kuestenkind11 30.11.-0001, 00:00 Uhr 5 8

Nasenküsse

Denn Nasenküsse schmecken gut. Nasenküsse gehn ins Blut.

Passend im Takt zu „She moves in her own way“ wippe ich mit dem Fuß gegen das Tischbein. Auf meinem anderen Bein sitze ich, die Ellbogen auf den Tisch gestützt, in meinen Händen halte ich meinen Kopf. So sitze ich auf unserem Sofa in der Küche, denn von hier hat man den besten Blick auf die Tür. Ich schaue auf mein Handydisplay. Genau seit elf Minuten sitze ich schon so hier. Hatte extra die Wohnung aufgeräumt und geputzt, weil du immer meckerst wenn du irgendwo Staub siehst.

Ich höre, wie sich der Schlüssel im Schloss umdreht und mein Fuß wippt jetzt viel schneller, jetzt außer Takt, gegen das Tischbein. Ich kann das Rascheln hören, wie du im Flur deine Jacke und Tasche ablegst. In diesem Moment habe ich nur Augen für die Türklinke. Und nun bewegt sie sich endlich. Du drückst sie von der anderen Seite nach unten und machst die Tür auf. Da stehst du nun, lässig im Türrahmen gelehnt. Du wärst nicht du, wenn du einfach wie jeder normale Mensch laut „Hallo“ gerufen hättest und mich in deine Arme geschlossen hättest.

Ich versuche, dir so gut es geht standzuhalten. Mein Kopf ist noch immer in meine Hände gestützt, aber jetzt kaue ich nicht mehr nervös auf meiner Unterlippe herum, sondern muss breit grinsen.
Mein Blick schweift von oben nach unten an dir herab. Und nochmal. Und nochmal. Deine Haare sind noch immer so voll, wie ich sie in Erinnerung hatte. Und noch immer trägst du sie verwuschelt ins Gesicht, in der Hoffnung, dass man deine kaum vorhandenen Geheimratsecken nicht sieht. Was habt ihr Männer nur mit Geheimratsecken? Die kriegt doch jeder irgendwann mal. Früher oder später. Dafür habt ihr kein schwächer werdendes Bindegewebe oder nach einer Schwangerschaft eine Schuhgröße mehr.

Meine Augen wandern langsam weiter an dir nach unten. Noch immer siehst du mich mit dem gleichen Blick an. Ich kann nicht in Worte fassen, was ihm innewohnt, aber er haut mich jedes Mal von Neuem um. Und jedes Mal muss ich schauen, wo mir der Boden unter meinen Füßen abhandengekommen ist. Deine Fältchen unter deinen Augen sind etwas tiefer geworden, aber das zeigt nur noch mehr, wie du diesem Leben schon die Stirn, oder eben die Augen, geboten hast. Gerade fallen mir die Fältchen besonders auf, weil, als mein Blick endlich zu deinem Mund schweifen kann, du dein neckisches Schmunzeln aufgesetzt hast, dass ich so mag.

Meine Hände bilden Fäuste und ich lasse sie auf den Tisch fallen. Mein Kopf kann sich nun, vollgepumpt von all der Aufregung, endlich von allein halten. Ich hüpfe, wie ein kleines Kind an Weihnachten zu seinen Geschenken, auf dich zu. Dein Schmunzeln wird zu einem herzlichen Lachen – ich werfe dir meine Arme um den Hals und schlinge meine Beine um deine Hüften. Für dich war es immer ein Leichtes, mich hochzuheben. Ich vergrabe meinen Kopf in deinem Nacken. Dein Geruch hat sich kaum verändert, etwas holziger ist er vielleicht geworden. Du riechst nach Natur und frischem Wind. Meine Hände vergraben sich in deinen Haaren. Unsere Köpfe ruhen aneinander, mit deiner Nase streichelst du die meine. Denn Nasenküsse schmecken gut, Nasenküsse gehn‘ ins Blut.

Mit deinem Daumen fährst du die Kontur meiner Lippen entlang. Ich beiße in deinen Finger. „Au!“ Anscheinend war mein Biss ein Zeichen für dich, dass ich wieder auf meinen eigenen Beinen stehen kann. Du lässt mich nach unten, ziehst mir aus Rache an meinem Pferdeschwanz, und drückst mir den wundervollsten Kuss auf den Mund.

Da war er wieder, mein Boden.

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5 Antworten

Kommentare

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  • 0

    grade bin ich den nasenküsse-ohrwurm losgeworden...

    25.03.2015, 20:22 von phine
    • 1

      du könntest anfangen, "in der weihnachtsbäckerei" zu singen... dann ist er schnell wieder weg ;)

      25.03.2015, 20:27 von kuestenkind11
    • 0

      Gnaaaah, vom Regen in die Traufe ;)

      10.04.2015, 12:53 von phine
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