lauerae 11.10.2015, 23:23 Uhr 1 3

Manchmal reicht Liebe einfach nicht aus

Er sieht sie an und weiß, dass wird sie zerbrechen. Ihre zarte Gestalt wird in sich zusammen brechen. Er war der tragende Balken.

Graue Welt, bemalt mit den Farben der Sonne.

Er sieht sie an und weiß, dass wird sie zerbrechen. Ihre zarte Gestalt wird in sich zusammen brechen. Er war der tragende Balken in ihrer verwinkelten Konstruktion. Es wurde ihm einfach zu viel die gesamte Last ihrer selbst zu tragen.

Die kalte Luft verleiht ihrer farblosen Haut etwas Leben. Leben, das er so an ihr geliebt hat. Das Strahlen in ihren Augen wenn sie von den Sachen sprach, die sie liebte. Die wilden Bewegungen ihrer Hände, wenn sie sich sträubte vor Wut. Das erstickte und kehlige Geräusch ihrer Stimme, wenn sie versuchte beim Weinen den Klos in ihrem Hals runterzuschlucken und der Ausdruck auf ihrem Gesicht, wenn sich der Geschmack ihres Lieblingsdesserts auf ihrer Zunge ausbreitete. Leben, das sie verlernt hatte.

Sie blickt zu Boden und spielt unbeholfen an ihrer Nagelhaut herum. Das macht sie immer, wenn sie nervös wird.

Sie weiß, was er ihr sagen wird. Sie hat sich diese Situation schon unzählige Male ausgemalt. Ihr Blick fällt auf seine Hände und sie kann nicht anders als sich zu wünschen diese berühren zu dürfen. Noch einmal die Wärme seiner Haut zu spüren, die ihr so viel Geborgenheit schenkt. Sie weiß sie ist süchtig. Süchtig, nach dem Gefühl, dass er in ihr auslöst.

Lodernde Flammen, die ihre Adern entzünden und sie brennen lassen. Vor Leidenschaft, vor Sehnsucht, vor Begierde, vor Angst. Angst, es könnte irgendwann zu Ende sein. Doch was sie nicht sah war, dass diese Flammen nicht leuchten ließen, nein sie brannten alles nieder was sie war. Alles was sie ausmachte. Sie war nur noch ihre eigene Sucht nach ihm.
Und das wusste er. Er hat bemerkt wie sie zu allem wurde, was sie nicht war und wie sie alles verlor, was ihn sie lieben ließ.  Und er wusste, dass zu viel Leben in sich hatte um es an ihn zu verlieren. Und er wusste, dass er ihr nie so viel geben könnte um das auszugleichen, was sie aufgegeben hatte. Niemals wäre seine Liebe stark genug um all ihre Facetten tragen zu können. Das konnte nur sie. Und er wusste, dass sie es konnte, weshalb er das tun musste.

„Es funktioniert nicht mehr, das weißt du selber“ sagt er schließlich und blickt sie an. Er bemerkt, wie ihr Körper anfängt sich zu verkrampfen. Wie ihre Muskeln anfangen zu beben und zu zittern. Sie kämpft dagegen an. Sie kämpft gegen den Schmerz dieser Worte, die auf ihr offenes Herz geschossen wurden. Ihr Kopf ist nach unten gerichtet und er bemerkt wie sie versucht Mut zu finden ihn anzusehen. Mit einer schnellen Bewegung wagt sie einen unsicheren Blick in seine Richtung. Ihre Augen sind groß und voller Furcht. Ihr Haar glänzt in den letzten Sonnenstrahlen des Tages und die Kälte zeichnet sich in der Röte ihrer Wangen ab. Er weiß wie schön sie ist. Doch sie ist schöner, wenn sie glücklich ist.

„Aber ich weiß doch jetzt was ich falsch gemacht habe. Ich kann mich ändern, bitte gib uns nicht auf“ entgegnet sie schließlich mit leiser Stimme. Er sieht die Verzweiflung in ihren Augen. Er weiß was er für sie ist und was er ihr damit antut aber er kann das nicht länger. Er kann nicht ihr „alles“ sein, denn er würde nicht reichen. Sie braucht mehr. Und das weiß er.

„Nein, ich möchte nicht dass du dich änderst. Ich möchte dass du Du bleibst. Wir passen eben einfach nicht zusammen“. Sein Blick ist durchdringend. Es schmerzt sie noch mehr, dass er so entschlossen ist. Entschlossen darin, sie aufzugeben. „Ich liebe dich, warum reicht das nicht. Warum willst du nicht um mich kämpfen? Liebst du mich nicht mehr?“. Sie verliert ihren innerlichen Kampf um Fassung. Tränen strömen über ihr Gesicht, ihr Körper sackt zusammen und ihre Stimme bricht bei dem Versuch fest zu klingen. Sie zerbricht zu seinen Füßen.

„Natürlich liebe ich dich, aber das reicht manchmal eben nicht. Du machst mich kaputt, ich mache dich kaputt. Wir tuen uns nicht gut!“. Sie blickt nach oben zu ihm auf und erschrickt bei dem Anblick seiner roten Augen. Tränen sammeln sich darin. Sie ist zu perplex, um reagieren zu können. Stattdessen starrt sie wieder auf ihre Hände. Sie hat immer gewusst dass sie ihn mehr liebt als er sie, deshalb überrascht sie seine Emotionalität. In diesem Augenblick wird ihr klar, dass es echt war. Sie war ihm genug, um sie zu lieben. Daran hatte sie nie geglaubt, doch jetzt sieht sie es mit ihren eigenen Augen. Er hat sie geliebt. So gut er konnte. Und jetzt ist es zu spät. Es steht zu viel zwischen ihnen. Zu viele unausgesprochene Worte, zu viel emotionale Distanz und zu wenig Vertrauen ineinander. Sie weiß, dass er recht hat doch das ändert nichts an der Tatsache, dass sie nicht weiß wohin ohne ihn. Er war ihr Kompass, ihr Polarstern. Sie ist verloren.

„Bekomme ich einen letzten Kuss?“ bittet sie still. Er ringt einen Moment, denn er weiß er wird ihr damit nur noch mehr wehtun. Doch schließlich tritt er einen Schritt näher und  zieht sie vom Boden nach oben. Die Traurigkeit ihrer Augen ist tief und der Schmerz, der darin liegt ansteckend. Er umfasst ihre glühenden Wangen und küsst ihre salzigen Lippen ein letztes Mal.

Ihr entfährt ein klägliches Stöhnen. Er löst sich von ihr mit der Hoffnung den Schmerz nicht verstärkt zu haben. Doch beim Anblick ihrer Augen erstarrt er. Sie sind leer. 


Tags: Schmerz, Sehnsucht, schlussmachen, Herbst, Tränen, Gefühle
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1 Antworten

Kommentare

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    Wow. Ich bete, dass du das nicht erleben musstest, man kann den schmerz beim lesen spüren.

    13.10.2015, 02:07 von C-King
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