Liebe und der Mist drumherum
Es ist Nacht. Draußen versinkt alles in kaltem, grauen Nebel.
Ich sollte längst schlafen, doch wirre Gedanken und dieses dumpfe, fordernde Gefühl irgendwo in meiner Brust halten mich wach. Ich bin allein. So war es bisher immer, wenn es draußen dämmerte und manchmal bin ich überzeugt, dass sich daran nie etwas ändern wird.
Niemand kann sagen:"Du hast es ja garnicht erst versucht. Auf jeden Topf passt ein Deckel aber der kommt nicht von selbst". Das ist mir recht schnell klar geworden.
Nur eine weitere, unangenehme Erkenntnis aus einer Kette, die nie enden wird. Und jede Einzelne reisst ein weiteres kleines Loch in mein Luftschloss, erbaut von einer romantischen Weltanschauung.
Der eine oder andere wird jetzt vielleicht denken:"Werd' erwachsen. Mach die Augen auf und akzeptier die Realität!". Ab und zu tue ich dann, was die Gesellschaft von einem durchschnittlichen, 20-jährigen Typen wie mir verlangt:
Ich öffne meine Augen -doch nur um sie gleich wieder zu schließen! Denn da ist dieser unvorstellbar große Scheißhaufen, den sie 'Realität' nennen und ich stecke mitten drin. Wühle mich da durch, um die Oberfläche zu erreichen und jedesmal ist die Luft knapp. Manchmal geht mir die Luft vorher aus. Dann schlucke ich ein bischen von der Scheiße, vom Leben. Dabei soll ich mir einbilden, das es gut schmeckt:" Du willst mehr davon, vom Leben, von der Kacke!". Und ich glaube ihnen.
Irgendwann bin ich dann wieder allein, kann all den Mist spüren ohne drin zu stecken. Jetzt habe ich Zeit, um darüber nachzudenken.
Es tauchen Fragen auf, wie:" Wer ist für diesen ganzen Mist verantwortlich?" oder "Warum soll ich mich nach oben kämpfen, wo ich doch eh wieder einsinke?".
Das sind zwei der zeitlosen, großen Fragen auf die schon Etliche vor mir keine Antwort wussten. Ich werde wohl auch nie eine zufrieden stellende Lösung finden. Doch das macht nichts, weil es nie ein Problem gab außer im Kopf desjenigen, der die Fragen stellt.
Mir persönlich reicht, um wieder auf meine anfängliche Problematik zurückzukommen, jenes seltsame Gefühl zum Leben. Das, welches mich gleichzeitig nicht schlafen lässt. Die Hoffnung darauf lässt mich -fast- jeden Tag von Neuem beginnen, auch wenn das größtenteils unbewusst geschieht.
Jenes Gefühl -oder ist es ein Zustand?- wonach jeder sucht, ohne es zu verstehen meine ich und selbst der grantigste Hinterwäldler wird nun eine Ahnung haben, worum es hier geht. Unnötig also, sie hier nochmal aufzuführen ist es diese abstrakte Kraft, schön und grausam zugleich, die mir dieser Tage zu schaffen macht. Meine ohnehin unstete Konzentration auf die eigentlichen, wichtigen Aufgaben ist nun vollends zerstört.
Es gibt nur wenige Momente, in denen ich nicht ihr Bild vor meinem inneren Auge habe. Augenblicke wie kurze Filmsequenzen ziehen abwechselnd daran vorbei. Stumme Zeugen der kostbaren Sekunden, in denen sie mir ihre Aufmerksamkeit schenkte.
Olle Kamellen. Jeder hat es mit einem gewissen Alter schon erlebt und trotzdem ist es jedesmal anders. Der Unterschied liegt primär in der Intensität der Emotionen die entstehen, wenn man jene besondere Person sieht oder von ihr träumt. Dabei werden die Gefühle stärker, je länger man an seiner Illusion eines gemeinsamen Lebensabschnitts festhält. Entsprechend groß ist dann Erfahrungsgemäß der Schmerz, der einsetzt, sobald das imaginäre Kartenhaus zusammenbricht. Und obwohl es bis zu einem bestimmten Grad okay ist, für seine Träume zu leiden, möchten die Meisten gerade diesen Effekt eines erfolglosen Annäherungsversuchs vermeiden: Sie stellen die Partnersuche komplett ein, werden schwul oder sterben. Eine weitaus bequemere Methode ist die, sich jene Personen auszusuchen, bei denen von vornherein klar erkennbar ist: Hier nix Liaison, nichtmal im nächsten Leben...


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Kommentare
das ist so traurig.
26.02.2008, 20:35 von Atompudel