hib 28.03.2017, 10:25 Uhr 31 39

Mehr geht nicht

Viele Menschen stellen sich etwas vor und verstehen dann das Ergebnis nicht.

Du sagst mir gern und oft, dass du mehr willst. Mehr lachen, mehr ausruhen, mehr frei sein, mehr weniger. Ich kann das gut verstehen. Auch wenn es lang her ist, dass ich noch wusste, was mehr sein könnte. Ich frage mich dann immer, ob ich vielleicht alles habe.

Die Menschen kommen und gehen. Ich weiß das sehr gut, weil ich selbst so einer bin. Aber ich sag dir was. Ich verspreche es dir sogar. Dich lass ich nie allein. Wenn du wirklich wüsstest, wie sehr ich bleiben will, du würdest weglaufen müssen.

Wenn ich dir in die Augen schaue, ist dort die Lust an der Welt genau so wie die Furcht davor. Manchmal sehe ich das auch bei mir. Deshalb brauchst du auch nichts sagen. Ich verstehe dich durch den leeren Raum. Auch wenn wir nicht zusammen darin sind.

Ich weiß, dass du manchmal denkst, dass niemand so ist wie du. Vielleicht stimmt das sogar. Und trotzdem willst du gern dazu gehören. Dafür kämpfst du jeden Tag. Wenn du aber doch mal verloren hast, wische ich dir deine Tränen nach gestern.

Wenn du lachst, geht irgendwo an meinem Himmel ein Nordlicht an. Wenn du traurig bist, schneid ich dir von meinem Horizont eine Scheibe ab. Und wenn du mal nicht mehr weißt, wo es lang geht, schau mir in die Augen. Da ist immer Süden.

Du brauchst dir auch keine Sorgen machen, wenn du mal fort gehst. Im Gegenteil. Geh so weit weg wie du kannst. Und wenn du dann da bist, ruf mich nicht an. Sondern mach die Augen zu und finde mich da, wo du immer bist. Ich warte dort für immer auf dich.

Manchmal schaust du mich an und willst alles von mir wissen. Ich glaube dann sogar, dass ich dir alles sagen könnte. Nur heraus bekomm ich es nicht. Weil ich weiß, dass es längst in dir ist und darauf wartet, dass du es findest.

Ich lebe hinter Milchglas. Ich kann die Umrisse sehen, dass sich wer bewegt und wohin. Aber der Kern der Sache bleibt mir im Trüben. Nur dich sehe ich so klar, dass ich dich in einem Glas Wasser vor der Welt verstecken könnte. Klarer Fall von Untertreibung.

Viele Menschen heute glauben, dass sie alles ersetzen können. Ihre Waschmaschine, ihre Schuhe. Auch mit wem sie leben. Sie stellen sich etwas vor und verstehen das Ergebnis nicht. Der Unterschied bei uns ist: Ich hätte mir nie vorstellen können, dich zu finden.

Vielleicht hast du mich auch gefunden. Wenn ich heute sage, dass ich mir sicher bin, dass da nichts anderes sonst ist, dann rate ich nur in dein Blaues hinein. Denn irgendwas an dir sagt mir, dass ich Unrecht haben könnte. Dein Funkeln im Dunkeln, meine ich.

Wir vergleichen so oft die Liebe. Mehr als der. Weniger als die. Bei dir denke ich nicht in davor oder dahinter. Stell dir vor, du siehst draußen einen bunten Papagei. Du machst das Fenster auf, um ihn zu hören und bist dabei ganz still. So lieb ich dich.

Ich bin ein wenig länger schon hier als du. Weiß mehr als du. Aber ich sag dir was. Das sind alles nur Dinge, die mich betreffen. Deine Welt entsteht gerade erst. Und ich halte sie so lang fest, wie du brauchst um dir zu merken, wo alles ist.

Und immer wenn ich merke, dass du Angst hast, mich zu verlieren. Will ich deine Hand nehmen und sie so lang halten, bis sie dir zu schwitzig wird. Und du denkst, dass du jetzt gern allein wärst. Und das mach ich dann auch. Gewöhn dich nur nicht an mich.

Und glaub bloß nicht, dass ich alles schon erlebt habe. Das mit dir hab ich auch nicht kommen sehen. Wenn ich dir was mitgeben darf, dann dass du alles für möglich halten sollst, was dir gut tut. Nicht mehr, und nicht weniger brauchst du.  

Ich will dass du weißt, dass da etwas war. Das nur für dich war. Und das bleibt. Über mich hinaus. In dir drin. Für immer, oder zumindest so weit ich schauen kann. Liebe, heißt das. Du kannst damit tun, was du willst.

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31 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Wundervoll

    07.08.2017, 23:16 von oft
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  • 1

    Richtig gut!

    30.05.2017, 23:05 von vielleicht.nicht
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  • 0

    Der Text ist einfach toll zu lesen :) Ich spüre ganz viel Emotion.. echt sehr schön!

    22.05.2017, 19:48 von bEwARE_lOVE
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  • 0

    Das ist ziemlich schön <3


    26.04.2017, 19:40 von themagnoliablossom
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  • 1

    Einfach nur schön
    Die Emotionen sind einfach klasse.

    11.04.2017, 14:11 von Weraides
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  • 2

    Ost-West-Achsen-Bahn-Romantik. <3

    03.04.2017, 15:27 von lelie
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  • 1

    Die sensible und fragil betonte Hingabe zum Kind, die Art und Beschreibung einer Emotionalität, die traditionell so eher mütterlich besetzt war, lange Zeit, mag es im Stillen auch schon früher bei Vätern gegeben haben. Sie wurde aber weder besonders kultiviert, noch besonders offengelegt. 

    Über die Gründe, warum Männer heute eher ermutigt sind auch über persönliche Unwägbarkeiten und Zweifel zu sprechen, Verletzlichkeit zu riskieren, ist schon viel gedacht und geschrieben worden. 

    Unabhängig davon, ob männlich oder weiblich erlernt, ein Kind spürt früh ohne zu wissen warum, ob sich jemand aus Stärke oder Schwäche öffnet, wie beides im Wechsel steht. 

    Es geht dabei nicht um eine äußerliche Wertung, sondern unter welchen Zeichen des Umgangs mit innerer Verfassung und Glaubwürdigkeit, ein kleiner Mensch sich selbst reflektieren lernt oder nicht.

    01.04.2017, 02:55 von schauby
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 2

      aus dem Text spricht schon eine gewisse Ambivalenz. Da möchte eine Erwachsenrolle dem Kleinen was mitgeben, das vermutlich stärken soll, scheint sich aber auch gleichzeitig etwas an dem Kind festzuhalten, bspw. die Hoffnung, es würde schon umgehen können damit, dass Papa "hinter Milchglas lebt".  

      01.04.2017, 11:14 von schauby
    • 0

      Wie, ist wahrscheinlich schwer zu erklären. Ich merkte als Kind ziemlich früh, wenn mir jemand ganz nahes traurig war, auch wenn diese Person lächelte. Oder ob eine Zuneigung authentisch war oder nicht. Je mehr die 'Erziehung' griff, um so mehr, wurde ich verunsichert, ob das was ich fühlte auch so war. 


      Meine Kinder spiegeln heftig mein inneres wieder. Ohne zu wissen warum. Wenn ich gestresst bin, unruhig bin, sind sie es auch... 

      Sie merken auch sehr wohl, auch schon im früheren Kindesalter, wenn einer die Zuwendung und ein Interesse spielt. 
      Empathie ist sicherlich ein stückweit  gegeben, doch das meiste erlernt man durch Beobachtung. 





      01.04.2017, 11:24 von Fin_Fang_Foom
    • 0

      Kommentar geht an Luca. 

      01.04.2017, 11:25 von Fin_Fang_Foom
    • 0

      Ahhh, Luc, blödes Handy. 

      01.04.2017, 11:25 von Fin_Fang_Foom
    • 1

      Ach, aber ich würde mich sehr freuen, hätte mein Vater nur im Ansatz so etwas liebevolles für mich verfasst. :-/

      01.04.2017, 12:10 von Fin_Fang_Foom
    • 1

      geht mir ähnlich, foom. 

      10.04.2017, 11:41 von hib
    • 0

      :)


      10.04.2017, 11:44 von Fin_Fang_Foom
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  • 0

    einfach. nur. schön.

    31.03.2017, 15:03 von Irina_st
    • 1

      das. finde. ich. auch. 

      01.04.2017, 18:57 von Fin_Fang_Foom
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  • 0

    Toll finde ich,  dass du so viele Absaetze machtest.  Sehr uebersichtlich.  Du berichtest ja nicht das erste Mal von der Liebe :-)


    Habe eine andere Frage:

    Du brauchst dir auch keine Sorgen machen,

    Zu "meiner"  Zeit mussten wir vor dem  "machen"  ein  "zu"  setzen.  Ist das in Deutschland mittlerweile abgeschafft worden ?
    Es gab einen Spruch:  Wer brauchen nicht mit "zu"  gebraucht,  braucht  brauchen ueberhaupt nicht zu gebrauchen. 

    viele sonnige Gruesse aus Venesuellaaaaa  :-)

    30.03.2017, 16:15 von Dr_Lapsus
    • 0

      https://www.youtube.com/watch?v=FnCdOQsX5kc

      30.03.2017, 16:51 von hib
    • 2

      Als  Weltklasse-autor kannst du natuerlich schreiben, wie es dir gefaellt :-)

      Aber ich bevorzuge  diese Version hier:

      "Nach dem Vorbild "Sie muss davon ja nichts erfahren" wird "Sie braucht davon ja nichts erfahren" gebildet. Dies gilt aber nicht als salonfähig. In gutem Deutsch heißt es nach wie vor: "Sie braucht davon ja nichts zu erfahren."

      Nur mal als Beispiel.  Dein  Link interessiert mich nicht. Es geht um gutes Deutsch. Was alles gesprochen wird, weiss ich auch. 
      Im Grunde kannst du deine  eigene Sprache entwickeln,  da wird keiner was dagegen haben.  Oder in einem Dialekt schreiben.  Ich wollte nur darauf hinweisen, dass es noch gutes Hochdeutsch gibt.  Ob es genutzt wird, bleibt den Deppen ueberlassen :-))

      Nur bei einer Bewerbung  wirst du grosse Schwierigkeiten  bekommen, wenn der Chef noch auf das Deutsch  Wert legt, das er einst  als "Hochdeutsch"  angeboten bekam. 

      30.03.2017, 18:06 von Dr_Lapsus
    • 0

      ich meine,  hier bei Neon koennen wir den groessten Bloedsinn schreiben, das stoert kaum Jemanden. :-))

      30.03.2017, 18:14 von Dr_Lapsus
    • 1

      Was ich noch fragen wollte  Hipilein:


      Wenn du im Analogleben etwas gefragt wirst,  "antwortest" du deinem Partner mit dem Hinweis, er soll sich einen Filmchen angucken ?

      Von Hoeflichkeit biste noch  ein bissken entfernt ??
      Mir ist klar,  ich von der Jugend etwas zu viel verlange.  Aber ein Versuchs war´s  wert :-)

      30.03.2017, 20:08 von Dr_Lapsus
    • 0

      ..........klar,   dass ich von der Jugend...

      30.03.2017, 20:10 von Dr_Lapsus
    • 2

      weißt du, pinguin. du brauchst mir so lang nichts von höflichkeit erzählen. oder ernsthafte antworten erwarten. solang du hier mit einem pinguinbild und einem ausgedachten namen hausieren gehst. wenn dich im wahren leben einer anspricht, hältst du dann auch eine geo vor dein gesicht und spielst anonymous?


      ich unterhalte mich sehr gern übers schreiben. übers erzählen. über die welt. bestimmt auch gern mit dir. aber eben auf augenhöhe. und pinguine gehen mit leider nur bis zum knie. :) 

      10.04.2017, 12:01 von hib
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  • 0

    herzergreifend, man spürt viele Emotionen, obwohl etwas holprig geschrieben 

    30.03.2017, 14:51 von phillippinn
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