laura_123 30.11.-0001, 00:00 Uhr 87 38

Liebe mich einfach nur

Würde dieser Sommer einen Namen tragen, dann hieße er wie du.

Draußen ist es noch dunkel. Ich lehne mich über dich, um an mein Handy zu kommen, das zwischen unseren Klamotten am Boden liegt. Es ist halb sechs aber egal wie spät es wäre, es ist längst Zeit für mich zu gehen. Mein Kopf sinkt zurück aufs Kissen und ich spüre wieder dieses Stechen in meiner Brust, wie immer, wenn ich langsam nüchtern werde und mal wieder neben dir aufwachen muss. Es ist fühlt sich so schrecklich an, weil es so schön ist. Ich will mich nicht an diesen Gedanken gewöhnen. Ich schwöre mir, dass es das Letzte mal war und steh vorsichtig auf, um dich nicht zu wecken. Natürlich schaffe ich es mal wieder nicht, zu gehen, ohne mich umzudrehen. Ich schau dich an, wie du seelenruhig in dem Bett schläfst, indem wir uns schon so oft geliebt haben, indem ich angefangen habe dich zu lieben. Du liegst da und hast keine Ahnung. Zum Glück. Ein Wort von dir und ich würde alles ändern. Fang endlich an mich zu lieben. Mach die Augen auf, damit du siehst, was ich die ganze Zeit schon sehe. Du sollst mich einfach nur lieben, so wie ich dich liebe. Draußen schlägt mir der kalte Nebel ins Gesicht. Er fühlt sich an wie mein Gewissen. Es tut weh, das Falsche zu tun, wenn das Richtige doch so offensichtlich wär. Du bist richtig aber das mit uns fühlt sich so wahnsinnig falsch an. Ich steige ins Taxi.

 Ich weiß nicht wohin es mich fahren soll. Ich will jetzt nicht alleine sein, also fahre ich zu ihm. Meinem Freund. Zu dem Falschen, während der Richtige in dem Bett liegt, das ich eben verlassen habe. Ich denke jedes Mal daran, wie es sich anfühlt in deinen Armen zu liegen, wenn ich in Seinen liege. Ich versuche krampfhaft mich daran zu erinnern, wie es war, wie du riechst, wie du schmeckst. Meine Lippen brennen noch immer vom Küssen. Ich spür noch immer deine Berührungen auf meinem Körper. Ich rieche noch immer deine perfekte Haut. Meine Hände greifen noch immer nach deinem vollkommenen Körper. Ich schmecke noch immer deine Zunge in meinem Mund. Würde dieser Sommer einen Namen tragen, dann hieße er wie du.

Aber irgendwann wirst du mir hoffentlich egal geworden sein. Irgendwann werde ich durch die Stadt laufen können, ohne an dich denken zu müssen. Irgendwann werde ich dort stehen können, wo du mich das erste Mal geküsst hast und ich werde tief einatmen, eine Sekunde die Augen schließen, mich von dir verabschieden und beim Ausatmen werde ich alles los lassen, was du in mir zurück gelassen hast und ich werde mit erhobenen Haupt davon gehen können und nie wieder an die Zeit mit dir zurück denken müssen.

Das zwischen uns ist nicht richtig. Es fühlt sich aber ziemlich wichtig an, ein wenig zu richtig, um es zu verleugnen. Irgendwann will ich auch nicht mehr nur irgendjemand für dich sein. Langsam hätten wir uns ein bisschen mehr verdient oder? Ein bisschen mehr, als nur diese erdrückende Oberflächlichkeit. Ich wollte noch nie etwas so sehr, wie das hier. Du veränderst mich. Mit jedem Kuss änderst du mich ein bisschen mehr. Ob die Richtung gut ist, weiß ich noch nicht. Du bist mein Abenteuer. Jeder Sommer hat sein Märchen und du bist Meins. Ich hoffe nur, dass ich irgendwann mit all dem hier abschließen kann. Mit dir und unserer Geschichte. Meine Haare riechen noch nach dir. Das macht es mir nicht gerade leicht dich zu vergessen.

 Ich steige aus dem Taxi und merke erst jetzt, dass mir Tränen über das Gesicht laufen. Ich steh vor seiner Tür, als du anrufst. Du fragst, warum ich so plötzlich weg war ohne mich zu verabschieden. Einen Moment lang überlege ich, ob ich es dir jetzt sagen soll, ob ich mich jetzt endlich erlösen sollte. Er öffnet die Tür und lächelt mich an. Ich lege auf und lächle zurück.

 

 

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87 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Mit der Einstellung wirst du den Winter alleine verbringen...

    14.11.2014, 02:20 von pecadomortal
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  • 0

    Thematisch nichts "neues" und irgendwie nicht sonderlich spannend geschrieben. Und dann auch noch Fehler drin... Sorry, da kommt nichts bei mir an.  

    13.11.2014, 21:59 von Gedanken.art
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  • 8

    der (spieß)bürgerliche Standard: sicherer Versorger-Ehetrottel fürs Heim und verwegener Draufgänger fürs Bett reicht weit in die Generationen kleinmütig sicherheitsbessener Halbherzigkeiten und gesellschaftlicher Fremdbestimmung zurück, (ähnlich umgekehrt für Männer) wird vorgelebt , leidig nachgeliebt, suchen Kindeskinder nach ungeteiltem Glück in den fragmentierten Lügen- und Selbstbeschissschablonen heiler-Welt-Märchen, die SO nicht unmöglicher, zerrissener, entfernter sein könnten. 

    13.11.2014, 18:42 von schauby
    • 1

      ach schauby. herrlich!

      14.11.2014, 09:38 von RAZim
    • 0

      schön gesagt


      22.11.2014, 17:54 von C.T.W
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  • 3

    der beste weg gefickt zu werden is bei sich selbst grundlich anzufangen, ne ?

    bravo

    13.11.2014, 17:57 von PixelAspect
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  • 0

    Was gibt ihr das Recht, sich als Opfer darzustellen, wo sie doch diejenige ist, die bewusst mit Gefühlen eines anderen spielt? 

    Wer die Liebe eines Menschen derart hintergeht hat nicht verdient geliebt zu werden. 

    13.11.2014, 13:40 von Lu_rah
    • 1

      'nicht verdient geliebt zu werden'?

      I break together...

      Wer meint, daß man sich 'Liebe' verdienen müsste, hat noch einen gewissen Weg vor sich, denke ich...

      13.11.2014, 14:49 von sailor
    • 0

      17.11.2014, 11:43 von Lu_rah
    • 0

      Ich war auch erstmal sprachlos...

      17.11.2014, 11:44 von sailor
    • 0

      17.11.2014, 11:45 von Lu_rah
    • 1

      Achso, wenn Moral und Ehrlichkeit keinen Wert mehr haben, habe ich offensichtlich "noch einen gewissen Weg" vor mir.

      Aber gut es ist natürlich sehr viel einfacher mit der Überzeugung zu leben, solange es mich glücklich macht ist es in Ordung. Ich meine hey, scheiß auf die Gefühle anderer, YOLO, nach mir die Sintflut, Hauptsache ich bekomme was ich will.

      Vielleicht sollten wir alle nach diesem Motto leben, so bekämen wir alle die Moral, Ehrlichkeit und Liebe die wir verdienen.
      Was du gibst, bekommst du auch zurück.

      17.11.2014, 11:52 von Lu_rah
    • 0

      Ich wüsste nicht, wo ich 'Moral' (was immer eine Frage der gesellschaftlichen Verabredung ist) oder Ehrlichkeit unterbewertet hätte.

      Ich störe mich an der Botschaft im Subtext, 'Liebe' sei etwas, was man sich verdienen muss.
      Aber schön, daß du darauf nicht eingehst.

      Im übrigen hilft es meiner Erfahrung nicht weiter, Menschen, die sich sowieso gerade in einem emotionalen Schleudergang befinden auch noch Vorwürfe zu machen...

      17.11.2014, 12:12 von sailor
    • 1

      Vielleicht kommst du mal in die Situation des hier beschriebenen "Freundes" und vielleicht verstehst du dann meinen Standpunkt.
      In meinen Augen sollte ein Zusammenhang zwischen Moral, Ehrlichkeit und Liebe schenken und Moral, Ehrlichkeit und Liebe geschenkt bekommen, bestehen.

      Ich meine nicht, dass man durch ein gewisses Aussehen, eine gewisse Art oder Anstrengungen verdient.
      Man verdient indem man zu schätzen weiß.

      17.11.2014, 12:43 von Lu_rah
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  • 0

    soso schön beschrieben. 

    schrecklich schön beinah.

    12.11.2014, 21:58 von petrichor.
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