Liebe
Es war vorbei zwischen uns. Plötzlich aber doch sehr vorraussehend.
Es war ein ganz normaler Wochenendtag. Du warst aus wieder angereist und warst bei mir. Das Wochenende war ganz normal. Freitags kamst du und am Montag morgen fährst du wieder. Die Nächte die dazwischen lagen, warst du bei mir. Doch dieses Wochenende war einfach anders. Man merkte zwischen uns eine kühle Stimmung, du wolltest nach Hause fahren zwei Dörfer weiter zu deinen Eltern und bei denen mal schauen, was die so machen. Natürlich verstand ich das und bat dich bitte bei mir zu melden, sobald du weißt, wann du wieder hier bist.
In der Zeit widmete ich mich Schulsachen und schaute nebenbei auf die Uhr. Dass du nie pünktlich warst, geschweige denn die Kunst des Meldens besaßt, das wusste ich nach einem Jahr Beziehung. Ich kannte es nicht anders. Auch wenn es mich innerlich doch sehr ärgerte. Nach ein paar Stunden beschloss ich dann, dich anzurufen und zu hören, wie es denn nun so aussah. Du warst kühl zu mir und kamst zu keinem richtigen Punkt, worauf meine Nachfrage energischer wurde. Nach ein paar Diskussionen und einigen Vorwürfen kam nur "Ich werde gleich kommen, wir müssen reden."
Ich wusste, was das bei dir hieß. Es würde wieder ein riesiger Streit entstehen mit vielen Tränen und endloser Angst, den anderen zu verlieren. Genau an diesem Punkt fragte ich mich, ob ich dich überhaupt noch richtig lieben würde, oder ob es doch eher die übliche Gewohnheit war Zusammenzusein. Ich wusste es nicht und wollte es mir auch nicht weiter vorstellen. Ich versuchte mich positiv zu stärken und mit viel Optimismus drauf zu zugehen.
Nach ein paar Minuten standest du vor meiner Tür. Du gabst mir einen kurzen Kuss und wir gingen ins Wohnzimmer. Nach langem Hin und Her fragte ich dich "Liebst du mich überhaupt noch?" Dein Gesicht wurde schlagartig blass. Es war keine eindeutige Antwort zu erkennen und auch ich wurde skeptisch. Somit wiederholte ich die Frage. Auch dieses Mal kam keine andere Reaktion. Ich wurde energischer und hinterfragte das ganze nochmal. Nach einer Weile schweigen kam nur "Ich weiß es nicht, ich glaube nicht."
Ich brach in Tränen aus. Über ein Jahr Beziehung einfach so weg? Du versuchtest mich zu trösten, mich aufzufangen, aber von DIR wollte ich das nicht. Du warst aufeinmal wie für mich gestorben. Ich wusste nicht, was ich wollte. Solltest du gehen? Bleiben? Mich gar trösten? Keines von denen. Ich wollte DICH und unsere sonst so interessante Beziehung wieder. Ich wollte ohne dich garnicht.
Ich schickte dich weg. Ich wollte allein sein. Ich wollte damit alleine klarkommen. Höchstens ein paar gute Freunde um mich haben. Meinen besten Feund schickte ich sofort eine SMS. Er war für mich da und bot mir sofort an, zu ihm zu kommen und bei ihm zu schlafen. Ich nahm das Angebot nicht an. Ich wollte alleine sein, wollte nur, dass er Bescheid wusste.
Paar Tage später wusste es jeder. Egal wer, er wusste es. Wir waren in unserer Stadt bekannt. Unsere Stadt war nicht groß. Wir waren quasi das Traumpäärchen der Stadt und das sollte damit vorbei sein.
Aber heute kann ich sagen, ich komme damit sehr gut klar. Er und ich sind sehr gut befreundet. Mitlerweile habe ich einen neuen Freund und habe aus meinen Fehlern der letzten Beziehungen gelernt. Und ich bin nun glücklicher! Viieeeel glücklicher! Trotzdem bleibt er für mich einfach unvergessen. Er hat mir damals das erste Mal gezeigt, was die erste große Liebe ist und das ist auch gut so. Es ist alles gut so, wie es jetzt ist. Und ich danke diesem Menschen nocheinmal dafür, was wir alles Schönes erlebt haben und auch für die negativen Erfahrungen. Und ich weiß, dass der Ratschlag von meiner Schwester "Bald wirst du es von einer anderen Seite sehen", der Beste war den ich hatte und auch der hilfreichste war, wenn auch im ersten Moment unverständlich.


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