich weiß noch immer ganz genau, wie das blaue in der Iris Deiner Augen von oben nach unten langsam ins Grüne übergeht. Deine wenigen Sommersprossen und Muttermale in Deinem Gesicht an , die Deine zarten Gesichtszüge betonen, sind unauslöschlich für mich. Wir ziehen durch die nächtlichen Straßen und Bars und tauchen ab in einer nebulösen Welt. Dieses gewisse Berlin-Gefühl, das Menschen aus aller Welt seit den Zeiten des kalten Krieges bewahren und gemeinsam zelebrieren. Die Uhr zeigt schon 0.20 Uhr an. Wir treffen uns in einer Bar, in der nur wenige weltmännische Hipster unterwegs sind. Der DJ spielt Seelenheiler. Größen der 90er Jahre schmeicheln den Trommelfellen und erzeugen eine altbekannte heile Welt. Ich bestelle mir einen Vodka Red Bull. Bier hatte ich bereits viel zu viel. Dein Blick in meine Augen wirkt aufgeschreckt. Ein Reh auf der Landstraße, welches im Lichtkegel eines Xenon-Scheinwerfers steht, würde gefasster wirken. Doch der Moment bannt uns beide gleichermaßen. Nach belanglosen Worten zur Begrüßung spüre ich plötzlich wieder dieses Gefühl, das mein gesamtes Universum zu kippen droht. Du wohnst noch noch immer nur zwei Kilometer weit von meiner Wohnung entfernt. Doch hier treffen wir uns in fremdem Gebiet. Ich überlege, ob Du wohl das erste mal in dieser Stadt unterwegs bist. Als Du mein Universum warst, kanntest Du diese Welt aus Nebelschwaden noch nicht. Diese Welt war mir seit Jahren entgegengewachsen und faszinierte mich. Wenn Du damals nur gewollt hättest, würdest Du bereits jeden Winkel dieser aufregenden Welt kennen. Wir beide stehen an der Theke, starren uns an, aber sprechen kein Wort. Unser beider Losgelöstheit aus unserem Alltag bringt uns dazu, dass wir uns statt zu reden gleich in unseren Armen verschlingen. Der Duft an Deinem Hals zieht direkt in meinen Kortex und bringt all die verdrängten Gefühle wieder zu Tage. Durch Deine kompromisslos ehrliche Umarmung bin ich wieder zurück in der glückseligen Welt und merke, dass diese Welt nun niemals wieder verloren gehen kann.

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