unicorna 09.08.2007, 10:44 Uhr 146 108

NACKT

Seit zehn Minuten bist du wach und ringst mit dir selbst.

Neben dir liegt der Mann, mit dem du eine wundervolle,
wilde Nacht verbracht hast und der dich gerade verschlafen
anblinzelt.

Es hilft alles nichts. Du musst dringend pinkeln.
Ganz langsam schälst du dich aus dem Bett und stehst
nun im sonnendurchfluteten Raum.
Das Badezimmer scheint Lichtjahre entfernt.
Keine gnädige Dunkelheit, keine schützende Decke, keine
ineinander verschlungenen Körper, keine lustvernebelten Sinne.
Tapfer machst du dich auf den schier endlosen Weg.

Bei jedem Schritt bist du dir deiner Nacktheit peinlich bewusst.
Du spürst seine Blicke in deinem Rücken und kommst dir vor,
wie eine einzige, wandelnde Problemzone.
Obwohl es deine eigene Wohnung ist, fühlst dich hier
merkwürdig fremd.
Du setzt so konzentriert einen Fuß vor den anderen, dass du
fast gegen den Türstock rennst.
Nach gefühlten Stunden bist du endlich da.
Du reißt die Badezimmertür auf und bist gleich
doppelt erleichtert.
Allerdings nur vorläufig. Denn jetzt steht eine noch schwerere
Prüfung bevor.
Der Weg zurück!

Hast du dich zuvor noch von dem sich gemütlich im Bett
räkelnden Mann wegbewegt, musst du jetzt direkt
auf ihn zusteuern.
Mit jedem Pfund zuviel, jedem hässlichen Cellulite-Krater,
näherst du dich der dort liegenden Gestalt und hoffst, der
Boden möge sich unter dir auftun und dich verschlingen.
Und wo zum Teufel soll man jetzt eigentlich hinschauen?
Seinen Blick mit den Augen festhalten, damit der erst gar
nicht am eigenen Körper herunterwandern kann?
Einen lockeren Spruch loslassen um von der inneren
Angespanntheit abzulenken?
Einfach nur schneller gehen?

Irgendwie hast du es bei all den Überlegungen tatsächlich
geschafft, die 1100 km quer durch´s Zimmer hinter dich
zu bringen.
Jetzt stehst du wieder vor deinem Bett und er
hebt einladend die Decke an.
Erleichtert schlüpfst du darunter und schmiegst dich eng an
seinen warmen Körper.
„Ich mag das, wenn du nackt herum läufst“, flüstert er
in dein Ohr, „du siehst toll aus!“.
„Danke“, murmelst du verlegen, schimpfst dich in Gedanken
eine Närrin und vergräbst dein Gesicht an seinem Hals.

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146 Antworten

Kommentare

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  • 0

    genau!

    29.04.2010, 17:09 von Jane_Roxy
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  • 0

    haha 2 fehler hat dieser text: 1. du empfiehlst du selbst. 2. erst langweilig, simpel und total bescheuert. PS: der typ hat gelogen. du siehst sicher scheiße aus, ich meine, mit den ganzen kratern und so?!

    23.04.2010, 17:04 von Junger_Faust
    • 0

      @Junger_Faust klar empfehle ich den, schließlich finde ich ihn gut :) und ein, zwei leute geben mir recht. natürlich wäre ich mit all meinen kratern und der großen nase und so unter deiner würde aber hey, gott sei dank können wir uns einander ersparen!

      23.04.2010, 17:22 von unicorna
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  • 0

    wie wahr, wie wahr. klasse text.

    14.04.2010, 17:19 von cba.321
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  • 0

    yes yes yes !
    super :D

    07.04.2010, 21:21 von lisamariie
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  • 0

    sehr gut getroffen :)

    06.04.2010, 21:43 von tiggger
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    genau das versuchen die meisten (und die vernünftigen) männer den frauen beizubringen. "Hey, ich mag dich so wie du bist und das ist KEIN Spruch aber deine Selbstzweifel, DIE nerven WIRKLICH." und trotzdem ändert es nichts. keine ahnung wieso. frauen messen sich nicht an komplimenten sondern vergleichen. und letzteres tun sie prinzipiell nur mit solchen frauen, mit denen der durchschnitt nicht mithalten kann. oft auch deshalb, weil photoshop die besseren argumente hat. ich glaube, wir frauen leiden da an einem gen deffekt.

    01.04.2010, 10:16 von unicorna
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  • 0

    Das sind Frauen-Gehirne! Ich hab euch jahrelang studiert, ausgefragt und peinliche Fragen gestellt. Und das scheint wirklich genau so zu sein, wie du schreibst. Absolut unverständlich für einen Mann. Ich bin je nach Jahreszeit und innerem Schweinehund besser oder schlechter in Form. Aber wenn die frau, mit der ich mein leben teile, mich an Hüftspeck-Ja/Nein misst, dann ist sie die falsche. Ich liebe die Frau an meiner Seite wie sie ist. Ich steh auf sie, will sie und freue mich, wenn sie nackig auf mich zu kommt. Was ich nicht mag: Wenn sie sich nicht mag. (!)

    01.04.2010, 10:10 von Plutarch
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  • 0

    hihi

    22.07.2009, 12:53 von Escondida
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  • 0

    :)

    08.07.2009, 15:38 von TochterAusElysium
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