Nach fünf Minuten
Mein Geist kommt langsam zu sich, meine Augen kann ich immer noch nicht öffnen. In meinem Mund hat sich eine Horde langbepelzter Tiere breitgemacht...
...und in meinem Kopf hämmern Orks an ihren Waffen. Was zur Hölle war gestern? Ich höre lautes Atmen neben mit, mit einigen schnarchähnlichen Kieksern. Während ich mich zu dir umdrehe, schmerzt mein Rücken, irgendwas bohrt sich neben meiner Wirbelsäule in die Haut. Es ist… eine Gabel. Wie auch immer die in mein Bett gekommen sein mag. Ich blinzle dich an und küsse dich auf die Wange. Offenbar bin ich mal wieder die Wachere und schleppe mich also in die Küche, um Kaffee zu machen. Als ich mit frisch geputzten Zähnen und zwei Kaffeebechern in mein Zimmer zurückkomme, hast du dich aufgesetzt und versuchst, durch verklebte Wimpern mich anzusehen.
- wann sind wir gestern eigentlich heimgekommen? Und wie?
- Keine Ahnung, aber was wir dann gemacht haben, weiß ich auf jeden Fall.
Du grinst mich an und stellst deinen Becher weg.
- Herzlichen Glückwunsch zum Einjährigen! Und ähm… können wir jetzt da weitermachen, wo wir gestern aufgehört haben?
- Können wir. Kannst du dich eigentlich noch an unser erstes Treffen erinnern?
- Oh Gott, ja, ich saß in diesem Auto und wäre fast durchgedreht, vor allem, als die anderen wissen wollten, was ich bei dir mache, und als ich es ihnen gesagt habe, waren ausnahmslos alle der festen Überzeugung, dass ich eine Art akademischer Triebtäter bin, der in Berlin niemals zum Schuss kommt.
- Na und, ich habe meine halbe Uni in den Wahnsinn getrieben. Und Anna auch. Sie meinte, sie wäre kurz davor gewesen, nicht mehr ans Telefon zu gehen, weil ich mit meiner permanenten Fragerei so unglaublich nervig gewesen wäre.
- Anna… wir sollten uns bei ihr bedanken, findest du nicht?
- Und wir sollten vor allem uns auf die Schulter klopfen, ein Jahr Fernbeziehung aus dem Internet hat noch nicht bei jedem funktioniert!
So hätte es laufen können.
Das Auto ist da, du steigst aus. Keine Frage, hier ist mein Hauptgewinn. Ich verliere mich kurz in pubertären Schmachtattacken, während du zu mir läufst. Die Begrüßung ist seltsam. Wir umarmen uns kurz, ich mache den Duftcheck (du riechst gut!) und fange sofort an zu plappern. Du scheinst wenig zu sagen, wenn du nervös bist, weswegen ich die Gesprächspausen leider immer weiter mit Wortkotze fülle.
Dann sind wir bei mir und beschließen, sofort Alkohol zu uns zu nehmen. Der erste Kuss kommt schnell und mir schießt kurz durch den Kopf, dass ich nicht wüsste, was Anna für ein Problem hatte.
Zwei Wochen später bin ich in Berlin. Immer noch hochnervös, immer noch haben wir nichts besprochen, sind wir zusammen, sind wir es nicht, was ist mit dem Exklusivvertrag?
Wir sprachen das Thema nicht an, bis zum letzten Tag. Ich hatte keine Lust mehr: also packte ich meine Eier auf den Tisch:
- Hör mal. Ich bin in dich verliebt und hab keine Lust mehr auf kindisches Rumgetue, entweder, wir sind zusammen, oder wir sind es nicht. Keine Zwischenstadien mehr.
Zwei Tage später, morgens, mein Handy fiept: ich hasse zwischenstadien und will mit dir zusammen sein. Kuss.
Wir sahen uns noch zweimal. Einmal, als wir wirklich „zusammen waren“, das einzige Mal; einmal vor 3 Wochen.
Es hat nicht geklappt. Zu hohe Erwartungen, zu niedrige Erwartungen und du, der du „keine Liebe empfinden kannst“. Drei Monate später ging das besser.
Du hast eine neue Freundin und ich hab einen Haufen unbearbeiteter Erinnerungen, der nicht kleiner wird, nur weil ich ihn zu ignorieren versuche.
Es ist nicht so, dass ich nicht gönnen kann. Ich gönne dir deine Neue wirklich. Und ich hätte dir auch deinen Masterplatz in Seattle gegönnt.
Denn wieso sollte ich mich auch nicht freuen, dass du endlich auf einem anderen Kontinent weilst?"Wichtige Links zu diesem Text"
Die Vorgeschichte...

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Kommentare
och menno !*
28.10.2010, 15:44 von MisterPeerJadejetzt fand ich die in 5 min geschichte so toll, habe wirklich gedacht das ein happyend und aus weichlich ist und dann so ?
ohne nichts ? ohne tralla la und hopsasa ?
wieder alleine, ohne den typen der eigt die ganze welt bewegt hat um bei dir zu sein ?
was für ein scheiß, und dabei sind fernbeziehung eigt. eine wirklich gute sache ..
schade.