dasLaecheln 11.12.2010, 10:11 Uhr 0 3

Momentaufnahme

Es ist dieser Moment...

Es ist dieser Moment, in dem ich noch wach bin, während du schon schläfst, und alles dunkel ist. Ich kann dir nicht sagen, wie lang er dauert, dieser Moment, denn es gibt keine Zeit in ihm. Und das gibt ihm etwas von Unendlichkeit.

Es ist dieser Moment, in dem es keine Geräusche gibt außer dem der Luft, die in unsere Lungen fließt. Dann halte ich manchmal inne, damit ich nur noch deinen Atem höre, wie er tief und ruhig über meinen Nacken streicht. Er ist so beständig.

Es ist dieser Moment, in dem ich nichts spüre außer der Gegenwart deines Körpers, dem Druck deines Schenkels an meinem, dem Gewicht deines Arms auf meiner Seite. Unsere Finger haben sich verwoben. Manchmal habe ich Angst, dass ich sie aus Unachtsamkeit loslassen könnte im Schlaf. Aber du hältst meine Hand so fest, dass ich mich trauen werde einzuschlafen. Ich weiß, dass deine Stärke für uns beide reicht.

Es ist dieser Moment, in dem dein Herz an meinem Rücken schlägt und es mich sprachlos macht, wie es schlägt - so unermüdlich - und dich bei mir hält. Manchmal versuche ich, mein eigenes Herz kurz anzuhalten, damit es weiterschlagen kann im Gleichtakt mit deinem. Ich weiß nicht, ob es mir je gelungen ist, aber es gibt mir ein Gefühl von Verbunden-Sein. Und das ist es, was zählt.

Es ist dieser Moment, in dem die Hitze vergessen lässt, wie kalt es um uns ist. Es ist fast zu heiß unter der Decke, in diesem Kokon, in dem wir wachsen. Aber wir brauchen die Wärme. Sie lässt den Raum zwischen uns flirren, bis er schließlich verschwindet.

Es ist dieser Moment, in dem die Luft so wunderbar riecht. Nach dir und mir und Leben. Dann wünsche ich mir, dass dieser Duft immer etwas neues an sich habe, damit ich mich nie ganz an ihn gewöhnen kann (so wie an den Geruch meiner eigenen Wohnung, der anfangs so besonders war, und den ich jetzt kaum noch bemerke).

Es ist dieser Moment zwischen Wachen und Traum, in dem es nichts gibt außer uns. In dem die Sinne nur noch das fühlen, was wesentlich ist. In dem kein Außen existiert, kein Drängen und kein Zwang. In dem die Gedanken schweigen und die Vergangenheit vergangen ist.

Es ist dieser Moment, in dem ich weiß, ich bin angekommen.

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