Einfachso_ 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 4

Loslassen schmerzt.

Rhetorische Fragen sind so mein Ding, ihr merkt schon.

Loslassen schmerzt. Es brennt in der Seele und an allen Stellen des Körpers, die sonst gekribbelt haben, wenn man glücklich war. Menschen sind eigentlich nicht dafür gemacht. Sie sollten sich besser garnicht an andere Menschen gewöhnen. Besser, man macht immer neue Bekanntschaften und baut so wenig Nähe wie möglich zu diesen auf. Kurze Begegnungen, zweisame Nächte, einsame Morgende. Loslassen schmerzt. Immer. Ganz gleich, wie lange man diesen Menschen kennt. Wie intensiv das empfinden ist, ist abhängig von der Person, die es erlebt. Aber niemand kann mir erzählen, dass es einem rein garnichts ausmacht, wenn jemand geht. Es schmerzt, es schmerzt, es schmerzt. Neue Bekanntschaften machen schmerzt. Anfassen schmerzt. Was bringt das alles, wenn es nur für kurze Zeit anhält? Ist es in unserer Zeit so schwer geworden, jemanden zu finden, der mit dem zufrieden ist, was ich geben kann? Liebende geben grundsätzlich mehr, als sie können, warum also verlangt man nach mehr? Rhetorische Fragen sind so mein Ding, ihr merkt schon. Ich werde nicht schlau aus zwischenmenschlichen Beziehungen. Bisher war ich immer diejenige, die mehr geliebt hat. Aber das würde wohl jeder Mensch den ich mal geliebt habe auch sagen. Die Dinge verlaufen manchmal nicht gut und mit manchmal meine ich immer. Ich weiß garnicht, warum mir das nur immer so zusetzt, so sehr, dass ich mich besser mal auf meinen Arsch setzen und alles in ein Buch zusammenfassen sollte, damit mir meine Traurigkeit wenigstens etwas Profit einbringt. Ist ja nichts neues, dass man sowas macht. Sadness sells. Leider. Ich sage nicht, dass jeder in meiner Umgebung ein besseres Leben als ich hat, aber ich glaube, dass ich es besser machen könnte, wenn ich nicht alles so derart nah an mich heranlassen würde. Loslassen schmerzt. Verdammt. Es brennt mir im Hals und ich möchte weinen, am liebsten jeden Abend. Ich hätte gerne ein Geheimrezept für solche Fälle. Aber mir fällt nicht mehr ein, als mich abzulenken, indem ich Texte darüber schreibe, wie sich so etwas anfühlt. Sehr effektiv. Loslassen schmerzt. Aber muss es das? Gehört das zum Prozess des Loslassens? Verfallen Menschen, die Verlustängste und derartiges als Kind ignoriert haben, nicht als Erwachsene in tiefe Depression? Es gibt bestimmt Studien dazu, aber da ich hier keine wIssenschaftliche Arbeit schreibe, kann ich auch einfach ein ‘fickt euch’ in den Text einbauen ohne dass mir das jemand ankreidet. “Kommt damit klar” könnte ich sagen, aber ich komme ja nichtmal selbst damit klar, dass zwischenmenschliche Beziehungen so unbeständig sind. Liegt das möglicherweise einfach daran, dass wir durch unsere Gesellschaft ein Bild vermittelt bekommen, welches konservative Werte wie Ehe, Familie und Kinder als spießig bezeichnet? Heute möchte doch jeder ‘cool’ sein, dann schwimmt man eben mit dem Strom und stellt sich darauf ein Dinge wegzuschmeißen oder sie zu ersetzen, wenn sie nicht mehr funktionieren. Reparieren ist zeitaufwendig und teuer. Und neu ist ja bekanntlich immer besser. Vielleicht entwickelt sich die Menschheit somit in genau die Richtung, die lukrativ wäre, für eine Arbeitswelt in der Schwangerschaftsurlaub und Elternzeit nur Stolpersteine sind? Der Mensch entwickelt sich mit. Zumindest was das Karrieredenken bestrifft. Vielleicht kennt man in paar hundert Jahren das Prinzip der Ehe überhaupt nicht mehr. Vielleicht ist das gut. Oder vielleicht möchte ich mir das alles auch nur schön reden und ich bin auch schon von diesem Zukunftswahnsinn infiziert. Vielleicht gibt es dann kein Loslassen mehr, weil man nie etwas bekommen hat? Vielleicht ist es dann in Ordnung, dass man geht, ohne etwas zu sagen? Aber was auch immer noch kommt, egal was die Zukunft bringt, es hilft mir nicht, denn genau jetzt in diesem Moment schmerzt es mehr denn je.

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