sommersprosse. 30.11.-0001, 00:00 Uhr 7 1

Love is hard.

Der Rest ihres Pärchens war aber nun leider nicht da, und so kam es, dass der Pärchentag diese Woche etwas ausgedehnt war - geografisch gesehen.

Ganz alleine saß sie in ihrem kleinen Zimmer und starrte abwechselnd die Wand an und aus dem Fenster heraus. Es schneite ein ganz klein wenig, gerade so, dass eine dünne Puderzuckerschicht den nassen Boden bedecken konnte und die ganze Umgebung ein wenig sanfter und angenehmer erscheinen ließ. Es war kalt draußen, und obwohl sie ihre Heizung angestellt hatte, fröstelte sie.
Den ganzen Tag war sie nicht wirklich aus dem Bett gekommen. Nach dem Abend mit ihrer Freundin hatte sie lange geschlafen und nur schnell gefrühstückt, und war dann wieder ins warme, weiche Bett gekrochen. Sie versteckte sich vor dem Wetter, ihren Aufgaben und der Realität.

Sie konnten sich nicht sehen dieses Wochenende, er und sie, und so hatte sie versucht, den größten Teil der freien Tage so mit Terminen voll zu packen, dass sie möglichst wenig daran denken musste, was sie wohl für gewöhnlich jetzt gemeinsam tun würden.
Doch jetzt war Sonntag, die Einkäufe waren erledigt, die neue Wohnung war besichtigt, der Mädelsabend war vergangen und auch für die Seminare war schon gelernt worden. Sonntag ist Pärchentag. geisterte in ihrem Kopf herum; ein Satz, den sie vor einiger Zeit mal irgendwo aufgeschnappt hatte. Der Rest ihres Pärchens war aber nun leider nicht da, und so kam es, dass der Pärchentag diese Woche etwas ausgedehnt war - geografisch gesehen.

Ihr iTunes spielte James Morrison, Love is hard. Er hatte Recht, dachte sie. Auch wenn sie ohne die Liebe zu ihm und von ihm das Gefühl hatte, nicht mehr atmen zu können, so war es doch anstrengend. Es tat weh. Loves takes hostages and gives them pain, gives someone the power to hurt you again and again.< Sie dachte über seine Aussage nach und fragte sich, was James wohl erfahren hatte, dass er solche Texte schrieb. Soweit sie wusste, war er glücklich verheiratet. Aber anscheinend gibt es auch in glücklichen Ehen solche Momente, und das beruhigte sie.

Von außen bekamen er und sie öfter zu hören, dass sie das perfekte Paar wären. Eine Freundin sagte sogar einmal, dass sie sich nicht mehr vorstellen könne, dass die beiden nicht mehr zusammen seien könnten, und dass sie sicher sei, dass sie eines Tages heiraten würden. Eine andere reagierte erstaunt auf die Antwort, dass sie bereits seit 1 1/2 Jahren zusammen waren und antwortete: "Ihr seid ja immer noch so wahnsinnig frisch verliebt."

Im Inneren sah das manchmal anders aus, das wusste sie und auch er. Manchmal schien die Verzweiflung über die eigenen Gefühle zu überwiegen. Oft, wenn sie alleine war, dachte sie an ihn. Manchmal machte ihr die eigene Abhängigkeit Angst. Sie konnte sich tatsächlich nicht mehr vorstellen, ohne ihn zu sein. Es schien ihr unvorstellbar, ein zweites Mal ein Auslandssemester zu machen, ohne von der Sehnsucht erdrückt zu werden. Es tat ihr dennoch gut, diese befristete Trennung unter der Woche, weil sie das Gefühl hatte, ihre Abhängigkeit so ein wenig besser in den Griff zu bekommen. Es schien ihr leichter, sich nun auch einfach mal mit anderen zu treffen, ohne ständig daran denken zu müssen, dass so Zeit mit ihm verloren ging.

Der Sonntag plätscherte also so vor sich hin, mittlerweile war es sogar schon spät, und sie hatte tatsächlich noch etwas Produktives zustande gebracht.
Dennoch rechnete sie schon wieder. Die Minuten, bis sie seine Stimme hören würde, die Stunden, bis sie ihn in die Arme schließen würde, die Tage, nach denen sie wieder gehen würde.
Ihr Kopf war voller Zahlen, sie schwirrten herum und verwirrten sie, und dann musste sie an seinen Satz denken: "Hör auf zu rechnen, Süße. Genieß die Zeit, die wir haben."

Dennoch schaute sie auf die Uhr - noch acht Minuten bis Diensschluss, vermutlich noch etwa 38 Minuten bis zum erlösenden Klingelton.

Liebe tut weh, ja. Es ist manchmal ein Gefühl, als würden einem die Knochen gebrochen werden, als würden die Adern platzen, wenn das Blut versucht, hindurch zu pochen, als würden einem Extremitäten abgerissen werden, als würde jemand einen festnageln.
Aber manchmal ist es eben auch ein Gefühl, als würde man aus 5 Metern Höhe in ein weichen Kissenbecken fallen, als würde man meterhoch Trampolin springen, als würde man nach Tagen der Wachheit endlich ins Bett fallen, als würde man die wochenlang gefürchteten Klausuren endlich abgeschlossen haben oder als würde man nach Tagen des Herumirrens endlich zu Hause ankommen.

Das war eben auch Liebe.

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7 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Eine Frage: Welchen Zweck verfolgt ein englischer Titel, über einer Kurzgeschichte in deutscher Sprache?

    28.02.2012, 21:37 von hihihimmel
    • 0

      Das ist der Titel eines Liedes, auf das sich die Protagonistin ja auch im Text bezieht. 

      28.02.2012, 21:40 von sommersprosse.
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      Ja richtig. :) Lieben Dank.

      28.02.2012, 21:46 von hihihimmel
    • 0

      gern :)

      28.02.2012, 21:50 von sommersprosse.
    • 0

      Sowas nennt man künstlerische Freiheit, meine Güte.
      Wieso haben die Doitschen Jungens und Mädels amerikansche Kleider, in China zusammengenäht, an und keine Doitschen Lederhosen?
      Weil's geiler aussieht... just kidding ^^"

      28.02.2012, 22:03 von Dalek
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    wahnsinnig toller Text, wirklich.

    05.03.2011, 22:06 von coukei
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