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mon_coer 24.02.2013, 18:22 Uhr 59 157

Manchmal muss man die Angst überwinden, um Platz für etwas besseres zu schaffen

Ich weiß, du suchst nach jemandem, der für dich da ist und es akzeptiert, dass du manchmal so unnahbar bist.

Es klingelt an meiner Tür. Ich weiß, dass du es bist, denn ich warte schon seit einer guten halben Stunde auf dich. Mein Herz klopft.

Obwohl du eigentlich genug andere Sachen zu tun hast, bist du jetzt hier. Hast eine Stunde Autofahrt auf dich genommen, um bei mir zu sein. Aber das hier ist kein Date, das haben wir vorher betont.

Ich stehe am Herd und koche, du sitzt am Küchentisch und siehst mir zu. Das hier ist nicht das erste Mal, dass wir den Abend zusammen verbringen, mit der Gewissheit, dass wir sowieso wieder miteinander im Bett landen. Und trotzdem fühlt es sich diesmal anders an. Weil du extra hergekommen bist. Weil wir uns nicht einfach nur sehen, weil wir nichts besseres zu tun haben.

Das hier ist kein Date, aber wenn wir hier sitzen, zusammen essen, Wein trinken und du mich so anschaust, fühlt es sich wie eins an.

Ein paar Stunden später liegen wir geschafft und glücklich in meinem  Bett, mein Kopf auf deiner Brust. Ich denke darüber nach, wie perfekt dieser Moment eigentlich ist. Wie sehr wünsche ich mir, diesen Moment einfrieren und für immer behalten zu können. Und wie so oft frage ich mich, warum wir eigentlich kein Paar sind, obwohl doch alles passt. Du weißt genau, dass ich alles tun würde, damit es funktioniert, obwohl es alles andere als einfach werden würde. Denn deine Depressionen zwingen dich viel zu oft, dich von den Menschen zu distanzieren, die dir eigentlich gut tun. Dann sitzt du manchmal tagelang in deinem dunklen Zimmer, zu unmotiviert, überhaupt aus dem Bett aufzustehen. An solchen Tagen komme selbst ich nicht an dich ran, egal, wie sehr ich mir das auch wünsche.

Ich weiß, du suchst nach jemandem, der für dich da ist und es akzeptiert, dass du manchmal so unnahbar bist. Aber du hast Angst, dich darauf einzulassen und deshalb siehst du nicht, dass du eigentlich schon am Ziel deiner Suche sein könntest.

Du streichst mir übers Haar und fragst, warum ich so ruhig bin. Und dieses eine Mal beschließe ich, mir nicht irgendeine Ausrede einfallen zu lassen, sondern einfach ehrlich zu sein. Ich sehe dich an.

„Wovor hast du eigentlich Angst?“, frage ich. „Weißt du, ich würde es akzeptieren, dass wir einfach nur Freunde mit Sonderleistungen sind. Aber ich bekomme immer wieder das Gefühl, dass da mehr ist. Und vor allem, dass es dir genauso geht. Du sagst mir so oft, dass ich dir gut tue und dass du immer besser schläfst, wenn ich da bin. Und du weißt, dass du das immer haben könntest. Also warum lässt du es nicht zu?“

Endlose Sekunden der Stille vergehen. Ich weiß, dass du versuchst, deine Gedanken zu ordnen. Dann endlich erlöst mich der Klang deiner Stimme. „Du kennst mich mittlerweile besser als jeder andere und du sagst immer, dass dir bewusst ist, dass es schwierig wäre, mit mir zusammen zu sein. Aber ich habe Angst, dass du nicht einschätzen kannst, wie schwierig ich wirklich bin. Ich wäre bereit, an mir zu arbeiten, aber ich kann dir nicht versprechen, dass es nicht trotzdem Tage gibt, an denen ich so sehr mit mir selbst beschäftigt bin, dass ich mich nicht bei dir melde und auch auf deine Nachrichten nicht reagiere. Was, wenn dir dann klar wird, dass du so eine Beziehung nicht willst? Dass deine Liebe nicht ausreicht, um das auszuhalten?“

In diesem Moment siehst du so verletzlich aus, dass ich dich am liebsten umarmen und nie wieder loslassen würde. Um dich vor dir selbst und vor der Wirklichkeit außerhalb meiner Wohnung zu beschützen. Stattdessen nehme ich deine Hand und sage: „Ich kann dir nicht versprechen, dass das nicht irgendwann passieren wird. Ich kann dir sagen, dass ich dich im Moment so sehr liebe, dass ich alles tun werde, damit es funktioniert. Wenn dazu gehört, dass ich akzeptieren muss, dass es Situationen gibt in denen nicht einmal ich dir helfen kann, dann ist das so. Mir ist bewusst, dass es nicht einfach wird, aber das Gefühl, das ich habe wenn du bei mir bist, gibt mir die Gewissheit, dass es sich lohnt es zu versuchen.

Ich sehe dich an und erkenne die Erleichterung in deinen Augen. Du küsst mich so hingebungsvoll, dass mir Tränen in die Augen steigen. Nein, das hier ist kein Date. Es ist viel mehr als das.

                                 

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59 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 1

    Sehr schöner Text, spricht mir aus der Seele. Ich bin mit jemanden zusammen, der auch immer wieder depressive Phasen hat und sich dann verkriecht. Gemeinsam haben wir eine schwere Zeit gehabt, inzwischen ist er in Behandlung und wir haben es akzeptiert, dass es immer mal wieder durchbricht. Ich finde wenn man jemanden liebt, dann kämpft man auch dafür und gibt nicht klein bei, wenn Schwierigkeiten aufkommen. Gerade dann zeigt sich doch was Liebe heisst... Ich finde deine Einstellung sehr gut und ich wünsche euch alles Gute. Gemeinsam könnt ihr das schaffen. Wir haben es auch geschafft und sind zusammen schon einige Jahre glücklich...

    21.03.2013, 15:43 von AngieS
    • 0

      Danke. Es macht Mut, auch mal von jemandem zu hören, bei dem es funktioniert :)

      21.03.2013, 17:16 von mon_coer
    • 0

      gerne ;). Darf nur nicht aufgeben und auch mal loslassen können. Manchmal reicht es wenn man einfach nur da ist und der andere weiss er ist nicht alleine...

      21.03.2013, 17:18 von AngieS
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  • 2

    Dieser Text berührte mich gerade ganz subjektiv zutiefst. Nicht nur,weil ich diese Situation kenne,sondern auch,weil ich keine besseren Worte zur Beschreibung für diese Gefühle hätte finden können.

    19.03.2013, 15:09 von ZitronenToast
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  • 0

    Oje, Du hast keine Ahnung, worauf Du Dich einlässt. Sie ist ein übermächtiger Gegner, die schon so viele Lieben zerstört hat. Wenn ihr die Ausnahme seit, ziehe ich vor Deiner Kraft und Geduld den Hut...vermute aber, dass es dazu nicht kommen wird.

    18.03.2013, 18:04 von LilaKoboldmaki
    • 0

      Ich hatte tatsächlich keine ahnung, dass es so kompliziert wird. Aber ich liebe ihn und hab noch diese romantische einstellung dass man mit liebe und arbeit alles schaffen kann :). Mal sehen was die zukunft noch bringt

      18.03.2013, 23:09 von mon_coer
    • 0

      ;-)...Alles Gute

      19.03.2013, 00:07 von LilaKoboldmaki
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  • 1

    Wenn der Kopf sich in Herzensdinge einmischt
    und ihm mit Worten eins auswischt
    dann sollte der Mensch das Herz fragen
    ist das noch zu ertragen?
    Das Herz würde Nein sagen...

    18.03.2013, 10:56 von Filousoph
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  • 0

    "iebe mich dann wenn ich es am wenigsten verdient habe, denn dann brauche ich es am meisten"

    18.03.2013, 02:34 von LeleSchroeder
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  • 1

    Es ist genau das!Genau so...macht mich glücklich und traurig gleichzeitig!

    16.03.2013, 18:39 von MiezXMachina
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  • 0

    Wow... das hat mich echt berührt.Ich hoffe das beste für Euch!

    15.03.2013, 21:26 von JaNeeIstKlar
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  • 2

    Und dann? Dann geht es doch erst los? Mit der Leere, der Verzweiflung, der Anstrengung. Typische Lovestory. Zwei, die sich wollen, aber nicht können und am Ende doch zueinander finden. Happy End. Doch nach dem Happy End geht das Leben weiter und erst da wirds interessant. Wie man es dann schafft, Ängste zu überwinden und sich den Platz für das Bessere zu erhalten. Also: Fortsetzung bitte.

    15.03.2013, 20:11 von Melliteratur
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  • 0

    Kenne auch so einen Kandidaten - schöner Text, weckt und erinnert vieles ... 

    15.03.2013, 14:00 von Sommerschein
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