Freulein_Vie 30.08.2018, 21:03 Uhr 2 0

Na endlich! Das verflixte 7. Jahr.

„Ich will auf keinen Fall, dich oder meine Familie verletzen. Diesen Spagat muss ich erst einmal hinbekommen.“

Was wir wissen: Spagat scheint dir ja wohl nicht so zu liegen. Komisch, und das, obwohl dir doch schon die Eier fehlen.

Das hier werden – mit Abstand – die wichtigsten Zeilen, die ich jemals für dich verfasst habe. Unsere sieben, so aufwühlenden, Jahre in nur einen Text zu packen, wird mir nicht möglich sein. Es gibt auf meiner Festplatte so einige eingestaubte Texte über uns, aber diesen hier mache ich öffentlich und vielleicht wirst du das irgendwann lesen und weißt, dass du gemeint bist.

Wie man vielleicht aus dem ersten Satz rauslesen kann, bin ich wütend. Wütend auf dich. Endlich! Man vergisst ja häufig wütend zu sein, wenn man traurig und verletzt ist. Aber ich hab mich erinnert. Daran dass Wut gut ist. Wut ist in unserer „Beziehung“  kein Fremdwort für mich. Nur war ich leider größtenteils wütend auf mich selbst. Für all das Festhalten, die Zeit, das Verständnis, die Wege, die Tränen, die Worte, die Liebe und die Fehler. Die Fehler, dir genau von diesen Dingen immer zu viel gegeben zu haben. Du hast all das immer schamlos ausgenutzt und dir davon immer das genommen, was du gerade brauchtest. Jetzt weiß ich… Die Wut hätte schon lange dir gelten müssen. Keiner meiner Freunde konnte verstehen, warum ich nach all dem nie wirklich wütend war. Warum ich immer wollte, dass es dir gut geht, du keine Schwierigkeiten bekommst und währenddessen habe ich mich auf dem Weg teilweise völlig verloren.

Falls diesen Text hier jemand liest, wird sich dieser jemand vielleicht fragen, weshalb „Beziehung“ in diesen witzigen Gänsefüßchen steht. Also... Ich war Geliebte. Muse. Fußabtreter. Und voller Hoffnung. Ich möchte all diese Buhrufe à la „Ein vergebener Mann…“ etwas von mir weisen. Dieser Satz, dass immer zwei dazu gehören, klingt vielleicht etwas platt, aber es ist tatsächlich so. Verurteilt mich, aber ich war verliebt. Mehr als das. Ich habe diesen Mann mehr geliebt, als ich es jemals in Worte fassen könnte. Bedingungslos. Er weiß das. Und ich glaube, er weiß auch, dass es keinen anderen Menschen auf dieser Welt gibt, der ihn jemals so lieben wird, wie ich es getan habe. Aber lassen wir das; Versuchen die Liebe zu erklären.

Wir trafen uns vor sieben Jahren. Er stand auf der Bühne und ich davor. Er ist der Sänger einer Band. Ja, ich höre es schon… „Ein Musiker. Selber Schuld…“ aber: genau so wenig wie man Liebe erklären kann und sollte, kann man sich aussuchen, wann sie uns trifft - oder wir sie. Die darauffolgenden Jahre waren mit so vielen Dingen und Emotionen gespickt, dass ich damit ein ganzes Buch füllen könnte. Ich kürze da mal ab.

Nach zwei Jahren bin ich das erste Mal gegangen und hab mich verabschiedet. Eigentlich könnte man sagen, dass ich geflüchtet bin. Vor ihm, vor diesen Gefühlen und letztlich auch vor mir selbst. Ich habe damals „unsere“ Stadt verlassen und bin zu einem Mann gezogen, den ich nie wirklich geliebt habe. Aber das ist okay, denn auch dieser Mann hatte eine Sache in seinem Leben nie wirklich beendet. Irgendwie waren wir also vielleicht sowas wie Mittel zum Zweck. Ein "über-die-Zeit-Retter". Die Dinge wurden zwar erträglicher, aber DU – du warst nie wirklich weg. Und das obwohl du deine Freundin mittlerweile geheiratet und eine Tochter mit ihr bekommen hast. Aber auch das war schon okay, ich wollte ja, dass du glücklich bist. Du hast mich dennoch immer wieder versucht, zurückzuholen. Es waren die kleinsten Zeichen. Es war so, als hättest du gemerkt, wenn ich genügend Abstand habe und das nicht akzeptieren wolltest. Also, da warst du wieder. Hast Lieder mit unserer Geschichte und meinen Worten gefüllt, hast sie mir entgegen geworfen, auf den Bühnen performt, dich feiern lassen und alle sangen sie diese Zeilen. Und ich mittendrin. Du wusstest genau, was du damit anrichten würdest. Das alles hat natürlich dazu beigetragen, dass auch diese verdammte Hoffnung wiederkam. Überraschung. Meine Beziehung wurde immer mehr zur Last, ich war am falschen Ort und wollte zurück. Nach Hause. In „unsere“ Stadt. Als ich dann nach drei Jahren also meine Koffer packte und zurückging, hat mein Freund das erste Mal gesagt, dass er weiß, dass es nie vorbei war. Wir hatten das nie wirklich thematisiert, aber er hat es gespürt und ich konnte ihm nicht widersprechen, er hatte Recht.

Hier angekommen konnte ich wieder Luft holen und versuchte mich zu fokussieren. Auf mich selbst und den Neustart. Ich hatte einen tollen Ort für meinen Sohn und mich gefunden. Einen neuen Job. Und neue Hoffnung. Uns ging es gut! Ich fühlte mich weit genug entfernt von den alten Dingen und Gefühlen. Naja, man ahnt es schon…

Bis zu diesem Sommerabend im letzten Jahr. Ich bin dir nie näher gekommen, als du es wolltest. Bis zu dem Tag, an dem du mich wolltest und mir plötzlich - nach all den Jahren - in die Augen gesehen und deine Liebe gestanden hast. Wer kennt sie nicht, diese kitschigen Hollywoodstreifen? Ein Mann, eine Frau, ein besonderer Ort (nämlich der, wo damals alles anfing), eine Laterne - die in der Dunkelheit auf beide herab flimmert -, ein Windhauch - der ihr Haar streift -, Sterne - die das übrige für den Kitsch tun -, und sogar Hintergrundmusik gab es – aus dem Garten des gemeinsamen Freundes… Das war so unwirklich, aber wunderschön. Wir versteckten uns hinter einem parkenden LKW, als wir Schritte hörten. Wir lachten, wie kleine Kinder, die Verstecken spielten. Berührten und küssten uns, als sei es schon immer so gewesen und wird auch nie wieder anders sein. Später an diesem Abend tanzten wir zusammen am Lagerfeuer und sahen nur noch uns beide. Uns war egal, wer etwas bemerken oder etwas erzählen könnte. Es gab nur uns in diesem Moment. Ich kann und möchte das alles aber nicht weiter ausschmücken, denn was auf diese wunderschönen Monate folgte, war das Gegenteil von wunderschön. Wunderscheiße.

Du sagtest, dass du nicht bereust und das nie tun wirst. Dass du versucht hast, das alles als einen Fehler zu sehen, um es einfacher zu machen, und das aber nicht konntest. Du wolltest, dass ich leide, um "es mir leichter zu machen", so dass ich mich entfernen kann und hast dich selbst dafür gehasst. Du bist ein gewissenloser Egoist. Ich hab nie verlangt, dass du deine Familie für mich zurücklässt - und das hätte ich nie. Ich hatte für alles Verständnis und hätte mir nur gewünscht, dass du mir nach all der Zeit mit etwas Rücksicht begegnest. Ich hab gelitten wie der letzte Straßenhund, der in irgendeiner versifften Ecke in Rumänien seine letzten Atemzüge macht. Du wusstest das und hast dann meist noch nachgelegt. Als hätte dir das mit mir alles einen wahnsinnigen Kick gegeben, den du gebraucht hast, wie andere die Luft zum Atmen. Zeitweise fühlte ich mich verflucht. Es gab unzählige Situationen, die mich quasi rückfällig werden ließen. Natürlich, es tut immer weh, wenn man einen Menschen verliert, gehen lassen oder selbst gehen muss. Man erinnert sich und man wird auch durch die kleinsten Dinge erinnert. Aber was passiert mit einem Menschen, der nach all der Zeit immer wieder von der Musik eingeholt wird? Weil Musik bleibt. Immer. Auch wenn die Menschen gehen. Jeder wird das kennen. Man erinnert sich an Lieder, die man beispielsweise vor 15 Jahren gehört hat. Die kommen manchmal einfach so in den Sinn. Und ich weiß, dass deine Lieder, unsere Texte bleiben und mich mein Leben lang hin und wieder an dich, und an uns zurückerinnern werden.

Versteh mich nicht falsch. Ich bereue nicht, dich kennengelernt zu haben. Ich habe dir zu danken. Ich danke dir für die Menschen, die ich durch dich kennenlernen durfte und die zur Familie wurden. Die Menschen, die mich all die Jahre begleitet und aufgefangen haben. Die da waren, als du es nicht warst, aber hättest sein können. Die Menschen, die mich nie aufgegeben haben. Anders als du. Nichts passiert bekanntlich ohne Grund und auch das Karma soll wohl alles sehen.

Ich hoffe, dass du mir mit deinen Worten, Gefühlen oder Liedern nie wieder zu nah kommen wirst. Sei auch du dankbar. Wenigstens dafür, dir in deinem ganzen Leben nie selbst begegnen zu müssen.

Das ist das letzte Kapitel und das endet hier.

Das endet nach dem verflixten 7. Jahr.

Und das fühlt sich jetzt alles andere als verflixt an.

2 Antworten

Kommentare

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    Hier ist das Klo. Tagebuch ist nebenan.

    30.08.2018, 22:43 von quatzat
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      Konstruktive Kritik mag ich ja, danke!

      31.08.2018, 14:34 von Freulein_Vie
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