Khaosprinzessin 30.11.-0001, 00:00 Uhr 13 45

Nächte, die uns trennen und verbinden

Du, ich und die große Frage nach dem, was dazwischen liegt.

Es war eine Party im Winter.
Es war meine Geburtstagsparty in einer Januarnacht, ich war betrunken und plötzlich stehst du vor mir. Nach all den Jahren, in denen wir uns kannten und uns nicht beachtet haben.
Du fragst mich nach meiner Handynummer, ich gebe sie dir, du gibst mir deine und ich sage, dass ich mich melden werde.
"Irgendwann, wahrscheinlich nie", denke ich.
Und dann ist es plötzlich April und du weißt so viel über mich.
Es ist eine warme Aprilnacht in der du mich endlich küsst und nicht mehr gehen lassen willst.
Ausgerechnet du, den ich all die Jahre nie gesehen habe.
Es wird Sommer und wir kämpfen umeinander und um uns selbst und irgendwie verlieren wir uns mehr und mehr.
Wir verlieren uns in unausgesprochenen Worten, in dieser schrecklichen Stille, die nur du versuchst, zu brechen, denn ich schweige weiter, obwohl ich schreien möchte, dass du aufhören sollst, mir Fragen zu stellen.
Es ist Oktober geworden und du sagst, dass du jetzt gehen wirst, dass du mich nicht mehr bei dir haben willst.
Zum ersten Mal willst du, dass ich gehe.
Und ich? Ich möchte bleiben, drehe mich um und gehe, in dem Wissen, dich verloren zu haben.

Und dann kommt die zweite Januarnacht, in der wir uns treffen.
Was willst du jetzt von mir?
Ich bin doch noch die Gleiche, deine Prinzessin, die dich nicht glücklich machen kannst und du bist immer noch der Mensch, den ich liebe und der mich verletzt.
Wir sind jetzt Freunde mit Vorzügen, die berühmte Freundschaft Plus Beziehung.
Und dann erleben wir die beste Zeit, die wir je zusammen hatten und ich bin glücklich und verzweifelt.
Du wirkst immer so stark und ich so zerbrechlich.
Wenn ich dich beschreiben müsste, würde ich sagen, dass du der Mensch bist, mit dem ich das "Trotzdem" erleben kann.
Trotz allem stehst du hinter mir, glaubst an mich, nimmst mich in den Arm, leihst mir deinen Pullover, wenn ich friere, feierst mit mir mein Glück und trocknest meine Tränen.
"Was willst du von mir?", frage ich dich unendliche Male.
Und du? Du schaust mich an und weißt es nicht.
Du bestimmst jetzt die Regeln in unserem Spiel, das angeblich mit Liebe nichts mehr zu tun hat. Du bestimmst, wie nah oder fern ich dir sein darf.

Und dann ist es vorbei.
Weil ich zu viel will und du zu wenig und manchmal ist es umgekehrt.
Ich kann mit niemandem sprechen, weil das niemand verstehen wird.
Ich verstehe es, denn du bist der Mensch, der mein Leben auf den Kopf gestellt hat.
Das haben Menschen vor dir verzweifelt versucht und nicht geschafft, aber du hast mir immer das Gefühl gegeben, zu leben.
Jetzt bin ich alleine und du bist es auch.
Wie lange halten wir das beide aus?
Ohne einander, ohne den anderen, ohne das vertraute Gefühl, beim anderen zu Hause zu sein?

Dann stehst du wieder vor mir.
Ein drittes Mal, es ist eine betrunkene, laute Berliner Clubnacht und du schaust mir zu, wie ich tanze.
Und dann küsst du mich, als wäre es das aller erste Mal und du lächelst mich mit deinem "Alles ist gut"-Lächeln an.
In dieser Nacht ist mir alles egal und alles ist vergessen.
Und die Zukunft?
Die Zukunft ist offen, so, wie unsere Beziehung, die keine ist.
Du fragst mich, ob ich dich noch liebe.
Ich sage, "nein ich liebe dich nicht, aber du bist wundervoll".
Wundervoll, ja, genau das bist du, voller Wunder.
Es ist seltsam, aber es geht mir gut.
Ich würde mich gerne wieder in dich verlieben, aber dieses Mal muss es von dir kommen, das weiß ich jetzt.
Nach all den Nächten, in denen du mich verlässt und wieder vor mir stehst.
Du denkst, du machst mich kaputt.
Du machst mich nicht kaputt, manchmal lässt du mich verzweifeln, manchmal zweifel ich an dir und mir, manchmal bringst du mich um den Verstand, aber du gibst mir auch ganz viel. Ganz viel von dir und mir.
Jetzt bist du tatsächlich ein Freund mit dem ich mehr teile, als mit anderen Freunden.
Solltest du irgendwann wieder mehr wollen, dann will ich das wahrscheinlich auch.
Und bis dahin lass uns all den Schmerz vergessen, lass uns leben, lass uns zusammen Bier trinken und rauchen, lass uns zusammen einschlafen und am nächsten Morgen aufwachen und lass uns so jung sein, wie wir sind.
Ich habe aufgehört, mit dir zu hoffen und stattdessen angefangen, mit dir zu leben.
Wenn du die Liebe zurück willst, dann steh irgendwann nochmal vor mir.
In irgendeiner Nacht zwischen Winter und Sommer.
Das kannst du ja ganz gut.

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13 Antworten

Kommentare

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    Ich liebe deinen Text, es ist schon etwas länger her, da hat die Neon-Seite auf Facebook den Link zu diesem Text geteilt und ich war so fasziniert! Da habe ich zum ersten Mal einen Artikel auf dieser Seite gelesen und seitdem war ich immer öfter hier und habe mich schließlich selbst angemeldet... Vielen Dank! :)

    20.01.2016, 23:11 von edungaful
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    Kenn ich leider zuu gut.

    11.01.2016, 16:54 von DayDreamingNightThinking
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  • 1

    Es ist schon merkwürdig, wie man immer wieder das Gefühl hat, man sei der/die Einzige in einer gewissen Situation, um über einen Text zu stolpern, der uns aus dem Herzen spricht. Dankesehr für deine Worte. 

    Und du hast Recht: Sie würden es nicht verstehen, wenn wir versuchten, es zu erklären. 
    Wir sollten nur auf uns aufpassen. 
    Pass auf dich auf. 

    03.11.2015, 17:45 von liebemeer
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    Wunderschön geschrieben, gefällt mir gut!

    14.10.2015, 07:03 von Heini
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  • 1

    spricht mir aus der Seele

    13.10.2015, 23:08 von kunstartig
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    Gefällt mir sehr. Danke! 

    08.10.2015, 07:45 von Juni_im_Mai
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    Einfach zauberschön !!!

    So nenne ich meine, von Dir so treffend beschriebene Beziehung, die Dir anscheinend nicht unbekannt ist ;).

    30.09.2015, 09:15 von ElaE
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    Sehr schön ... zum Schluss irgendwie traurig und trotzdem wundervoll 

    25.09.2015, 22:33 von kuku
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  • 0

    Ui. Mit Ameisen im Bauch und Bildern im Kopf gelesen... 

    24.09.2015, 17:21 von FrauIch
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  • 2

    Weck die Liebe nicht bevor es ihr nicht selbst gefällt...

    24.09.2015, 10:41 von sailor
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