...Lia 19.01.2013, 22:56 Uhr 37 78

Los gelöst und fest gebunden

Du musst endlich mal loslassen und von mir wegkommen. Sonst geht es dir immer schlecht.

Du musst endlich mal loslassen und von mir wegkommen. Sonst geht es dir immer schlecht.
Danke. Gut, dass du es sagst. Wäre ich von alleine nie drauf gekommen.

Ich weiß, dass es falsch war. Falsch, dir zu sagen, dass du mir fehlst. Ich musste es dir sagen und wusste doch, dass es falsch ist. Hab es schon bereut, bevor ich dir überhaupt gesagt habe, dass du fehlst.
Hilflosigkeit. Überforderung. Bei uns beiden.

Später dann hoffst du, dass ich dich nicht immer noch vermisse.
Das tue ich nicht. Nicht immer. Manchmal geht es. Und manchmal fehlst du mir. Ich vermisse dich nicht, du fehlst. Weil du nicht mehr da bist. Aber es geht schon wieder. Es wird besser. Stück für Stück. Tag für Tag.

Du musst endlich mal loslassen und von mir wegkommen. Sonst geht es dir immer schlecht.
Und das, wo es mir gerade wieder besser ging. Hatte wieder die Kurve bekommen, nicht mehr bereut, dir gesagt zu haben, dass du fehlst. War einfach wieder glücklich, stark. Du warst da, du hast mir nicht gefehlt und es war okay. Absolut.

Es ging mir gut. Wirklich. Bis du gesagt hast, ich muss loslassen. Weil es mir sonst immer schlecht gehen würde. Und das, obwohl es mir gut ging.
Meinst du, ich weiß nicht, dass es besser wäre, loszulassen?
Ich will doch auch, dass es aufhört! Aber wie denkst du dir das?

Meine Gefühle sind kein herzchenförmiger Heliumluftballon, den ich loslassen kann, der dann losfliegt. Weg ist. Problem gelöst.
So spielt das Leben nicht.

Mein Kopf hat dich losgelassen, aber mein Herz weigert sich noch. Es hängt noch an dir.
Und wenn du gehst, rennt mein Herz dir hinterher und zieht meinen Körper, meinen Kopf mit sich. Und weigern können sie sich nicht, weil du mir sonst das Herz aus dem Körper reißen würdest. Es würde an einem Band, an einem Seil hinter dir her flattern und ich säß da. Mit einem Loch in der Brust.

So hab ich nur ein Loch im Herzen. Kleineres Übel. Vielleicht.
Hast mein Herz getroffen. Dich darin festgesetzt. Mit Widerhaken. Und jetzt kann ich dich nicht einfach rausreißen. Dann wäre mein Herz komplett zerfetzt, zerrissen. So funktioniert das nicht.

Willst du, dass ich dich vergesse?
Das kann ich nicht. Nicht, wenn ich dich jeden Tag vor Augen habe. Jeden Tag das, was ich will, sehe und immer daran erinnert werde, dass ich genau das nicht mehr haben werde. Dass es zu Ende ist. Du bist da. Noch ganz nah. Aber so weit weg, dass ich mich kaum mehr an dich erinnere, so wie du warst, als wir waren.

Und wir waren so schön. So glücklich.
Das sind wir beide nicht mehr.
Ich würde zu gerne aufhören, dich zu lieben. Weil es weh tut. Weil du mich nicht mehr liebst. Weil es besser wäre.
Aber Liebe ist kein herzchenförmiger Heliumluftballon, der fliegen kann. Kein Schalter, den man einfach umlegen kann. Kein Wunschkonzert.

Sei vorsichtig mit dem, was du dir wünschst, du könntest es bekommen.
Du hast dir gewünscht, dass ich dich liebe. Und ich habe dich geliebt. Immer mehr.
Und jetzt liebst du mich nicht mehr. Dein Wunsch ist in Erfüllung gegangen, dein Gebet erhört worden.
Und jetzt sitze ich hier und warte auf das Ende. Das Ende meiner Träume, meiner Hoffnung, meiner Kraft.

Damit ich von vorne anfangen kann, wieder leben kann.
Ohne dich zu vergessen. Aber ohne Sehnsucht, ohne zu vermissen.
Mit dir und doch ohne dich.
Freunde. Wir können ja Freunde bleiben. Klischee.
Ich kann das nicht. Nicht jetzt. Ich will ein Teil in deinem Leben bleiben. Wissen, was dich bewegt. Aber das geht nicht mehr.

Du hast mich ausgesperrt. Ausgeschlossen. Wie ein Paket ohne Retourschein abgeschickt. Ich darf nicht, kann nicht zurück.
Will das auch eigentlich gar nicht mehr.

Aber es dauert. Dauert, bis mein Herz das realisieren kann.
Setz mich nicht unter Druck, bitte. Ich habe dich geliebt, liebe dich immer noch.
Gib mir Zeit, zu heilen. Denn nur wenn es heilt, kann ich loslassen. Es wird dauern. Ich weiß doch, wie lange die Zeit sein kann.
Aber es wird jeden Tag ein bisschen besser. Bis es irgendwann verheilt ist. Und dann bin ich über dich hinweg. Dann habe ich losgelassen.
Dann geht es mir wieder gut.

Ich will dich nicht komplett verlieren, nicht auch noch als Freund. Auch wenn ich weiß, dass das nicht geht, dass das schwierig wird.
Ich habe eine Schlacht zu kämpfen. Bis ich wieder am Leben bin.

Ich hätte deine Kämpfe für dich ausgefochten. Mich vor dich gestellt, um dich vor aller Welt zu verteidigen. Mich hinter dich gestellt, um dir den Rücken freizuhalten, um dir den Rücken zu stärken. Mich neben dich gestellt, um die Lasten mit dir gemeinsam zu tragen, um aller Welt zu zeigen, wie toll du bist, wie sehr ich dich liebe.
Jetzt steh ich nur noch ganz am Rande. Schaue zu. Will wissen, was dich bewegt. Darf mich das noch berühren? Oder willst du, dass es mich kalt lässt? Dass ich gehe?

Irgendwann wird es wieder gehen. Irgendwo werde ich dich loslassen.
Nicht hier und nicht heute. Aber irgendwann. Ganz bestimmt.

Und mich dann über die schönen Momente freuen. Denn die gab es. Und die will ich nicht loslassen.

Weil Erinnerungen kostbar sind.



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37 Antworten

Kommentare

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  • 0

    stehe gerade zwischen den stühlen... bin mir nicht sicher ob ich es lieben soll oder ob ich es wieder vergessen soll?!

    manche stellen sind wrklich klasse geschrieben und andere wirken plump und zu gewollt...

     

    01.02.2013, 23:19 von ilanz
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  • 1

    trifft den schmerz wahnsinnig gut...

    29.01.2013, 12:22 von ivchen
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  • 1

    oh man wahnisnn

    29.01.2013, 00:01 von Luisa-So
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  • 1

    absolut nachfühlbar. Wahnsinn! und wunderschön geschrieben.

    27.01.2013, 16:22 von levitate
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  • 2

    Der Text spricht mir aus der Seele. Hätte auch von mir sein können... Mir gehts nämlich genauso!
    Du hast schöne Worte gefunden, um deine Gefühle und deine Situation zu beschreiben. Gefällt mir sehr!

    25.01.2013, 13:43 von Bea87
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  • 1

    Ich weiß, dass ich einen Text toll finde, wenn ich ein paar Zeilen lese und mir die Tränen übers Gesicht laufen. Das tun sie und deshalb ist es ein toller Text. Punkt! :D

    24.01.2013, 18:56 von So_Gewollt
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  • 1

    So unglaublich treffend. Wahnsinn.

    24.01.2013, 11:21 von nirgendsueberall
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  • 2

    "Du bist da. Noch ganz nah. Aber so weit weg, dass ich mich kaum mehr an dich erinnere, so wie du warst, als wir waren." das kann ich so gut nachvollziehen, autsch!

    24.01.2013, 09:34 von ladolente
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  • 1

    Wow. Da kommen Gefühle wieder hoch. Ich glaube ich bin mittlerweile am irgendwann schon ziemlich nah dran. aber leider habe ich nicht das Glück, so kostbare Erinnerungen an schöne Momente behalten zu können....

    23.01.2013, 20:45 von JuApple
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  • 1

    ich bin verliebt in diesen text!

    23.01.2013, 20:06 von jules93
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