GartenVonGettis 28.10.2014, 09:48 Uhr 1 8

Liebe meines Lebens

Du willst, dass ich dich liebe. Und du tust alles dafür, obwohl du doch vorher alles dafür getan hast, dass ich das nie wieder kann.

Als ob ich an dich denken würde, wenn ich aufwache. Oder einschlafe. Oder dazwischen, egal ob wach oder im Traum.

Als ob das Sinn machen würde, nach allem was geschehen ist.

Als ob ich dir noch vertrauen könnte, wo du mich doch so verletzt hast, wie nichts und niemand zuvor.
Nachdem du mich doch allein gelassen hast als es mir am schlechtesten ging und all das aufgeben hast, von dem jeder dachte, dass es unendlich ist. Insbesondere ich selbst. Und du wohl auch.

Ich meine, ich habe lange gekämpft, um uns. Um eine Chance, weil ich wusste, dass wir doch eigentlich noch gar nicht am Ende sind. Ich war mir so sicher. Und ich wollte, dass du das auch siehst. Ich wollte es dir zeigen, habe alles gegeben und es war gut. Aber du hast gar nicht hingesehen, du wolltest es nicht sehen. Du warst nicht bereit, mir eine Chance zu geben, auch wenn du es gesagt hast.
Wenn es gut war, hast du einfach deine Augen geschlossen und dich weggedreht. Dir die Ohren zugehalten und dich verschlossen. Unbewusst.
Und ich bin gegen diese Mauer aus Verschlossenheit gerannt. Immer und immer wieder. Und verzweifelter mit jedem Tag, weil ich wusste, dass die Chance, die du mir geben wolltest, gerade vorbeizieht…ohne dass du sie mir wirklich gibst.

Und als es besser und besser wurde, ohne dass du es bemerken wolltest, bist du gegangen und hast dich nicht mehr umgedreht.

So war es wohl am einfachsten. Für dich.
Du hast mich am Boden zurückgelassen. Kraftlos und ausgelaugt. Vom Leben und insbesondere von dem Kampf, den ich gegen dich geführt habe. Gegen dich und deine Blindheit. Und eigentlich doch um dich.
Und es hat lange gedauert bis ich mich wieder erholt hatte.

Irgendwann konnte ich wieder Spaß haben, ja. Aber ich musste stets darauf achten, niemals auch nur einen Zentimeter nach hinten zu weichen. Jede falsche Bewegung hätte mich in einen Abgrund stürzen können, der so tief und schwarz war, dass nicht einmal atmen im Bereich des Möglichen war.
Und so viele falsche Bewegungen haben es so oft getan.
Und sie tun es noch, werden es weiterhin tun. Nur seltener. Weniger erdrückend, wenn auch weiterhin schmerzhaft.

Trotzdem habe ich gelernt, wieder Farbe in mein Leben zu lassen. Sonne und Wärme und Lachen.
Es war nicht wie vorher, natürlich nicht. Es gab kein Ziel, keinen wirklichen Sinn. Keine richtigen Träume, obwohl das doch das wichtigste ist, was man nur haben kann.
Aber immerhin war da nun die Hoffnung, wieder träumen zu lernen.
Ich habe hart daran gearbeitet und so viel Kraft gebraucht, um an diesen Punkt zu kommen und wieder im Grün des Mais durch den Wald zu tanzen. Ganz unbeschwert, manchmal wirklich glücklich.

Und dann kommst du und tippst mich an die Schulter, ganz unverbindlich. Wie müssten das klären, sagst du.

Nein, denke ich, müssen wir nicht. Wie hätten es gemusst, aber wir müssen es nicht mehr, denn irgendwann ist die Zeit vorbei.

Doch du gibst nicht nach und deswegen tue ich es.
Weil es dir wichtig zu sein scheint, denke ich.

Und mir war es eigentlich auch immer wichtig. Denn ich war mir sicher, dass unsere Zeit nicht vorbei ist. Dass das nicht unsere letzte Chance war, sondern unsere erste und dass wir uns wiederfinden würden – irgendwann.
Aber nicht nachdem du dir so viel Zeit gelassen hast und mir mit einer derartigen Ausdauer zu verstehen gegeben hast, dass es dir egal ist, ob ich am Boden liege. Oder wo. Oder wie lange.
Genau das war doch das, was mir am meisten weh getan hat. Dass du nicht nur die erste Chance beendet hast, sondern auch alle weiteren. Dass du direkt auf die Karte der Endgültigkeit gesetzt hast, indem du dich bemüht hast, mir die Chance zu nehmen, dir je zu verzeihen.

Und dann stehst du plötzlich da und willst es nicht nur klären, wie du gesagt hast. Du willst nicht nur, dass ich dir verzeihe. Du willst, dass ich dich liebe. Und du tust alles dafür, obwohl du doch vorher alles dafür getan hast, dass ich das nie wieder kann. Und ich bin verwirrt und alles dreht sich. Und ich weiß, dass es Irrsinn ist. Und ich weiß, dass du mir nicht Leid tun dürftest, weil du nur genau das durchmachst, was ich bereits vor Monaten hinter mich gebracht habe. Ohne, dass ich dir Leid getan hätte. Ohne, dass du Schuldgefühle gehabt hättest. Ohne, dass du auch nur zu mir herunter geblickt hättest. Oder mir eine Chance gegeben.

Die Sache ist also doch ganz eindeutig, denke ich mir und sehe dir trotzig in die Augen.
Als ob ich jetzt alles aufgeben würde für dich, nur weil du dir über Nacht überlegt hast, dass es wohl falsch war und dass du mich doch brauchst. Plötzlich.

Als ob ich mein Leben, was ich mir so hart erarbeiten musste, nun aufgeben würde, für jemanden, der mich aus dem davor herausgeworfen hat, wie einen Stein aus dem 11. Stock.
Als ob ich wegen dem Jungen, der mich auf den Boden geschmissen hat, bereit wäre einen anderen, perfekten Menschen zu verletzten, der in diesem Moment mit einem Lächeln und so viel Licht auf mich zu kam, um mir wieder hoch zu helfen.
Als ob es mich interessieren würde, dass du die Liebe meines Lebens bist. Und ich deine.


Tags: Trennung, Zweifel, verzeihen, liebe des Lebens
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Kommentare

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    Als ob es mich interessieren würde, dass du die Liebe meines Lebens bist. Und ich deine.

    Traurig.

    28.10.2014, 11:24 von Donna.Wetta
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