Eiskalter_Engel 17.10.2012, 16:52 Uhr 7 9

Mein Herz geht auf Weltreise

Während ich gerade irgendeinen verschwitzten Kerl zwischen meinen Schenkeln habe, muss ich an dich denken.

Heute ist wieder ein Abend wie viele andere. Ein Abend, wie noch viele folgen werden und wie auch schon viele waren, in dieser Stadt die keine Ruhe kennt.
Während ich in der Bahn sitze, auf dem Weg zum Kiez, um mein nächstes Opfer zu suchen, blicke ich auf den hell erleuchteten Hafen den du über alles liebst.
Ich blicke auf die Schiffe und verspüre das Gefühl sofort auf eines davon zu gehen und mit in die große weite Welt hinaus zusegeln und nie wieder zurück zukommen. Ich möchte weg von hier, weg aus dieser Stadt deren Herzschlag mich langsam umbringt.
Ich sehe mein Spiegelbild in den dreckigen Schreiben. Ich schaue mir in die Augen, in die Augen die du so bewundert hast. Ich sehe nicht mich da im Spiegel. Ich sehe ein Gesicht ohne Seele, eine Hülle ohne Herz.


Reeperbahn, mein Ziel für diese Nacht. Ich steige aus und gehe den Bahnhof runter. Alleine. Ich sehe knutschende Paare, betrunkene Teenies und fröhliche Menschen. Und mitten drin: Ich, auf der Suche nach der großen Liebe für eine Nacht, von der ich weiß das ich sie nicht finden werde weil sie nicht existiert.

Man kann ein gebrochenes Herz zwar nicht wegficken und das brauche ich auch nicht, denn mein Herz gehört dir. Wie soll ich etwas beseitigen was mir nicht gehört? Das Ding welches noch in meiner Brust schlägt ist nur ein Organ das ich zum Leben benötige, dass das Blut durch meinen Körper pumpt um diese bedauernswerte Kreatur, als welche ich mich bezeichne, am Leben zu halten, aber nicht mein Herz. Das gehört dir.
Es ist heute Zuhause geblieben, um Koffer zu packen, denn es geht auf Reise.

Nach einigen Gläsern Sekt, einigen Wodka-Redbull und viel zu vielen Zigaretten habe ich ihn gefunden. Mein Opfer für den heutigen Abend.
Nach einigen tiefen, geheimnisvollen Blicken, ein bisschen Smalltalk und ein bisschen Tanzen habe ich ihn in der Hand. Er sitzt in der Falle. Ich hole meine Sachen und wir gehen los, zu mir.
Er will Händchen halten, ich nur ficken, sonst nichts.
Wir sitzen in der S-Bahn und ich schaue ihn an. Er küsst mich. Er ist mir jetzt schon verfallen. Wie erbärmlich er doch eigentlich ist. Viel zu einfach war das mal wieder. Ich musste nichts tun, ich konnte ihn einfach mitnehmen. Mir vergeht der Spaß an diesem Kerl.
Ich will nichts was ich haben kann, ich will dich auch wenn ich weiß das ich dich nicht besitzen werde, niemals.

Wir sind da, nach einem kurzen Fußweg. Ich schließe die Tür auf und der bekannte Geruch meiner Wohnung strömt mir entgegen. Ich fühle mich daheim.
Es dauert keine drei Minuten und wir liegen nackt in meinem Bett und treiben es miteinander. Der Sex ist gut aber ich bin nicht bei der Sache.
Ich merke wie geil ich ihn mache. Das widert mich an.
Langsam könnte der dann auch mal fertig sein, denke ich bei mir.
Der Sex mit dir war immer gut, ich habe mich wohl gefühlt, ich glaube ich habe dich einfach geliebt. Wir haben nicht gefickt wir haben Liebe gemacht.
Ich gebe mir keine Mühe ihm vorzuspielen das ich ihn geil finden würde, das tue ich nicht. Wieso sollte ich rumstöhnen wenn ich am liebsten Heulen würde?

Und während er kommt bin ich längst nicht mehr da. Meine Gedanken schweben irgendwo durch den Raum. An seinem widerlichen Stöhnen höre ich das er fertig ist.
Er wälzt sich von mir runter und legt sich neben mich. In dieselben Laken in denen wir beide viele Nächte zusammen verbracht haben. Ich höre seinen schweren Atem. Ich rieche seinen Schweiß und spüre dass ich beginne zu würgen. Ich ekele mich, vor ihm und vor mir selber und vor dem verzweifelten Versuch dich zu vergessen.
Und während ich ihm sage dass er jetzt gehen kann spüre ich dass ich dich nie vergessen werde.
Ich stehe auf, zünde mir eine Zigarette an und gehe nackt ins Wohnzimmer. Ich will ihm Zeit geben sich anzuziehen. Ich kann aber den Anblick von seinem verschwitzen Körper nicht ertragen.
Ich höre die Tür irgendwann ins Schloss fallen. Er ist weg, zum Glück.

Ich laufe durch die Wohnung und suche etwas. Wonach ich suche? Nach meinem Herzen. Ich will ihm sagen dass ich beschlossen habe dass ich es heute Nacht verschenkt habe. Ich habe beschlossen es gehört diesem Kerl, dem von eben. Sieht doch gut aus, es hat sich in den Kerl zu verlieben. Beschlossene Sache.
Doch meinem Herzen kann ich nichts mehr befehlen denn es steht schon längst mit gepackten Koffern im Hamburger Hafen und geht auf große Weltreise und nicht wiederkommen wird bevor es dich gefunden hat.

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7 Antworten

Kommentare

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    meinem Herzen kann ich nichts mehr befehlen denn es steht schon längst mit gepackten Koffern im Hamburger Hafen
    Wie wahr, und welcher Hafen sollte es denn auch sonst sein?

    26.10.2012, 19:04 von schmonz
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    "Ich will nichts, was ich haben kann": Problem auf den Punkt gebracht, da kannste ewig suchen. Irgendwie ziemlich christlich, diese Lust am Leid

    24.10.2012, 18:02 von LauraPhilomenaTheresa
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  • 0

    Wunderschön... mit einem sehr bitteren Beigeschmack!! Toll!

    24.10.2012, 17:38 von LeraFairytale
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    wie wahr!

    17.10.2012, 21:35 von violett84
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