Liebe pur. Und dann kam der Verstand.
Du warst vor mir glücklicher. Das mag sein, aber kann ich es auch nach dir sein. Jetzt, wo dir mein Herz gehört?
Es ist zu viel. Dir ist es zu viel. Überfordert, genervt, der Wunsch danach, einfach weiterzuleben. Das alte Leben. Ohne mich. Ohne uns. Hoffnung keimte, als du geschrieben hast, es wird alles gut, meine Unsicherheiten verschwinden bestimmt, wenn wir uns beide zusammenreißen. Zusammenreißen für uns. Um uns am Leben zu halten. Doch ein Tag für dich, ein Tag mit dir und deinen Gedanken und der Frau aus deiner Vergangenheit, der du mal einen Ring an den Finger gesteckt hast aus Liebe, mit der du zwei reizende Mädchen in die Welt gesetzt hast, hat alles zerstört. Eine Entscheidung vom Verstand. Dir geht es ohne mich doch viel besser, sagtest du. Besser, du warst ohne mich viel glücklicher. Ich bin dir doch nur eine Last. Eine Last für deine Zukunft, dein Studium. Eine Last für deinen Geldbeutel. Eine Last für dich. Und ich bin eine Last für mich. Sagtest du. Der Stress in deinem Leben macht dich kaputt. Ohneinander geht es uns besser. Du beendest das, was wir so intim und gefühlsgetränkt hatten. Liebe. Pure Liebe. Wir, die zusammen eine Zukunft aufbauen wollten. Alles was eben so dazu gehört. Aber das ist alles vorbei. Die Zukunft ist beängstigend, und es ist verlockend, zu seiner Vergangenheit zurückzurennen, weil sie vertraut ist, aber das ist ein Fehler. So zumindest weinte es mir eine Schauspielerin in einer Serie entgegen. Und ich glaube fest daran. Aber es war seine Entscheidung. Zu ihr zurückzugehen. Zu den Kindern. Auch wenn da vielleicht viel mehr dran hängt, als man glaubt. Geld. Wohnung. Gewohnheit. Vergangenheit. Ängste. Und jetzt. Nichts mehr. Keine Guten-Morgen-SMS. Keine Liebesbekundungen zwischendurch. Einfach weil mir dein Herz gehört. Und noch nicht mal ein Danke, mir geht es gut, dir auch? Einfach gar nichts mehr. Von 100 auf 0. Und das schlimme ist, ich weiß, dass ein Teil deines Herzens mir gehört, auch wenn du nicht bei mir bist. Nur manchmal muss eben der Verstand die Entscheidung treffen und nicht die Liebe. Weil man denkt, man geht aneinander kaputt. Wenn man festhält. Es war zu viel. Für ihn. Die Tatsache, dass ich anscheinend so sehr an ihm hing, dass ich ohne ihn nicht wollte. Die Rasierklinge, die sich in mein Handgelenk schnitt, den Moment, in dem meine Mutter mich aus der Badewanne fischte, mir gut zuredete und mich in die Poliklinik fuhr. Dass ich in den Tagen danach den Kontakt suchte, obwohl er keinen wollte. Dass ich verlangte, nocheinmal mit ihm zu reden, einfach um Klarheit zu schaffen. Und er ist sauer. Verachtung. Genervtheit. Wie kann aus Liebe, die so stark ist, dass es weh tut, wie kann das ins Gegenteil umschlagen? Aber das macht es für ihn nur einfacher, solche Seiten an mir zu entdecken und mich nicht als die perfekte Frau in Erinnerung zu behalten. Und das finde ich traurigerweise gut. Der Wunsch, dass er glücklich ist, ist größer, als der Wunsch, dass ich diejenige bin, die ihn glücklich macht. Und so ist das doch, wenn man jemanden liebt. Man möchte, dass derjenige glücklich ist, auch wenn einen das selbst nicht beinhaltet. Und es zerreist mich. Wir trafen uns in der falschen Zeit. Da stimmt er mir zu. Es war einfach nicht unsere Zeit. Und das macht es so schwer, zu akzeptieren, dass wir jetzt im Moment nicht zueinander gehören. Wo wir uns doch so blind verstanden haben. Wo du doch gesagt hast, bei mir hat die Suche ein Ende gefunden. Mir die Stirn geküsst hast und gesagt hast alles wird gut. Doch das bleiben nur Erinnerungen. Und nun muss ich stark sein. Muss zeigen, dass ich auch einfach nur mit mir selbst glücklich sein kann. Leben kann. Ohne ihn. Denn wer will schon eine Frau, die an einer Trennung kaputt geht? Deren Leben daran kaputt geht? Eine starke Frau. Das will er. Sehen, dass ich auch ohne ihn kann. Sonst höre ich nie wieder was von ihm. Ich muss es ihm beweisen. Und natürlich auch mir selbst. Ich denke mir jedes mal, was ist, wenn ich ihn in einigen Jahren im Pub treffe. Und er wieder für sich ist. Wird für ihn in dem Moment genauso die Zeit stehen bleiben, wie für mich? Wird ihm, wie mir, jedes mal, wenn ich an ihn denke, ein heißer Schauer den Rücken runter laufen? Wird es ein neues uns geben? Aber bis dahin, darf ich mich nicht von dieser kleinen Hoffnung abhängig machen. Muss leben. Und nur vielleicht, wenn die Umstände andere sind, wenn wir beide wieder für uns sind, nur vielleicht, haben wir dann wieder eine Chance. Ich bin stark. Eigenständig. Unabhängig. Nur fehlt er mir so unfassbar. Alles was ich anfasse, rieche, höre, spüre, erinnert mich an ihn. An uns. Aber wie eine sehr gute Freundin von mir schon sagte über sich.
Er hat sie und ich hab nichts.


.jpg)



Kommentare
Tragisch-schöner Text!
23.01.2012, 14:33 von FAZUnd... leben ist immer eine gute Idee, denn auch wenn 99 von 100 Tagen scheiße sind, für den 1 guten Tag lohnt es sich schon und irgendwann ist Licht am Ende des Tunnels...