MimiAnDerNordsee 30.11.-0001, 00:00 Uhr 31 113

Mein Ted

Habe ich ausversehen mein Herz mitgelöscht? Falls das geht. Herzlöschen, meine ich.

Am Haken hängen. Ich habe da einmal diesen Artikel gelesen, in der Neon. Er beschrieb eine Art von Beziehung, die eine bekannte, amerikanische Comedy-Serie aufgegriffen hat: genauso wie ein Fisch am Haken hängen und von ihm einfach nicht mehr loskommen. Nur, dass der Haken eben ein geliebter Mensch ist. Als ich den Artikel las, wusste ich nicht – oder war ich mir viel mehr nicht bewusst – dass ich selbst ebenso wie der kleine Goldfisch aufgespießt worden war. Witzig, dass ich meinem Fänger den Artikel noch gezeigt habe. Noch witziger, dass wir beide darüber gelacht haben. Ob wir auch beide wussten, was das eigentlich bedeutete?

Es ist nun über ein Jahr her, dass ich S. aus meinem Leben gelöscht habe. Erst habe ich seine Telefonnummer von meinem Festnetztelefon gelöscht. Dann mich bei Facebook entfreundet. Ihn als Freund entfernt. Das Häkchen weggemacht. Für seine letzte Nachricht auf dem Anrufbeantworter habe ich länger gebraucht. „Ruf mich doch bitte an. Wir müssen reden. Ich habe das alles doch auch für dich gemacht.“ Piep. „Sie haben keine Nachrichten.“ Seine SMS habe ich immer noch. Und seine E-Mails. Auch die allerletzte. Vielleicht lösche ich sie, wenn ich hier fertig bin.

Es ist jetzt über ein Jahr her, dass ich endlich begriffen habe, dass ich niemals für ihn das sein kann, was er für mich immer war. Dass ich nie die Richtige war – aber er irgendwie der Richtige für mich. Dabei hatte er mir schon  mehrmals das Herz gebrochen. Falls das geht. Herzbrechen, meine ich. Aber ich glaubte immer fest daran, dass er mich irgendwann ansehen und lächeln würde. „ Du und ich. Das passt. Perfekt.“ Das hat er nie gesagt. Und wohl auch nie gedacht.

Ich weiß bis heute nicht, ob er wirklich nicht wusste, dass ich bei ihm am Haken hing. Oder ob er es nur nicht sehen wollte. Oder ob er es vielleicht ganz bewusst so gehalten hat. Das möchte ich aber nicht glauben. Ich habe es ihm ja nie gesagt. Dass ich am Haken hing, meine ich. Ich habe es selber nicht gewusst. Oder nicht wahrhaben wollen. Wie auch immer. Aber S. ist immer noch ein guter Mensch. Egal wie sehr er mich verletzt hat – und das hat er – ob bewusst oder unbewusst – er ist ein lieber Kerl. Einer von denen, denen man eben nicht böse sein kann. Niemals. Eben ganz wie Ted aus der erwähnten Serie. Trottelig und lieb. Romantisch. Und ein bisschen naiv. Wenn er lächelt, schmilzt das Herz. Oder es bricht. Falls Herzbrechen denn geht.

Ich war nur zwei Mal in meinem bisherigen Leben verliebt. Das eine Mal war es die erste Liebe, schön, aber unwirklich. Surreal eben. Das zweite Mal tat es weh. Und es hat nie aufgehört. Und ich habe inzwischen wirklich Angst. Könnte das wirklich alles gewesen sein? Eine gescheiterte und eine unerwiderte Liebe? Ich will nicht melodramatisch sein. Oder mitleidsheischend. Oder gar naiv. Aber ich habe einfach niemanden getroffen, der mich je wieder so berühren konnte und so glaube ich, dass ich nicht nur S. gelöscht habe. Habe ich ausversehen mein Herz mitgelöscht? Falls das geht. Herzlöschen, meine ich.

Ich habe fast drei Jahre auf ihn gewartet. Drei Jahre, in denen ich niemand anderen die Chance geben wollte oder geben konnte, mir zu zeigen, dass es auch eine andere Art von Liebe gibt. Eine, die erwidert wird. Ich habe sie einfach nicht gesehen. Ich habe immer nur S. gesehen.

Zwischendurch habe ich mir versucht einzureden, dass wir nur Freunde sind. Gute Freunde. Beste Freunde. Und, dass mir das reicht. Solange, bis er dann mich endlich so ansehen würde. Mich. Genauso. Bis S. dann jemand anderes so angesehen hat. Genauso. Wie er mich hätte ansehen sollen.

Dann habe ich die Reißleine gezogen. Bin von Haken gesprungen. Habe ihn mir mühsam aus dem Herzen gezogen. Ich wusste, dass ich das nicht würde ertragen können. Dass es die einzige Chance war zu gehen. Das war vor über einem Jahr. Und trotzdem sitze ich hier und schreibe diesen Text. Ich habe kein Wort mehr mit S. gesprochen. Inzwischen ist er verlobt. Und ich freue mich sogar ehrlich für ihn. Ich freue mich nur nicht für mich. Ich bin nämlich die, die am Haken hing. Die, die alle belächelt haben. Die, die seine SMS und E-Mails immer noch nicht löschen kann. Und die, die kitschiges Zeug schreibt. Die mit dem gelöschten Herzen. Falls Herzlöschen denn geht.


Tags: Herzschmerz, Freund verlieren, Haken
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31 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Gelöscht hast du's nicht, nur eine.mauer drumherum gebaut, offensichtlich mit nem.dicken.fundament,. Aber irgendwann u das kann ich.dir versprechen blickst.du zurück.u.denkst.: das hatte schon alles seine.Richtigkeit.! Alles Gute.! 

    01.01.2015, 23:25 von Nasivin
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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  • 2

    Sehr berührend, wie du schreibst, so ohne große Metaphern, sondern einfach ehrlich halt...

    15.12.2013, 16:34 von So_Gewollt
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  • 3

    same shit here! - aber glückliche wendung.
    wer kennt das nicht, am haken hängen. ich hing auch am haken. ganze drei jahre lang. zwischendurch gab es mal jemanden, aber das war nichts ernstes. ich habe immer auf ihn gewartet. ich hing drei jahre lang am haken. er wusste, dass ich am haken hänge. habe ihm lustigerweise damals die himym-folge 'am haken' geschickt, aber er hat es nicht verstanden. ich wollte einen schlussstrich ziehen und ging eine beziehung mit jemandem ein. das klappte aber nicht, denn ich hing noch am haken. wir waren freunde, und ich redete mir auch ein, dass es klappt, nur befreundet zu sein, aber jetzt mal ehrlich: das klappt nicht. zu jedem kleinsten anlass bekam er etwas von mir - selbstgebastelt versteht sich. ich wollte kämpfen, stark sein. nach drei jahren schmerzhaftem am-haken-hängen wurde ich erlöst. vor einem jahr wurde ich liebevoll vom haken gelöst. die wunde ist schon fast wieder zugeheilt. wir haben oft darüber geredet und ich weiß nun, dass er einfach zeit brauchte. ich habe mich in meiner zeit am haken verändert. bin zu der frau geworden, die er erlöst hat. viele leute sagen, er könne mich nicht richtig lieben, das tue er alles nur aus mitleid. doch ich weiß,dass es nich tso ist. ich fühle es. ich habe schon vor vier jahren den mann gefunden, dem ich mein herz geschenkt habe, wusste die ganze zeit, dass er der eine ist. er hat einfach zeit gebraucht, um das zu verstehen.
    mein herz hat immernoch ein paar schrammen. in ihnen ist meine größte angst geschrieben: ihn zu verlieren.

    10.12.2013, 12:05 von malusine
    • 1

      du wirst auch vom haken loskommen und jemanden finden, der dich von seinem haken liebevoll befreit.

      10.12.2013, 12:07 von malusine
    • 1

      ähm, das ist irgendwie undeutlich: kamst du jetzt mit deinem hakenmenschen zusammen oder hat dich ein anderer "erlöst"?

      28.01.2014, 01:16 von elliflora
    • 0

      Du machst mir Mut.

      01.01.2015, 23:26 von Miss.dings
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  • 7

    link gepeichert auf meinem home screen, damit ich's jetzt jeden tag lese und endlich vom haken komme.. 

    08.12.2013, 19:16 von koernerbroetchen
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  • 1

    du sprichst mir aus dem Herzen. ..toll;)

    07.12.2013, 02:14 von Secret1
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  • 1

    Sehr schoen, wirklich! ich erlebe gerade dieselbe Situation .. habe alles für ihn verlassen, um ihm entgegenzukommen. Jetzt dass wir zusammenleben, braucht er "Luft". Die erste Woche ist total schwer gewesen, so jetzt ziehe ich um und versuche, mir ein neues Leben wieder aufbauen. Jemand hat aber mir gesagt: "nur als ich auf die Suche nach mir selbst war, fand ich die (wahre?) Liebe". Also, fangen wir mal damit an!

    05.12.2013, 01:01 von Wikiheather
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  • 1

    schöner text!
    ich war auch ein jahr lang ein fisch am haken, aber es geht vorbei! so schwer es auch ist, denk immer daran, dass es irgendwann vorbei geht und etwas neues beginnt! :)

    03.12.2013, 13:35 von baignoire
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  • 0

    gib einem mann einen fisch und er hat einen tag zu essen, gib ihm einen haken und er angelt sich ne blöde olle, die er knallen kann. schade marmelade, wieso glaubt auch noch einer an das konzept liebe?

    02.12.2013, 23:49 von angler3512
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  • 1

    Sehr schön geschrieben!

    Ich hänge auch gerade am Haken und bin dabei, mich zu lösen. Schwer aber dennoch zu schaffen- hoffe ich -

    02.12.2013, 17:30 von Thery
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  • 1

    Ich dachte auch, dass ich ihn gefunden hatte, doch er wollte nicht gefunden werden. Tat aber so, als ob er der grosse Fund sei, das schien ihm wichtig zu sein, der Fundstück Status. Doch als ich ihm sagte, was ich für ihn empfand, fand er das gar nicht so toll. In meinem Leben wollte er aber trotzdem sein, obwohl er mir zuweil schon fast erfunden schien, too good to be true. Und so löschte ich diese Erfindung aus meinem Kopf, doch in meinem Herz ist immer noch dieses C.-förmige Loch und es findet sich keiner, der es füllen kann.

    02.12.2013, 17:22 von Helvetistani
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