Milow_fan. 30.11.-0001, 00:00 Uhr 14 5

Mehr als ein Happy End

Ich hatte mir überlegt, etwas bei dir zu vergessen. Meine Jacke. Meinen Kamm. Irgendetwas, das ich brauche. Aber nichts brauche ich so wie dich.

Es ist dunkel. Nur ein kleiner Lichtstrahl der energischen Morgensonne fällt durch den schmalen Spalt der Vorhänge in deinem Zimmer. Es ist früh, aber ich bin schlaflos. Schlaflos, weil ich es heute beende.

Meine Hoffnungen, mein Glück, mein Unglück, mein zweites Leben.

Ich will nicht mehr die Zweite sein. Nie wieder.

Der schmale, grelle Lichtstrahl fällt auf dein Gesicht, auf deine Haut. Ich habe sie immer „Babyhaut“ genannt. Du hast es gehasst wenn ich es sagte. Ich will dich versuchen zu hassen.

Deine Augen sind geschlossen, du schläfst so ruhig, du wirkst so sorglos. Dabei müsstest du aufgewühlt und verzweifelt sein, aber du hast dir deine Zerrissenheit nie anmerken lassen. Dein schlechtes Gewissen hast du versucht zu verdrängen, aber ich habe es dir immer angesehen, wie es dich innerlich versuchte aufzufressen.

Ich küsse dich. Ich küsse deine schlummernden Lippen, die so lange geschwiegen haben. Ich küsse deine Stirn, weil du mich immer beschützt hast. Du hast mir nie das Gefühl gegeben, weniger zu sein. Weniger zu sein als sie. Aber das ist jetzt vorbei. Ich hatte nie ein Recht oder einen Anspruch auf deine Liebe, und habe es auch jetzt nicht und will es nie haben. Wenn du jetzt aufwachen würdest, ich müsste dich anschreien, ich will dir wehtun, so wie du ihr weh tust, ich möchte dich fragen warum wir das tun, warum ich, warum wir, warum überhaupt. Es wirkt doch alles wie ein Spiel, das nicht gut enden kann, weil ich den Anfang nicht kenne. Glaub ja nicht, dass ich nicht ohne dich zu Recht kommen könnte.  Ich werde es. Ab jetzt. Ab heute. Ganz ohne dich.

Ich bin schuld. Genauso wie du. Ich beiße mir auf meine Lippe, irgendetwas schmerzt in mir, irgendetwas schreit, aber ich weiß nicht warum. Ich war doch so lange schon taub.

Ich richte mich auf, schiebe die Decke zur Seite und schleiche mit nackten Füßen zur Tür. Ich verschwinde. Von hier, aus deinem Leben.

Ich hatte mir überlegt, etwas bei dir zu vergessen. Meine Jacke. Meinen Kamm. Irgendetwas, das ich brauche. Aber nichts brauche ich so wie dich.

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Ich habe nach Gründen gesucht, um noch ein letztes Mal vor deiner Tür stehen zu müssen, aber ich muss nicht. Ich will. Und jetzt darf ich. Ich kann jeden Tag kommen, ich kann dich in jeder Sekunde anrufen, dir schreiben, dich umarmen, umgarnen, dich küssen und lieben und dir vorsingen, ich habe nicht mehr das Gefühl nichts zu sein.

All die Wochen, in denen mir hoffnungslose Geister gesagt haben, dass es nie so weit hätte kommen dürfen, dass es unfair ist sich so zu verhalten, dass es für mich nie gut ausgehen könnte.

Aber plötzlich sehe ich das Ende. Es ist Valentinstag und es ist kitschig und albern und gleichzeitig so herzzerreißend schön und unbegreiflich. Wir beide. Die besten Freunde, die alles richtig machen wollten und alles falsch gemacht haben. Du hast den vielleicht größten Schritt deines Lebens gemacht, und ich schüttle innerlich immer noch den Kopf wenn ich daran denke, wie hoffnungslos es doch alles war.

Jetzt liege ich neben dir und du schaust mich lächelnd an. Die Sonnenstrahlen haben sich weiter ausgebreitet. Ich will nicht gehen. Und ich muss auch gar nicht. Ich habe nicht mehr an ein Happy End geglaubt. Dass du dich gegen sie entscheidest, mit der du Jahre verbracht und Erinnerungen geteilt hast. Niemand glaubt in dieser Situation daran. Aber nichts ist unmöglich. Die Zukunft gehört jetzt uns. Mit jedem Blick, jedem Wort, jeder Berührung und Erinnerung.

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14 Antworten

Kommentare

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  • 0

    ich könnte es nicht besser beschreiben :)

    20.04.2012, 13:09 von Frau-MuhKuh
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    Als ich deinen Kommentar bei "Doppelliebe" gelesen habe, wusste ich irgendwie, dass ich so einen Artikel finden würde. (Berechnung ist kacke)



    Dass du dich gegen sie entscheidest, mit der du Jahre verbracht und Erinnerungen geteilt hast.


    und dann



    Die Zukunft gehört jetzt uns


    ist ja schön. naiv. Und irgendwie ein Oxymoron.


     


    Wie gesagt, berechnung ist *****

    10.04.2012, 14:09 von Jingeling89
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 1

      danke Pforsten.


      Ich hab dich auch lieb

      10.04.2012, 15:01 von Jingeling89
    • 0

      hachja. manchmal ist das leben viel zu schön um war zu sein. jingeling89, vielleicht wirst du das auch irgendwann erfahren dürfen.

      10.04.2012, 15:15 von Milow_fan.
    • 0

      *wahr.

      10.04.2012, 15:16 von Milow_fan.
    • 1

      ja vielleicht.


      Hoffentlich bleibt mir die Quintessenz meines Kommentars aber erspart.

      10.04.2012, 15:26 von Jingeling89
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      na du musst es ja wissen ;)

      17.01.2013, 20:49 von Milow_fan.
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      warum stellst du dann vermutungen an?


      über 11 monate ist das jetzt her, ich kann mich nicht beschweren...

      18.01.2013, 14:27 von Milow_fan.
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      wie kindisch du bist

      18.01.2013, 16:57 von Milow_fan.
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  • 0

    Perfekte Worte.

    09.03.2012, 23:31 von lost.in.thoughts
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