Emotionslegastheniker 30.11.-0001, 00:00 Uhr 6 7

Morgens. (und wie ich wünschte du würdest mich bei dem Genitiv wieder verbessern)

...und täglich grüßt das Verdrängungstier.

Ein vibrieren bittet leise um Einlass.

Einlass um mich vom unbewussten ins bewusste zu penetrieren. – Nein, belüge ich mich. Da ist doch gar nichts. – Bettwäsche tretend und Kissen zwischen den Schenkeln einklemend ziehe ich die Decke über den Kopf. Versuche erfolglos den Schleier des Erwachens abzuwehren. Wünsche mich zurück in die wohltemperierte Milde meines erträumten Kokons aus Ver- `s : Vergangenheit, verdrängen, verzeihen, vergeben und glücklicherweise auch vergessen von unumstößlicher Klarheit von Wirklichkeit.

Doch Jetzt. Da ist Sie. Die Tiefe von Zeit und Raum, und die Aktivierung der zig Millionen Verbindungen meiner Neuronen, die mir unumstreitbar die Realität, wie sie nun mal wirklich ist, in mein präferen Kortex bläst.

Punktum, ich weiß du bist mittlerweile nur noch da, wenn ich eigentlich nicht da bin.

Sprich, im Schlaf. Wenn ich so Tief und Fest meine Welt mit mir in Einklang zu assoziieren versuche, dass die Gedanken und Erinnerungen im Traum sich fast lenken lassen.

Lenken, als könnte ich sie greifen, fassen und festhalten. Oder mich in ihnen baden, mit den Glück das aus unserer Nähe entsteht, mich benetzen, und dabei, die Luft anhalten wollen, indem ich so tief einatme wie ich nur kann.

Ich teste meine Körperfunktionen durch und erinnere mich an dass vibrieren, dass mich aus dem Schlaf riss.

Hoffnung keimt. Vielleicht, vielleicht, vielleicht, aber Nein, warum sollte gerade ich das Glück haben Absolution zu erfahren.

Ich beschließe das Handy zu ignorieren. Beschließe dass es sich eh nur um Mitteilungen in unwichtigen Whatsapp Gruppen handelt, oder von Menschen denen es genauso geht wie mir, die es sich nur nicht so eingestehen. Eingestehen, dass Sie andere früh am morgen mit Nachrichten aus dem Schlaf penetrieren, nur weil sich auch neben ihnen Niemand im Bett um diese Aufgabe bemüht.

Und da ist es wieder. Vergangenheit. Kurze, aufblitzende Details aus Bildern, Gerüchen und Ritualen.

Wann ist das passiert, dass Du mich so angeödet hast. Ich war so genervt von Dir und Mir, dass ich das mit dem Uns gleichgesetzt habe.

Hätte mir nie erträumt das Ich, gerade Ich, so was wie jetzt in diesem kurzem Moment des Zurückblickens denke, fühle, schreibe und vermisse.

Ich vermisse Uns. Ich vermisse Mich, der ich war als Du zu meinem Wir gehört hast.

Ich vermisse Dich. Aber das darf ich nicht. Ich bin gegangen! Ich habe mit allen Konsequenzen meine Sachen gepackt, bin aus unserer Wohnung geflüchtet und habe dich einfach zurückgelassen. Habe dich unvorbereitet mit den Messern meines Egoismus gehäutet, und dich im nächsten starken Moment, den ich mir eingebildet habe, in das salzwasserschäumende Meer aus Ekel und Verrat gestoßen.

Du hast gehofft bei Dir wäre alles anders, bei dir würde ich mich anders verhalten. Aber, irgendwo auf der Strecke, hast du deinen Vorsatz vergessen, die Zweifel eingelassen, und das zurückgebliebene Skelett aus Selbstzweifel und Unentspanntheit hauchte den Drachen der Eifersucht leben ein. Dein Odem brannte scharf, langfristig und unnachgiebig, bis selbst die Mauern meiner Bewunderung für dich vor Hitze rissig wurden.

Ich stehe auf, quäle mich zur Morgenhygiene. Will den nachttrunkenen und unappetitlichen Geschmack des Schlafes beseitigen und gebetsmühlenartig, wie jeden morgen, die Wunden der Erkenntnis, dass es mich auch nach Eineinhalb Jahren immerfort beschäftigt, wegwaschen.

Eine heiße Dusche später beginne ich endlich zu funktionieren. Wie immer gönne ich mir nicht das Frühstück was ich eigentlich bevorzuge, einfach weil ich meine, es nicht zu verdienen, und aus Bequemlichkeit rede ich mir ein, weil es für mich alleine viel zu aufwändig wäre. 

Ich ordne meine Sachen, richte meine Gardarobe und zögere es bis ins letzte hinaus meine Aufmerksamkeit nun doch dem Handy widmen zu müssen.

Die Nachricht ist natürlich nicht von dir.

Ich überfliege die paar Zeichen mehrmals, versuche mich an das Gesicht der Absenderin zu erinnern und ob es mit ihr kurz- oder langweilig war, währenddessen mache ich für diesen Tag den hoffentlich letzten imaginären Haken an das riesengroße Gedankenflipchart von Dir. Der Gedanke soll mir selbst ins Gesicht schreien: “siehst Du, ich komm doch ohne dich klar“. Und während ich die Tür abschließe missachte ich dass du es überhaupt sehen sollst.


Tags: Verdrängung, Ex, Sehnsucht, mutlos, Selbstbetrug
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6 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Selbstehrlicher Text. Wer angeödet hinschmeißt, der hat auch ein bisschen Hölle verdient.

    08.08.2014, 13:09 von Hattori-Hanzo
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  • 0

    Wow!!

    08.08.2014, 11:30 von SuchenderTraumTaenzer
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    nur 4 Herzen??
    das ist das Beste was ich hier seit langem lese!

    08.08.2014, 11:05 von Sternenpiratin
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      4leicht eines der autobiografischsten seit langem, aber habe selbst auch besseres gelesen, vor allem Zeit- und Zeichensetzungmäßig korrekteres^^
      Gibt halt die fiesen Tage an dem man wach wird und so denkt, bin trotzdem froh das es heute so ist wie es ist....trotzdem schön das ich ein zwei Emotionen transportieren konnte.

      08.08.2014, 15:50 von Emotionslegastheniker
    • 0

      @Sternenpiratin:

      'tschuldigung, hatte das Lob bereits persönlich abgegeben aber vergessen den Knopf zu drücken.

      Aus dem selben Grund dauern meine Fahrstuhlfahrten wahrscheinlich auch immer länger als bei anderen.

      10.08.2014, 14:20 von Infinitas
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