Beens 08.11.2011, 17:11 Uhr 0 5

Mauermädchen

„ So sehr ich es bedauer, schaff ich's nicht bis zu dir. Und ich schreib auf deine Mauer "Ich war hier".

Und je weiter ich mich dann entfern, desto leichter fällt's, zu verstehen. Ich weiß, du magst mich auch sehr gern - mit etwas Abstand versehen“


Wie viele Tage, Nächte, Wochen und Monate habe ich es versucht, so wie Alin Coen es besingt.

Ich habe versucht, ein kleines Bisschen von dir für mich zu gewinnen. Mich gegen die Stimmen aller gewehrt, die gesagt habe – lass es sein. Sei stolz! Es tut dir nicht gut.

Aber dann waren da diese kleinen Momente. Abends nach zwei stillen Stunden vor dem Fernsehprogramm, in denen ich verloren neben dir auf der Couch verweilte und mich nach einem lieben Blick, einem lieben Wort neben dem inhaltslosen Gerede über Dinge, die keine Welt bewegen, oder einer lieben Geste gesehnt habe. Dann öffnest du deinen Arm, grinst mir zu und sagst „Die Dame“. Und mein Herz schlägt viel schneller als es schlagen sollte, so schnell, dass es die verlorenen Stunden davor wieder aufholt. Ich lächele dich an und mein Herz lächelt noch viel mehr. Und ich lege mich in deinen Arm und genieße. Versuche alles und noch viel mehr in mir aufzusaugen. Die Geborgenheit, die eigentlich gar nicht existiert, aber für einen kleinen Moment Einzug erhält in deine sonst so strikt rationale Welt.

Und jeden Morgen, an dem ich mich leise aus deinem Bett geschlichen habe, um zur Arbeit zu fahren, nahm ich diese Geborgenheit mit. Sie begleitete mich noch ein Stück des Tages und ließ das Glück auf meiner Schulter sitzen. So lange, bis es Abend wurde, bis es einen Tag später war, zwei Tage und ich vergeblich auf etwas von dir wartete. Etwas, von dem ich wusste, dass es nicht kommt. Weil dir die wenigen Minuten Nähe, ich in deinem Arm, deine Hand in meiner vor dem Einschlafen, weil du nur auf dem Bauch schlafen kannst, ein Kuss, der ein wenig zu liebevoll wird, dir schon wieder zu viel waren. Jetzt brauchst du ein paar Tage um es von dir wegzuschieben und dann beginnt es wieder von vorne.

Ich habe so oft versucht davon los zu kommen, denn gehe ich einen Schritt zurück, kommst du mit offenen Armen auf mich zu. Aber ich kann dort nie lange verweilen, du ziehst mich an, ich komme auf dich zu und du entgleitest mir. Wieder und wieder.

Bis ich dieses Lied fand. Ich kann nicht sagen, wie oft ich es gehört habe. Aber es ließ mich begreifen, dass ich keine Kraft mehr habe, ewig an deinen Fugen zu kratzen, damit sich irgendetwas regt. Du hast mich so gerne hinter der Mauer. Hinter deiner großen dicken Mauer, dass ich dir ja nicht zu nahe komme. Weil du an Beziehungen nicht glaubst, Widerspruch zwecklos. Aber dort stehen und warten soll ich bitte.

Ich habe mich viel zu lange mit den kleinen Momenten begnügt, in denen du mich auf deine Seite der Mauer gelassen und mich ganz nah zu dir gezogen hast. In denen ich spürte, dass du mich gerade brauchst, obwohl du es nie zugeben würdest. Sie haben die Tage auf der anderen Seite der Mauer wettgemacht, in denen ich nichts anderes tat als auf sie zu schauen, sie zu verfluchen, sie versucht habe mit voller Kraft und mit meinem Innersten einzustürzen oder zumindest eine kleine Tür zu bauen.

Ich bin weit weg gelaufen vor dieser Mauer. Trotz der Entfernung tauchst du an allen Ecken und Enden wieder auf, ganz ohne Mauer, mit deinem Lächeln, was mich verzaubert hat. Was mich immer noch immer wieder aufs Neue träumen lässt. Und ich muss mich zwingen die Mauer nicht zu vergessen, die doch existiert. Du schaffst es nur auf eine so leichte, wundervolle Weise einen das vergessen zu lassen.

Ich wünsche dir, dass du irgendwann ein neues Mauermädchen findest und dass sie die Kraft hat so lange standzuhalten, bis die Tür fertig gebaut ist. Die Tür zu dir und deinem Herzen.


Tags: Lied, Mauer
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