MissGrey 28.08.2014, 12:54 Uhr 0 2

Liebesbrief

Dir zu schreiben, ist doch alles was mir bleibt.

Ich weiß, dass du mich niemals lieben wirst. Nicht so, wie ich es gerne hätte. Wissen tu ich das schon lange. Begreifen erst seit einer Weile.


Du hast von Anfang an keine großen Gefühle gezeigt, doch das macht es umso schlimmer. Jedes kleine Zeigen von Gefühlen, war ein Stückchen Gold, dass ich eingesammelt und gehütet habe. Es war umso wertvoller, weil es so so selten war. Jeder schläfrige Kuss,jedes Zugeständnis an mich,selbst mit einem negativen Satz/Wort, war etwas besonderes. Als du geschrieben hast, du hättest absichtlich Streit angefangen, weil du wusstest, dass du Gefühle für mich hast, dachte ich, wir hätten es endlich geschafft.

Ich rede mir gerne ein, dass du mich nicht liebst, weil du Angst hast mich zu verletzten und weil du befürchtest, ich würde zu viel verlangen und deinen zerbrechlichen Elfenbeinturm zum einstürzen bringen. Das ist die romantische Erklärung, eine mit der ich mich vielleicht irgendwann abfinden kann. Die andere ist, dass ich einfach nicht gut genug für eine richtige Beziehung bin. Zu kaputt, zu verkorkst, dass mein Lebenslauf nicht nur beruflich eine Rolle spielt.


Das stimmt. Ich bin beschädigt, ich bin ein Mängelexemplar. Ich hab eigentlich keine Ahnung, was Liebe ist. Was normale Liebe ist. Liebe war für mich schon immer mit Schmerz und Abhängigkeit verbunden. Natürlich weiß ich warum. Das ist sehr sehr einfache Psychologie. Mein Vater liebt mich,aber hat irgendwann aufgegeben,mich zu „retten“ (ich spreche von meiner Kindheit, wir haben das immer wieder mal angeschnitten, aber wirklich niemand hat Interesse an der Geschichte eine kleinen Mädchens, das Opfer der Umstände wurde,also werde ich nicht näher ins Detail gehen) Deswegen klammere ich mich an alles, was annähernd nach „Liebe“ aussieht und kann es nicht mehr loslassen, selbst wenn es nur noch weh tut und die Goldstückchen immer weniger werden. Wenn ich nur noch mir selbst etwas vorlügen kann. Deswegen habe ich A. auch nach den schlimmsten Aussetzern immer wieder aufgenommen und deswegen fühle ich mich immer noch teilweise für ihn verantwortlich. Er war sehr lange Zeit „Liebe“, obwohl sie auch von Dominanzspielchen und Abhängigkeit im wahrsten Sinne geprägt war. Ich hätte alles für ihn getan und ich habe Dinge getan, die ich vorher nicht für möglich gehalten habe. Nur damit wir so tun konnten, als hätten wir tatsächlich eine glückliche Zukunft. Und damit ich so tun konnte, als hätte ich eine Familie.


Danach klammerte ich mich ein irgendwelche Scheiße, suchte überall nach einem Ersatz. Fand viel früher schon Dinge, die mich wenigstens weniger fühlen ließen. Ich musste manches nicht mehr aushalten,wenn ich nicht wollte.


Nach diesem ganzen Scheiß kamst du. Und ich dachte der ganze belanglose Sex, die bedeutungslosen Eroberungen haben mich endlich zu dem coolen,abgewichsten Mädchen ohne Gefühle gemacht. Wie weit gefehlt. Ich hatte mich praktisch schon halb in dich verliebt als du mich das erste mal geküsst hast. Ach seien wir ehrlich, ich hatte mich in dich verliebt, als du mich das erste mal geküsst hast. Am Ufer eines Flusses, im Mondschein. Mein Gott, wie kitschig.


Glaub mir, ich habe mir seitdem oft gewünscht, nicht in dich verliebt zu sein. Und du hast es mir auch teilweise sehr sehr einfach gemacht. Es eben NICHT zu sein. Vielleicht ist das aber auch genau der Grund dafür. Dich zu „knacken“ ist (nahezu) unmöglich. Ich bin mir sicher, das macht den Reiz aus. Jeder Trottel wirft heutzutage mit seinen Gefühlen um sich, macht Herzchen auf Facebook, jeder mit dem man mal gefickt hat, ist sofort DIE große Liebe und man verlobt sich nach 3 Monaten.


Ich weiß nicht, ob du mir tatsächlich geglaubt hast, dass ich nicht in dich verliebt bin, oder ob es für dich nur der einfachere Weg ist. Glaubst du mir? Hast du mir das jemals geglaubt?

Manchmal denke ich, jedes Wort, jede Geste verrät mich.


Doch leider ist es letzten Endes egal gewesen, nicht wahr? Selbst wenn du mich mochtest, war dein Bedürfnis mich zu hassen sehr viel größer.


Und alles was am Ende bleibt, sind goldene Erinnerungen.  

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