Mit Dem Rücken. Zur Wand.
Es gibt Gefühle, die finden irgendwie immer wieder den Weg zurück. Und Gedanken, Erinnerungen, die einfach nicht verschwinden wollen.
Wir haben uns getrennt. Mit scheinbar beidseitigem Einverständnis.
Und warum sitze ich dann trotzdem da, warte auf den Anruf von dir, der sowieso heute nicht mehr kommen wird, und lasse mich in diesen Haufen von Erinnerungen an dich fallen, als wäre alles erst gestern geschehen, und schon morgen würde ich dich treffen, dich küssen und die Nähe zu dir genießen. Doch so etwas wird nicht passieren. Nichts wird passieren. Das letzte Mal länger als zwei Minuten gesehen haben wir uns Mitte Juli. Nie hätte ich mir gedacht, dass einmal eine so unüberwindbare Mauer zwischen dir und mir entstehen würde. Mir fehlen die sinnlosen Gespräche, wenn du gar nicht zuhörst, oder du dich einfach uninteressiert wegdrehst. Mir fehlen die Beschwerden, wie blöd Bloggen sei. Mir fehlen diese Worte von dir, die mich mit jedem einzelnen Buchstaben verletzten. Aus reinem Spaß von dir gesagt, als reiner Schmerz bei mir angekommen. Mir fehlen die Nächte, an denen ich bis Mitternacht bei dir war, und jedes mal so sehr gehofft hatte, dass du mich einladen würdest, eine Nacht bei dir zu verbringen. Egal ob am nächsten Tag Schule wäre. Mir fehlen die Tränen, die du weintest, als du dir das einzige Mal ehrlich Sorgen um mich gemacht hattest, als ich aus reinem Frust diese fünfzehn oder zwanzig Kilometer von dir zu mir heimgehen wollte. Mir fehlen die Minuten am Küchenboden bei dir. Mir fehlen deine Ausreden, und deine Termine, die es mir nicht möglich machten, dich zu sehen.
Millionen von Sterne sind wohl bisher verglüht, als wir uns entschieden haben, es noch einmal zu probieren. Den Abstand zwischen uns noch einmal auszutesten. Und wir waren uns beide sicher, diesmal würden wir nicht wieder zusammenkommen. Wir würden getrennt bleiben. Nie mehr wieder wollte ich eine solche Beziehung führen, in der die Selbstaufgabe die wichtigste Tätigkeit von mir war. Ich fühlte mich wohl in meiner Haut. Mir fehlt dein Lächeln. Mir fehlen die Minuten mit dir im Bett, nach oben blickend und über Gott und die Welt sprechend. Mir fehlt dein viel zu überfüllter Terminplan. Mir fehlen deine Freunde. Mir fehlt das Leben und die Freude daran, die du mir damals mit jedem Tag einhauchtest.
Abermilliarden von Eintagsfliegen ließen ihr Leben von damals bis heute. Und immer noch rufe ich dich an, will mit dir reden. Rein freundschaftlich natürlich. Fahre kilometerweit um dich zu überraschen. So wie ich es damals getan habe. Rufe dich immer und immer wieder an. Fahre, so wie heute, an deinem Haus vorbei, in der Hoffnung, du wärst im Garten, und würdest mich sehen. Rufe dich noch einmal spät nachts an. Du blockst ab und schlägst mir vor, in fünf Minuten wieder anzurufen. Eine Rasetour nach Hause, gerade mal drei Minuten vergangen. Und dann im Auto sitzen geblieben. Fünfundvierzig Minuten gewartet. Auf einen Anruf von dir. Auf eine Antwort. Auf deine Stimme. Mir fehlen die Minuten mit dir. Mir fehlt die Nähe zu einer Person. Zu niemandem, seit ich dich gekannt habe, habe ich jemals wieder eine so nahe Beziehung aufgebaut. Mir fehlt die Zärtlichkeit. Wie du mir eine Strähne aus dem Gesicht streichst. Wie du mich küsst. Und wie du mich umarmst. Mir fehlt es, wie du deinen Arm um mich legst. Mir fehlt der Kontakt von nackter Haut, wenn wir nebeneinander einschlafen. Mir fehlt dein Geruch.
Ich versuchte es zu vermeiden, aber es steht doch nun einfach fest. Du fehlst mir. Nachdem ich wochenlang an eine mögliche Liaison mit dieser einen ominösen Frau dachte, die ich immer besser kennenlernte, schießt du mir wieder in den Kopf. Lässt mich die ruhigen Lieder von Jack Johnson hören und lässt mich fragen, warum du mich einfach nicht zurückrufst.




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Kommentare
Klingt wirklich nach wahrer Liebe. Die Frage ist nur, ob sie dir das geben kann und will, was du erwartest? Du schreibst, dass du nicht glücklich warst mit ihr. Jedenfalls nicht vollständig. Meinst du, das könnte beim nächsten Mal klappen?
17.09.2007, 14:12 von drops_of_august@drops_of_august Das ist gerade das Problem. Sie kann // will es nicht geben. Und ich bin mir fast sicher, dass es auch beim nächsten mal nicht klappen würde. aber ich vermisse einfach das gefühl und alles drumherum.
17.09.2007, 14:48 von just4ikarus@just4ikarus Ich weiß. Ich habe gerade genau das Gleiche erlebt. Aber irgendwann kommt man an den Punkt, an dem es um die Würde geht. Wenn immer nur einer bereit ist zu geben, dann kann das keine schöne Beziehung sein. Irgendwann muss man dann den Absprung einfach schaffen, so unwirklich das auch scheinen mag. Leider will man immer das, was man nicht haben kann. Ich weiß, dass das Aufhören zu kämpfen eine riesige Leere hinterlässt. Aber langfristig gesehen bietet es dir die Chance, irgendwann richtig glücklich zu werden. Darauf vertraue ich auch gerade!
17.09.2007, 19:51 von drops_of_augustwow. es ist so toll geschrieben und so verdammt gut ausgedrückt. ich wünsch dir glück, dass irgendwann der tag kommt, an dem sich das ändert und du sie nicht mehr vermissen musst.
16.09.2007, 00:47 von Lilli-Alice