KillBillVol77 30.11.-0001, 00:00 Uhr 12 44

Nächtliches Rendez - Vous

Nachts, wenn es traurig wird.

Sophie umschloss den Filter ihrer Zigarette mit ihren trockenen Lippen. Wie ein liebloser Kuss.

Geschlossener Blick, ihre Lider zogen sich wie feste schwarze Linien auf ihrer kleinen Stirn. Das rote Glimmen zeichnete einen grauen Schatten auf ihr Gesicht. Wie ein Rahmen um ihre Sorgen und Gedanken. Der weißliche Rauch verfing sich in ihren offenen Haaren und nistete sich ein. Ich konnte es ihm nicht verübeln.

Bei jedem Zug zuckte ihre Lunge kurz auf und ihr Brustkorb ließ darauf erleichtert nach. Als würde sie träumen, atmete sie ganz ruhig und ihr Körper gab sich dem Moment hin.

Mit der Dunkelheit kam die Kälte und wie Sophie immer sagte, die Traurigkeit. Ich spürte nur die beklemmende Kühle des kommenden Herbstes. Aber ich sah Sophie, ich sah ihre Schwere.

Sie fing meinen Blick und ein kurzes Lächeln durchzuckte ihre Mundwinkel.

Als sie mich anrief, hörte ich schon, was mich wohl erwartete. Sie empfing mich mit gesenkten Blick und einem Anflug von Erleichterung. So sehr ich ihre Anwesenheit genoss, sie sog jede Berührung in sich auf. Als wäre ich nach einer langen Reise endlich wieder zu ihr zurück gekehrt. Immer reserviert, aber dankbar. 

Sie fragte mich, ob ich über Nacht bleiben könne, sie schlief seit langer Zeit nicht mehr. Ich sah ihr an, dass sie die Nächte damit verbrachte, auf ihrem zugestellten Balkon zu sitzen und die Stunden der Dunkelheit irgendwie ertrug.

Es war sinnlos, sie zu fragen, was sie plagte. Es verließ ja doch nie ihren Kopf. Also beschloss ich, zu bleiben. Da zu sein.

Sie war mir sehr dankbar.

Sie wusch sich die verkrusteten Tränen aus ihren Augenwinkeln und kämmte sich den Rauch aus ihren Haaren. ''Ich glaube, ich möchte schlafen.'' Hörte ich sie aus dem Badezimmer sagen. Als ich in das Schlafzimmer trat, lag sie eingerollt wie ein Neugeborenes zwischen ihren Bettlaken. ''Darf ich?'' Ohne eine Antwort hob sie die Decke und bat mich zu sich. Ihr Körper unterkühlt und angespannt neben meinem. Ich zog sie langsam zu mir und kontrollierte ihren Atem. Ganz ruhig, als würde sie träumen. Aber das tat sie schon lange nicht mehr.

Ein monotones Summen entwich ihrem Brustkorb, ich hielt ihren Kopf fest in meiner Hand. Sie in den Schlaf halten war alles was ich heute Nacht für sie tun konnte.

Ich machte das Licht aus und wir lauschten den unruhigen Stadtgeräuschen, die in der Stille verhallten.

Ihre Bewegungen wurden flüssiger, sie drehte sich weg und ich hörte sie träumen. Sie schlief.

Ganz leise, aber ihre Muskeln entspannten sich und aus strengen schwarzen Linien wurden kleine Halbmonde, die mit einem Schleier überzogen waren. Ich atmete aus und schlief mit ihr ein.

Sie lud mich auf einen wunderschönen Schlaf mit weiten Träumen ein. Ich stimmte mit ein. Ich konnte es mir nicht verübeln.


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12 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Wie oft kann ich maximal auf Mag ich! drücken?! Das ist ein sehr wundervoller Text!!

    12.09.2012, 01:21 von Jumelle-Roux
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  • 0

    Wunderschön, ich kann es mir perfekt bildhaft vorstellen. 

    08.09.2012, 13:09 von missbutterfly400
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  • 0

    wahnsinnig gut

    08.09.2012, 00:37 von melanjae
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  • 1

    Hammer Text. Echt schön geschrieben

    06.09.2012, 14:40 von Uebrigbleibsel
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 1

    Ich sage auch immer, dass die Nacht irgendwie Traurigkeit mit sich bringt bzw. abends alles schlimmer wird, nicht nur Erkältungen.

    06.09.2012, 09:43 von Tora
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  • 0

    Schön geschrieben, ich mag es wenn es um die detaillierte Schilderung einer Situation geht. Aber der letzte Satz macht die Geschichte auf eigentümliche Art inkonsistent. Oder ich habe ihn schlichtweg falsch verstanden.

    05.09.2012, 21:48 von srsly_improvable
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  • 0

    Ich mag den Text, aber mich stört der letzte Satz. Wieso ? Darum.

    05.09.2012, 21:30 von cosmokatze
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  • 1

    der protagonist ist  ganz schön stark!
    gefällt mir sehr

    05.09.2012, 20:52 von Gluecksaktivistin
    • 1

      Freut mich, dass das rüberkommt! Wirklich.

      06.09.2012, 22:52 von KillBillVol77
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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